1. Warum hat Vettel nicht gewonnen?

Am Samstag sagte Fernando Alonso noch, dass er gegen Red Bull keine Chance hatte. Sebastian Vettel und Mark Webber gingen aus der ersten Reihe ins Rennen, kamen aber nur auf den Plätzen 6 und 8 ins Ziel. "Wir wurden verblasen, es war ein sehr schwieriger Grand Prix für uns. Wir waren nicht schnell genug, so einfach ist das", sagte Webber.

Sein deutscher Teamkollege sah die Performance des Red Bull als nicht ganz so schlecht an. "Das war heute eine Lotterie", sagte Vettel. "Es hätte auch anders ausgehen können. Es war aber wichtig, ein paar Punkte mitzunehmen. Vielleicht hätten wir weiter vorne sein können, den Speed dazu hatten wir, aber es hätte noch schlimmer sein können."

Red Bull Motorsportdirektor Helmut Marko verriet jedoch gegenüber Motorsport-Magazin.com, dass der Speed nur auf Trockenreifen vorhanden war. "Das größte Problem war, dass die Reifen anfangs nicht auf Temperatur gekommen sind", sagte Marko. "Dann waren sie für sieben bis acht Runden gut, da waren wir schnell, danach war es vorbei." Das ergibt aus seiner Sicht keinen Sinn. "Wir müssen ergründen, warum unsere Reifen Probleme hatten - genau das war im Vorjahr unsere Stärke. Wir hatten sie sofort auf Temperatur. Diesmal ist das Gegenteil eingetreten."

2. Warum verlor Vettel Zeit beim ersten Boxenstopp?

Beim ersten Boxenstopp entschied sich Red Bull dazu, beide Fahrer gleichzeitig hereinzuholen. "Es ist immer noch viel schneller, sich hinten anzustellen, als eine Runde später zu kommen - dann ist er Letzter", verteidigte Christian Danner bei Motorsport-Magazin.com die Strategie. Aber: "Webbers Stopp hat einfach zu lange gedauert, deshalb hat Sebastian mehr verloren. In dem Debriefing würde ich gerne Mäuschen spielen."

Den Grund für den langen Webber-Stopp nennt Teamchef Christian Horner: "Leider hat Mark den Wagenheber getroffen und dabei seinen Frontflügel beschädigt", verriet Teamchef Horner. "Das hat beide Fahrer etwas Zeit gekostet." Vettel nahm es gelassen hin. "Das ist das Leid des Zweiten, der an die Box kommt", weiß Vettel.

3. Warum wurden Vettel & Hamilton verwarnt?

Bei der Boxenausfahrt kam es zum Duell Vettel gegen Hamilton. -
Bei der Boxenausfahrt kam es zum Duell Vettel gegen Hamilton. -Foto: Sutton

Die An- und Abfahrt zum zweiten Boxenstopp von Vettel hatte es in sich: Beide Male duellierte er sich mit Lewis Hamilton. Auf dem Weg aus der Boxengasse heraus kam es beinahe zur Kollision. "Ich habe mir gedacht, der Kerl will mir den Reifen aufschlitzen", so Vettel. "Er hat zugezogen, obwohl er vorher ja deutlich hinter mir war. Nach dem Überqueren der Linie darf man aufs Gas, da war aber nicht genug Platz, um da mit zwei Autos zu fahren. Ich verstehe nicht, warum Lewis zugezogen hat. Ich hatte Glück, dass ich keinen Schaden und keinen Platten zu der Zeit hatte."

Die Rennkommissare verwarnten nach dem Rennen beide Fahrer: Hamilton, weil er beim Rausbeschleunigen quergestanden hatte, und Vettel, weil er den McLaren nach rechts drängte.

4. Warum war Vettels Start so schlecht?

In Malaysia jubelte das Fahrerlager noch über den starken Start von Sebastian Vettel. Im Vergleich zum letzten Jahr startete der Red Bull Pilot in diesem Jahr viel besser. In Shanghai verfiel er in alte Tugenden und verlor gleich zwei Plätze an Mark Webber und Fernando Alonso, wobei der Spanier zu früh losgefahren war.

"Der Start war nicht sehr gut", bestätigte Marko. "Mir ist es so vorgekommen, dass er etwas schräg gestanden hat. Dadurch kam er so schlecht weg." Vettel hatte noch keine Erklärung parat. "Wir müssen schauen, warum mein Start nicht so gut war wie der von Mark."

5. Warum wurde Alonso bestraft?

Vettel störte der Frühstart von Fernando Alonso wenig, die Rennkommissare allerdings schon. Starter Charlie Whiting zeigte noch während des Startvorgangs mit dem Finger in Richtung Alonso: Ein klarer Fehlstart. "Ich machte einen Fehler am Start", gestand Alonso. "Meine Reflexe haben mich im Stich gelassen und ich fuhr zu früh los. Das ist mir vorher noch nie passiert, weshalb ich sehr enttäuscht von mir selbst bin."

6. Warum kollidierten Alonso und Massa fast?

Die Boxeneinfahrt in Shanghai ist knifflig. Das weiß Lewis Hamilton schon seit 2007, als er seine WM-Hoffnungen dort begrub. Auch Felipe Massa rodelte in diesem Jahr einmal durch das Kiesbett in der Auslaufzone der Boxeneinfahrt. Aber es hätte noch schlimmer kommen können: Nämlich zu einer Kollision mit seinem Teamkollegen Fernando Alonso, der vor Massa zum gemeinsamen Reifenwechsel an die Box wollte und seinen Teamkollegen in der Einfahrt attackierte.

Fernando Alonso ließ das Duell gegen Michael Schumacher aufleben. -
Fernando Alonso ließ das Duell gegen Michael Schumacher aufleben. -Foto: Sutton

"Das Überholmanöver gegen Felipe?", fragte Alonso. "Wenn er nicht mein Teamkollege wäre, dann würde man nicht so viel darüber sprechen. Für mich war es ein ganz normales Manöver und es wird definitiv nicht unsere Beziehung beeinflussen." Massa stieß ins selbe Horn. "In der Haarnadel war eine Wasserpfütze und ich verlor etwas die Kontrolle über das Auto", sagte der Brasilianer. "Fernando kam in der Boxeneinfahrt innen neben mich und überholte mich. Dadurch verlor ich einige Plätze, denn ich musste beim Boxenstopp warten bis er fertig war."

7. Warum war Schumacher so langsam?

Sieben Zehntel fehlten Michael Schumacher am Samstag auf seinen Teamkollegen Nico Rosberg. Im Rennen waren es dann sieben Positionen: Rosberg fuhr aufs Podest, Schumacher holte als Zehnter gerade mal einen WM-Punkt. "Mit Michael hatten wir Schwierigkeiten, aber immerhin holten wir noch einen Punkt", sagte Ross Brawn. Man müsse jetzt herausfinden, was genau die Probleme bei Schumachers Auto waren.

"Wir müssen verstehen, warum seine Reifen so schnell aufgegeben haben und daher er ein Problem mit seiner Pace bekam. Bis zum nächsten Rennen müssen wir dieses Problem gelöst haben", betonte der Mercedes-Teamchef. "Das ganze Wochenende war nicht gut für mich - und wohl auch von mir. Das muss man als Erfahrung abhaken und sich auf das nächste konzentrieren", sagte Schumacher. Besondere Probleme hatte er bei der Reifenwahl. "Ich habe da keinen guten Job gemacht. Zum Schluss war nichts mehr übrig, ich fuhr nur noch Slicks und konnte mich nicht richtig wehren."

8. Warum war die zweite Safety Car Phase schlecht?

Die einen freuten sich, als Jaime Alguersuari nach einer Berührung mit einem HRT-Boliden Frontflügelteile auf der Strecke verteilte, die anderen waren schockiert. "Die Safety Car Phase, um die Strecke zu säubern, war einfach... Ich trug das Herz auf der Zunge, als es passiert ist", klagte Jenson Button, der dadurch seinen ganzen Vorsprung einbüßte. "Wir hatten eine gute Lücke herausgefahren und dann holten plötzlich alle auf."

Auch Nico Rosberg war davon betroffen. "Wir verloren dadurch unseren ganzen Vorteil. Das war schade", betonte Ross Brawn. Noch schlimmer erwischte es Robert Kubica. "Leider habe ich durch die Safety-Car-Phase meinen großen Vorsprung auf meine Verfolger eingebüßt, dies kostete mich am Ende eine Podestplatzierung." Denn er wurde noch von Lewis Hamilton und Fernando Alonso überholt.

9. Warum startete Virgin verspätet?

Virgin Racing machte seinem Ruf mal wieder alle Ehre: Timo Glocks Auto wurde aus der Startaufstellung geschoben und tauchte danach nie wieder auf, Lucas di Grassi startete erst mit sieben Runden Verspätung. "Wir haben vor dem Rennen die Kupplung am Auto von Lucas ausgewechselt, aber sie funktionierte trotzdem nicht reibungslos", erklärte Technikdirektor Nick Wirth.

Der zweite Einsatz des Safety Cars gefiel nicht allen. -
Der zweite Einsatz des Safety Cars gefiel nicht allen. -Foto: Sutton

Um wichtige Daten für das Team zu sammeln, schickte man di Grassi sieben Runden nach dem Rennstart trotzdem auf die Strecke. Nach acht Runden musste er seinen Wagen wieder abstellen. Glock fuhr zwar in die Startaufstellung, aber keine einzige Rennrunde. "Das Ventilsystem an seinem Motor verlor Luftdruck, weshalb wir das Auto in die Garage zurückschieben mussten", erklärte Wirth. "Wir wollten die Luft wieder in das System füllen, aber wir haben gesehen, dass das System ein bedeutendes Luftleck hatte."

10. Warum crashte Liuzzi in Kobayashi und Buemi?

Es war fast eine Wiederholung des Unfalls von Melbourne: Tonio Liuzzi verlor die Kontrolle über seinen Force India und raste in die Autos von Sebastien Buemi und Kamui Kobayashi. Die beiden Letzteren waren auch in Australien beteiligt: Damals flog Kobayashi in Buemi und Nico Hülkenberg.

"Leider hatte ich ein Problem beim Aufwärmen der Bremsen auf der Einführungsrunde", berichtete Liuzzi. "Als ich Kurve vier anbremste, blockierte das Heck und ich verlor die Kontrolle." Buemi wollte ihn dafür nicht verurteilen. "Ich will für diesen Unfall niemanden verantwortlich machen, Liuzzi verlor sein Auto und nahm mich mit."