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Formel E - Valencia-Vorschau: Hallo, permanente Rennstrecke!

Die Formel E fährt am Wochenende mal wieder auf einer traditionellen Rennstrecke. In Valencia müssen sich die Fahrer ungewohnten Herausforderungen stellen.
von Daniel Geradtz & Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Die Formel E setzt am kommenden Wochenende ihre erste Saison als offizielle Weltmeisterschaft der FIA fort. Am Samstag und Sonntag (24./25. April) stehen die Rennen fünf und sechs des Jahres 2021 auf dem Programm. Erstmals wird die Elektrorennserie in Spanien Meisterschaftsrennen austragen. Die Strecke, der Circuit Ricardo Tormo in Valencia, ist für die Piloten aber nicht unbekannt. Auf ihr finden seit 2017 die offiziellen Testfahrten vor Saisonbeginn statt.

Das vorherige Rennwochenende der Formel E in Rom bot viel Action. Am Ende des 1. Freien Training am Samstag ereignete sich ein spektakulärer Unfall, als NIO-Pilot Oliver Turvey bei den Übungsstarts urplötzlich ins Ende der wartenden Autos knallte. Die beiden Rennen waren gespickt mit Überholmanövern, diskutablen Starts hinter dem Safety Car und Unfällen en masse. Der zweifache Meister Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) und Stoffel Vandoorne (Mercedes) gingen als Sieger hervor.

Die Strecke der Valencia ePrix

Da die sonst üblichen Stadtrennen im Zuge der Corona-Pandemie nur bedingt möglich waren, sprang Valencia als Alternative ein. Traditionelle Rennstrecken bilden eine absolute Ausnahme im Rennkalender. In der Vergangenheit fuhr die Formel E nur auf verkürzten Streckenvarianten von Monaco und in Mexiko-City sowie auf dem semi-permanenten Kurs in Marrakesch. Auch in Valencia gibt es einige Abweichungen zum sonst bekannten Verlauf.

Gutes Racing könnte es auf der 3,376 Kilometer langen Strecke in Valencia wieder geben. Sie ist kürzer als die 4,005 Kilometer lange Motorrad-Variante des Kurses. Einige Piloten gehen davon aus, dass das Überholen einfach sei. Das Potenzial für schwerwiegende Zwischenfälle ist deutlich geringer als in Rom. Auf dem vor allem aus dem Motorradrennsport bekannten Kurs ist für ausreichend große Auslaufzonen gesorgt.

Eine Folge: Überschreitungen der Track Limits gab es schon bei den Testfahrten zuhauf. "Wir sind sicher, dass einige Rundenzeiten gestrichen werden", glaubt Porsche-Einsatzleiter Amiel Lindesay. "Das war spannend da draußen, das haben wir schon bei den Tests gesehen. Diesen Eindruck haben die Fahrer auch nach der Vorbereitung im Simulator vermittelt."

Die Streckenführung für die beiden Valencia ePrix ist flüssiger als auf den Stadtkursen, auf denen die Formel E gewöhnlich unterwegs ist. Die meisten der 15 Kurven können die Piloten mit vergleichsweise hohen Geschwindigkeiten durchfahren. Lediglich die beiden engen Kurven im Mittelteil der Strecke sowie eine temporäre Schikane zu Beginn der Start/Ziel-Gerade durchbrechen den Rhythmus. Diese Passagen werden eigens für das Rennwochenende modifiziert. Damit erwartet das Teilnehmerfeld eine andere Streckenkonfiguration als bei den vergangenen Testfahrten. Neu ist auch die Position der Attack Zone. Sie befindet sich nicht mehr auf der Außenseite von Kurve zwei, sondern in Kurve acht. Die Teams gehen davon aus, dass sie die Aktivierung des Attack Modes im Rennen 1,6 Sekunden kostet.

"Die Schikane sieht besser aus als erwartet", beschreibt der amtierende Meister Antonio Felix da Costa seine Eindrücke nach der Streckenbegehung am Freitag. "Es ist aber nicht unmöglich, dort eine Massen-Karambolage zu vermeiden. Und wie wir wissen, ist in der Formel E alles möglich. Dazu sind wir Piloten jederzeit in der Lage..."

Da die Bremsphasen nicht so stark sind wie auf den meisten Formel-E-Strecken, wird das Potenzial zur Rekuperation geringer sein. "Es wird hart", vermutet Porsche-Mann Lindesay. Virgin-Chef Filippi: "Wir sind das nicht gewohnt. In der Formel E geht es aber nicht darum, der Schnellste, sondern der Effizienteste zu sein. Das könnte einen sportlichen Einfluss auf die Rennen nehmen, aber am Ende sind es auch nur Rennen." Der erwartete Vollgasanteil wird auf 75 Prozent beziffert, die Höchstgeschwindigkeit auf 230 km/h.

In der Vergangenheit hat sich das Windschattenfahren als gutes Mittel zum Energiesparen etabliert. Damit ist auch in Valencia zu rechnen, wie schon die Testfahrten zeigten. "Das wird ein Schlüsselelement", bestätigt BMW-Pilot Maximilian Günther, der zuletzt in Rom in beiden Rennen punktete.

Wegen der hohen Geschwindigkeiten kann auch der Reifenverschleiß in den Rennen eine entscheiden Rolle spielen. Die höhere Anzahl an Linkskurven, es sind neun, wird insbesondere die rechten Reifen stark belasten. Die Formel E stellt den Teilnehmern ein größeres Reifenkontingent zur Verfügung. Statt der üblichen vier Reifensätze für einen Doubleheader darf jeder Fahrer am Samstag und Sonntag insgesamt sechs Sätze der Allwetterreifen von Michelin verwenden.

"Das gibt den Ingenieuren etwas mehr Flexibilität für die Sessions, bedeutet für uns aber keine dramatische Änderung", sagt Virgin-Teamchef Sylvain Filippi: Porsche-Leiter Lindesay ergänzt: "Und wenn du ein Fahrer am ersten Tag in einen Unfall verwickelt ist, ist er für Tag 2 nicht komplettiert limitiert, wie es uns in Saudi-Arabien passiert ist."

In der Qualifikation ist damit zu rechnen, dass die Meisterschaftsführenden nicht so stark benachteiligt sind, wie auf den meisten temporären Strecken. Sie treten in der ersten Qualifying-Gruppe an und finden damit gewöhnlich schlechtere Streckenbedingungen vor als die Piloten der späteren Gruppen. Aufgrund ihrer häufigen Nutzung bietet die Strecke in Valencia von Beginn an ein besseres Gripniveau. Beim ePrix in Mexiko-Stadt auf dem Autodromo Hermanos Rodríguez war in der Vergangenheit bereits mehrfach zu beobachten, dass es Fahrer aus den frühen Qualifying-Gruppen in die Top-6 schafften und damit in die Super-Pole einzogen.

Die Ausgangslage vor den Rennen in Valencia

In den vergangenen drei Jahren fuhr stets ein BMW-Fahrer die Bestzeit bei den offiziellen Testtagen der Elektrorennserie in Valencia. Das Formel-E-Team des Autobauers aus München unterstrich bereits auf mehreren Kursen mit ebener Asphaltoberfläche seine Stärke. "Im Vergleich zu anderen Formel-E-Strecken bietet Valencia ohne Bodenwellen und hohe Kerbs Möglichkeiten für ganz andere Setup-Varianten", erklärt BMW-Teamchef Roger Griffiths. "Die Performance des Teams war dort bei den Tests immer sehr gut. Das verheißt hoffentlich für beide Fahrer Gutes und führt zu starken Rennergebnissen beim Doubleheader."

In der laufenden Saison ist das Team noch nicht in Fahrt gekommen. Nach zwei unfallbedingten Ausfällen beim Saisonauftakt in Diriyah sammelte Max Günther in beiden Rom-Rennen Punkte ein. Sein neuer Teamkollege Jake Dennis ist nach vier Rennen neben Porsche-Fahrer Andre Lotterer der einzige Pilot ohne WM-Zähler.

Jaguar ist bislang der erfolgreichste Rennstall in diesem Jahr. Sam Bird führt vor seinem Teamkollegen Mitch Evans die Meisterschaft an. Beim Samstagsrennen in Rom schafften beide Fahrer den Sprung auf das Podest.

Das Wetter könnte wie in Rom für zusätzliche Spannung sorgen. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag besteht nach aktueller Prognose eine hohe Regenwahrscheinlichkeit.

TV-Übertragungen aus Valencia

Sat.1 wird mit der gewohnten Besetzung über das dritte Event der laufenden Formel-E-Saison berichten. An der Strecke sind Reporter Matthias Killing und Experte Christian Danner. Aus dem Studio wird Moderatorin Andrea Kaiser mit den beiden Kommentatoren Edgar Mielke und Daniel Abt durch die Sendungen führen. Die Rennen überträgt Sat.1. am Samstag und Sonntag live im Free-TV.

Im Live-Stream auf ran.de können Fans alle Sessions verfolgen, darunter das 1. Freie Training zur unchristlichen Urzeit um 07:20 Uhr. "Immer toll, wenn man morgens um sieben fahren darf...", kann sich Antonio Felix da Costa einen Seitenhieb nicht verkneifen und meint auf der Pressekonferenz zu Nebenmann Robin Frijns, der bekanntlich gern mal ein Nickerchen zwischendurch hält: "Robin mag das bestimmt noch lieber als ich!" Spaßvogel Frijns darauf: "Ich habe ein hartes Leben! Jedes Mal, wenn ich morgens aufwache, denke ich mir: Boah, ist schwierig."

Eurosport, langjähriger TV-Partner der Formel E in Deutschland, berichtet 2021 ausschließlich in seinen kostenpflichtigen Angeboten über die Elektrorennserie. Oliver Sittler kommentiert die Rennübertragungen auf dem Pay-TV-Sender Eurosport 2. Weitere Sessions sind im Eurosport Player als Streams abrufbar.

Tag Uhrzeit (MEZ) Session Übertragung
Sa, 24.04. 07:20-08:05 Freies Training 1 ran.de, YouTube Formel E
Sa, 24.04. 09:15-09:45 Freies Training 2 ran.de, YouTube Formel E
Sa, 24.04. 11:00-12:00 Qualifying 1 ran.de, Eurosport Player
Sa, 24.04. 15:00-16:00 Rennen 1 Sat.1, ran.de, Eurosport 2, DAZN
So, 25.04. 08:00-08:45 Freies Training 3 ran.de, YouTube Formel E
So, 25.04. 10:00-11:00 Qualifying 2 ran.de, Eurosport Player
So, 25.04. 14:00-15:00 Rennen 2 Sat.1, ran.de, Eurosport 2, DAZN

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