Formel 1 / Hintergrund

Überholspur am Ring - Nürburgring: Der ideale Rennort

Das Wetter kann unberechenbar und grausam sein, aber der Nürburgring bietet alles, was das Rennfahrerherz begehrt.
von Stephan Heublein

Die Vorfreude der deutschen Piloten auf ihr Heimrennen ist groß. Ein bisschen Extramotivation bringt das Rennen vor heimischer Kulisse schon, sagen sie. Für alle anderen ist der Deutschland GP auf dem Nürburgring ein Rennen wie jedes andere. "Ich muss gestehen, dass die Strecke nicht zu meinen Lieblingskursen gehört", sagt Robert Kubica. Nicht ganz so negativ gesinnt ist Fernando Alonso: "Der Nürburgring ist sicher nicht der aufregendste Kurs des Jahres, aber es idealer Ort, um Rennen zu fahren."

Die Strecke biete von allem etwas, das Auto müsse in jedem Streckenabschnitt gut funktionieren. "Es gibt schnelle Kurven, die viel Abtrieb erfordern, und langsame Ecken, in denen Bremsstabilität und eine gute Traktion gefragt sind", erklärt Alonso. "Die Strecke gefällt mir gut; sie erlaubt recht hohe Geschwindigkeiten, ist flüssig zu fahren und bietet ein paar gute Überholmöglichkeiten", sagt Lewis Hamilton.

Setup-Kompromiss

Heikki Kovalainen ist ebenfalls angetan vom Nürburgring. "Der Nürburgring ist eine tolle und abwechslungsreiche Rennstrecke", sagt der Finne. "Manche Kurven sind recht knifflig, so dass du einen guten Rhythmus brauchst, um hier schnell zu sein, in anderen, schnelleren Abschnitten kommt es vor allem auf das optimale Setup an. Das Bergaufstück mit den S-Kurven nach der Dunlopkehre sorgt für ein fantastisches Gefühl in einem Formel 1-Auto."

Das Bergaufstück mit den S-Kurven nach der Dunlopkehre sorgt für ein fantastisches Gefühl in einem Formel 1-Auto.
Heikki Kovalainen

Aus technischer Sicht sieht Pascal Vasselon von Toyota keine speziellen Anforderungen an die Autos. Das Aero-Level sei durchschnittlich und auch die Reifen, Bremsen, Aufhängungen und Motoren werden nicht allzu hart gefordert. "Aufgrund der Streckencharakteristik neigen die Autos auf dem Nürburgring zum Untersteuern", fügt Willy Rampf hinzu. Die zentrale Frage lautet also: "Wie stimmt man das Auto ab, dass es nicht zu stark über die Vorderräder schiebt?" Die Antwort ist eine optimale Aero-Balance in Kombination mit einer entsprechenden mechanischen Abstimmung.

Bei Renault setzt Pat Symonds deshalb auf einen Kompromiss aus guter Endgeschwindigkeit und hohem Anpressdruck benötigen. "Ich finde, der Eifelkurs ist eine fantastische Strecke, die von allem etwas bietet: schnelle Kurven, langsame Kehren, knifflige Schikanen und harte Bremsmanöver", sagt der Renault-Chefingenieur.

Die Formel 1 fährt wieder auf dem Nürburgring. - Foto: Sutton

Sebastian Vettel erachtet die Ford- und die Warsteiner-Kurve als die heikelsten. "Die Kurven 1 bis 4 sind aus Fahrersicht nicht besonders spektakulär, aber sie sind maßgeblich für die gesamte Rundenzeit", meint Alonso. Jeder Fehler in diesem Abschnitt koste wertvolle Sekunden, vor allem im Qualifying. "Wir müssen hier sehr präzise bremsen und den Wagen absolut unter Kontrolle halten. Etwas zu viel Über- oder Übersteuern und den Scheitelpunkt nicht richtig getroffen - schon passt auch die Linie für die folgenden Kurven nicht mehr."

Gute Überholchancen

Besonders wichtig sind auf jeder Rennstrecke die Überholmöglichkeiten. "Es gibt sehr unterschiedliche Kurven und auch die Chance zum Überholen", sagt Kubica. "Am besten geht das in der ersten Kurve, wo man unterschiedliche Linien fahren kann. Ich gehe deshalb davon aus, dass wir am Nürburgring wieder mehr Überholmanöver sehen und ein spannendes Rennen erleben werden."

Das ist die wahrscheinlich beste Überholmöglichkeit, denn die Bremszone ist hier am längsten.
Fernando Alonso

Alonso und Vettel machen einen anderen Überholpunkt aus. "Die NGK-Schikane als Hochgeschwindigkeitskurve mit ihrer anspruchsvollen Links-Rechts-Kombination lädt zu Ausbremsmanövern geradezu ein", erklärt Vettel. "Denn nach dem schnellen Hatzenbachbogen muss hart verzögert werden, bis auf rund 100 km/h." Alonso geht noch mehr ins Detail: "Das ist die wahrscheinlich beste Überholmöglichkeit, denn die Bremszone ist hier am längsten. Wenn du dicht hinter einem Konkurrenten herfährst, kannst du den Windschatten nutzen und beim Anbremsen innen reinstechen."

Die Schikane durchfahre man mit rund 100 km/h im zweiten Gang. "Für die kürzeste Linie musst du aggressiv über die Kerbs fahren", so der Ex-Champion. "So nimmst du auch viel Geschwindigkeit mit bei der Anfahrt auf die anschließende Kurve zurück auf die Start- und Zielgerade."


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