Formel 1 / Hintergrund

Showdown zwischen den Seen - Autodromo José Carlos Pace

Ein Finale ist nur so gut wie seine Protagonisten - und der Schauplatz. Mit dem Autodromo José Carlos Pace erwartet die Fahrer ein aufrüttelnder Abschluss.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Jedes Jahr wird die Strecke zwischen den Seen neu asphaltiert, jedes Jahr beschweren sich die Fahrer erneut über die Bodenwellen. "Normalerweise sind die Aerodynamik und die Reifenabnutzung die wichtigsten Leistungsfaktoren in der Formel 1", weiß Pascal Vasselon. "Auch in Interlagos zählt die Reifennutzung dazu, aber hinzukommt die Aufhängungsabstimmung, weil die Strecke so wellig ist."

Interlagos ist bereit für das große Finale. - Foto: Sutton

Damit die Räder immer Bodenkontakt besitzen, werden sonst eher zweitrangige Setupparameter wichtig. "Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist der Streckenbelag, denn obwohl er mehrfach ausgebessert wurde, ist der Kurs nach wie vor eine ziemliche Buckelpiste", stimmt Willy Rampf zu. "Dies gilt es bei der mechanischen Abstimmung zu berücksichtigen."

Den Reifen kommt beim WM-Finale mal wieder eine wichtige Rolle zu. "Was die Abnutzung betrifft, ist Interlagos viel intensiver als Monaco, also wird das Reifenmanagement auch eine Herausforderung", betont Vasselon. "Wir erwarten, dass die Strecke vor allem für den weicheren Reifen schwierig wird." Vielleicht kommt es aber ganz anders. "Bridgestone bringt die weichen und superweichen Reifen mit, aber möglicherweise verwenden wir sie gar nicht, da die Wetterberichte für das ganze Wochenende Regen vorhersagen", unkt Sam Michael.

Auf jeden Fall zum Einsatz kommen die V8-Triebwerke, die in Sao Paulo mit einem besonderen Umstand umgehen müssen. "Auf 750 Metern über Meereshöhe hat Sao Paulo den geringsten Luftdruck von allen Strecken", verrät Michael. "Bei ungefähr 930 Millibar verlieren wir etwa acht Prozent unseres Abtriebs. Die Reibung wird auch um rund acht Prozent geschwächt - die Motorleistung aber ebenfalls, deswegen bleiben die Top Speeds gleich."

Ein überdimensioniertes Waschbrett oder doch eine Rennstrecke? - Foto: Sutton

Die Strecke selbst erfüllt aus Sicht von Nick Heidfeld alle Anforderungen für ein weltmeisterliches Finale. "Die Rennstrecke in São Paulo ist für mich eine der schönsten überhaupt", schwärmt er. "Sie ist anspruchsvoll - fahrerisch und körperlich." Denn wie in Istanbul wird in Interlagos gegen den Uhrzeigersinn gefahren. "Dadurch wird der Nacken zusätzlich belastet", betont Jarno Trulli. "Auch die Gerade ist eigentlich eine lang gezogene Kurve, die recht hart für die Nackenmuskulatur ist", fügt Heidfeld an.

Die beste Überholmöglichkeit bietet sich am Ende der Start-/Zielgeraden, im so genannten "Senna-S". Daneben besteht der Kurs aus einem sehr schnellen und einem sehr langsamen Teil. "Ab Kurve drei kommen die besten Passagen", sagt Heidfeld. "Die Kurve fünf, eine Doppelrechtskurve bergauf, ist eine meiner Lieblingskurven." Der wichtigste Sektor ist allerdings der mittlere, wo Kurve auf Kurve folgt. "Gefragt sind hier viel Abtrieb, eine gute Traktion und eine ebensolche Balance", weiß Willy Rampf. "Im engen Infield ist es wichtig, einen guten mechanischen Grip zu haben, vor allem von Kurve acht bis elf", bestätigt Ralf Schumacher. Im ersten und dritten Sektor ist hingegen Topspeed gefragt, wobei vor allem der Anstieg der Start-Ziel-Geraden viel Motorleistung erfordert. Es ist also alles dabei - wie es sich für einen würdigen Finalschauplatz gehört.


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