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Formel E

Warum Formel E auf traditionellen Strecken nichts zu suchen hat

Formel-E-Rennen auf traditionellen Rennstrecken wie in Valencia dürfen nur eine Notlösung sein. Kommentar zu ewigen und unnötigen Motorsport-Vergleichen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Am Wochenende gastiert die Formel E auf dem Circuit Ricardo Tormo in Valencia und damit auf einer der sehr wenigen permanenten Rennstrecken in der Geschichte der Elektro-Rennserie. Hoffentlich bleibt es für die nächsten Jahre bei diesem einmaligen Ausflug, der allerhöchstens eine Notlösung angesichts der Corona-Pandemie ist. Formel E und traditionelle Rennkurse - das passt einfach nicht zusammen.

Nicht aber, weil "dann endlich mal alle sehen, wie langsam die Formel E im Vergleich zu anderen Rennserien ist", wie in den sozialen Medien seit Jahren vornehmlich seitens Skeptikern der Elektromobilität gemeckert wird.

Um an dieser Stelle mal Fakten zu liefern, statt seinen Unmut über E-Mobilität im Allgemeinen an der Formel E und ihren angeblich "für die Formel 1 zu schlechten" Fahrern auszulassen: Auf dem semi-permanenten Kurs in Marrakesch war die Formel E im Rennen 7,158 Sekunden schneller als der WTCR-Tourenwagenweltcup, der bis dato die einzige Möglichkeit eines direkten Rundenzeiten-Vergleichs bietet.

Und dass eine Formel E mit ihren 270 PS, Einheitschassis ohne Flügelwerk und Allwetterreifen sowieso unendlich viel langsamer ist als ein Formel-1-Auto mit rund 1.000 PS, dürfte auch dem allergrößten Motorsport-Anfänger klar sein. Falls nicht, bietet das nächste Rennen in Monaco einen Vergleich, der keine Überraschungen hervorbringen wird.

Valencia: Diese Kulisse passt einfach nicht zur Formel E - Foto: Audi

Formel E: Fälliger Bruch mit der Tradition

Es sind also nicht die Rundenzeiten und unnötigen Vergleiche, warum die Formel E auf traditionellen Rennstrecken nichts zu suchen hat. Sondern genau dieses Traditionelle, mit dem die erste rein elektrische Rennserie der Welt beim Debüt 2014 auf unterschiedlichen Ebenen gebrochen hatte. Rennen in den Innenstädten traumhafter Metropolen, Fanboost oder ausgeloste Qualifyings, um die Spannung zu erhöhen: Über das alles kann man zwar eifrig diskutieren, gegeben hat es das in dieser Form aber noch nie im Motorsport.

Und bei allem Respekt vor dem Circuit Ricardo Tormo: Valencia verkörpert alles, wofür die Formel E eigentlich nicht stehen sollte. Lahme Rennen zumindest im Vierradsport, ewige Auslaufzonen mit - schauen Sie am Wochenende mal auf den Zeitenmonitor - ebenso lahmen Diskussionen wegen überschrittener Streckenlimits und einer Kulisse zum Einschlafen.

Da lob' ich mir doch Rennen mitten in Paris rund um den Invalidendom mit dem Eifelturm im Hintergrund oder Racing im Hafen von Brooklyn mit der Manhattaner Skyline im Rücken. In der Formel E soll es Besuchern möglich sein, mit dem Fahrrad oder per Fuß zur Strecke zu spazieren und nach dem Rennen nebenan Essen zu gehen, statt 100 Kilometer Fahrt vom Circuit Ricardo Tormo oder einer anderen Traditionsstrecke im Nirgendwo zum nächsten Hotel zurückzulegen.

Paris: So sollte die Formel E optisch immer rüberkommen - Foto: LAT Images

Darf der Motorsport keine neuen Wege einschlagen?

Was soll nur so verkehrt daran sein, auch im Motorsport mal komplett neue Wege einzuschlagen? Dem traditionellen Racing wird doch nichts weggenommen. Reichen die x Formelserien und noch viel mehr GT- und Prototypen-Meisterschaften denn immer noch nicht aus? Dass dieser neue Weg nicht über Valencia oder andere permanente Strecken führen kann, dürfte klar sein. Man muss die Formel E keinesfalls mögen, aber die ewige Nörgelei gepaart mit viel zu viel Halbwissen wird doch irgendwann auch mal langweilig.

Und mit Sicherheit werden Kritiker sich am Wochenende über die temporäre Schikane auf der Start/Ziel-Geraden lustig machen. Und zumindest aus optischer Sicht haben sie Recht. Was für ein hässliches Ungetüm, aber nun einmal notwendiges Übel in der Formel E. Vollgasfahrten gehören absolut nicht zum Konzept, hier stehen Strategie und absolut fehlerfreies Fahren im Vordergrund. Sonst wartet die Mauer und dann ist Feierabend, wie auf einem Stadtkurs üblich.

Konzept der Formel E: New York statt Nürburgring - Foto: LAT Images

Permanente Strecken sind nicht das Ziel

Und dass Formel-E-Autos auf einer permanenten Rennstrecke angeblich vorzeitig die Leistung ausgeht, ist natürlich Blödsinn. Die Fahrzeuge sind nur nicht für derartige Bedingungen entwickelt worden. Batterien mit einer größeren Kapazität wären kein Thema, würden aber das Gewicht zu sehr in die Höhe treiben. Und mit den aktuellen Akkus würden die Rundenzeiten auf einer permanenten Strecke mit jedem weiteren Kilometer ansteigen und irgendwann den Piloten keine fahrerische Herausforderung mehr bieten.

Wer nun immer noch glaubt, dass die Formel E ja nur auf leistungsfähigere Technologie warte, um dann endlich auch auf permanenten Rennkursen fahren zu 'dürfen', der hat sich geschnitten. Auch mit den künftigen und bis zu 475 PS starken Autos soll das Stadtkonzept fortgeführt werden - weil das nun mal zur DNA der Rennserie gehört. Würde man einem Rallye-Piloten vorwerfen, in der Wüste statt in Hockenheim seine Rennen zu fahren?


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