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Formel E

Formel E: Puebla-Debüt mit Joker-Kurve für Attack Mode

Die Formel E ist immer für eine Überraschung gut: Bei den Ausweichrennen im mexikanischen Puebla erwartet Teams und Fahrer ein spezieller Strecken-Kniff.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Formel E macht sich auf den Weg in die zweite Halbzeit der Saison 2021. Am kommenden Wochenende gastiert die Elektro-Rennserie zum ersten Mal in ihrer Geschichte in Puebla, Mexiko (19./20. Juni 2021). Bei den bevorstehenden Saisonrennen Nummer acht und neun steht nach Valencia die zweite permanente Rennstrecke im Kalender auf dem Plan.

Der Doubleheader auf dem hierzulande größtenteils unbekannten Autodromo Miguel E. Abed springt als Alternative für die ursprünglich geplante Rückkehr nach Mexiko-City ein, wo die Formel E bereits fünfmal zu Gast war. Während der Corona-Pandemie werden Teile des Autodromo Hermanos Rodriguez allerdings als Hospital für Corona-Patienten genutzt.

Im rund 100 Kilometer östlich von Mexiko-City gelegenen Puebla erwarten Teams und Fahrer nicht nur die üblichen Tücken einer permanenten Rennstrecke. Für den 2,98 Kilometer langen Kurs mit seinen 15 Kursen haben sich die Verantwortlichen der Formel E einen besonderen Kniff einfallen lassen: eine 'Joker-Kurve' im Bereich der Attack-Mode-Zone!

Um in den Rennen den Attack Mode zu erhalten, müssen die Autos noch weiter als üblich von der Ideallinie abweichen. In Puebla führt die Aktivierungszone in Kurve 8 weit über die eigentliche Strecke hinaus. Laut Angaben der Formel E müssen die Fahrer mit einem Zeitverlust von drei bis vier Sekunden rechnen und damit ungefähr doppelt so viel wie üblich.

Das Streckenlayout für den Puebla ePrix der Formel E - Foto: Formula E

Formel E erstmals auf Banking

Ein langgezogenes Banking in der letzten Kurve (Turn 15) auf dem Kurs, der entgegen dem Uhrzeigersinn befahren wird und auf dem in der Vergangenheit unter anderem die mexikanische NASCAR-Meisterschaft gastierte, sorgt für ein weiteres Novum in der Formel E.

"Puebla ist für mich komplettes Neuland", sagt Audi-Pilot Rene Rast. "Umso wichtiger ist es, schon so perfekt vorbereitet wie möglich anzureisen, um sich im Training konzentriert auf Qualifying und Rennen einschießen zu können. Wir wissen um die Stärke unseres Pakets - aber um aufs Podium zu fahren oder um den Sieg zu kämpfen, brauchen wir einen Startplatz in den Top Fünf - das muss in Mexiko und bei allen noch ausstehenden Rennen unser Ziel sein."

Während moderate Temperaturen von rund 20 Grad (wegen der Tallage) und nur geringe Regenwahrscheinlichkeit während des Rennwochenendes erwartet werden, könnte die Luft für die Fahrer dünn werden: Puebla liegt 2.200 Meter über dem Meeresspiegel und ist damit sogar noch höher angesiedelt als Mexiko-City.

"Wenn wir an heißen Orten mit abrasiven Strecken fahren, befinden wir uns am oberen Ende des Arbeitsfensters und die Reifen benötigen mehr Management", sagt Porsche-Werksfahrer Andre Lotterer, der auf Platz 18 in der Meisterschaft liegt. "Das Überhitzen der Batterie in Folge von zu starkem Rekuperieren kann ebenfalls ein Thema sein."

Die Streckenbedingungen auf dem Autodromo Miguel E. Abed dürften sich im Verlauf des Wochenendes massiv verändern. Nur wenige Rennserien nutzen den Kurs. In der Vergangenheit brachte es die Strecke zu einer gewissen internationalen Berühmtheit, als die ehemalige WTCC-Tourenwagenweltmeisterschaft von 2005 bis 2009 in Puebla ihre Rennen austrug.

10.000 Zuschauer bei Formel E in Puebla

Bis zu 10.000 Zuschauer können die beiden Rennen der Formel E am Samstag und Sonntag vor Ort verfolgen. Damit fährt die E-Serie nach dem letzten Rennen in Monaco zum zweiten Mal in Folge vor Zuschauern.

Die Streckenwahl fiel übrigens nicht zufällig auf das Autodromo Miguel E. Abed, das FIA Vize-Sportpräsident Jose Abed gehört: Volkswagen betreibt in der Nähe von Puebla sein größtes Werk außerhalb Deutschlands, und auch Audi baut Serienautos in dieser Region. Mit Aussteiger Audi und Porsche engagieren sich zwei Marken aus dem VW-Konzern in der Formel E. "Das war eines der Schlüsselelemente", bestätigte auch Formel-E-Mitgründer Alberto Longo.


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