Formel 1 / Kolumne

Massedämpfer: Die Lehren des 3. WM-Laufs - Bahrain GP

Die Wüste lebt, wenigstens wenn das Fahrerlager wegen eines drohenden Sturms evakuiert werden muss. Das ist eine der Lehren des Bahrain-Wochenendes.
von Stephan Heublein

Die Lehre von der Musik

Seit drei Rennen sucht die Formel 1 nach einem neuen Charthit. In den vergangenen Jahren hatte sich ein Song zu einem regelrechten Chartstürmer entwickelt: die allgegenwärtige Kombination aus deutscher und italienischer Nationalhymne avancierte zum Podest-Ohrwurm. In diesem Jahr wird es das nicht geben. Nur die italienische Hymne erklang bereits zweimal in einer anderen Kombinationsvariante. Nick Heidfeld und BMW Sauber könnten die deutsche Hymne wieder salonfähig machen. Wie lange wird es also dauern bis wir wieder die deutsche Hymne hören? "In der Formel 1?", fragte Nick ganz verdutzt. Die besten Hits sind eben die unerwarteten...

Die Lehre vom Denken

Das Team hat sicher auch ein bisschen nachgedacht...
Nico Rosberg

Obwohl es bei Williams noch etwas auf und ab geht, sind sie eine der Überraschungen der ersten drei Rennwochenenden. Vor allem Nico Rosberg wusste zu überzeugen. Technikdirektor Sam Michael hat dafür eine Erklärung parat: "Er hat im Winter offensichtlich über ein paar Dinge nachgedacht. Das habe ich schon häufig bei Fahrern beobachtet: Sie machen ein paar Fehler in ihrem ersten Jahr, obwohl mehr als zwei oder drei hat er ja gar nicht gemacht, denken darüber nach und kommen viel stärker zurück." Nico freute sich natürlich über das Lob von ganz oben. "Ich habe das auch gelesen", verriet er in Bahrain, "und mir gedacht: das Team hat sicher auch ein bisschen nachgedacht..."

Die Lehre vom Alter

Wann wird wieder die deutsche Hymne gespielt? - Foto: Sutton

Viel Denkarbeit ist momentan bei Toyota angesagt. Mit Ralf Schumacher und Jarno Trulli besitzt man zwei erfahrene Piloten, die das Auto weiterentwickeln sollen. Wie fühlt sich Ralf als einer der alten Haudegen? "So lange Barrichello und Coulthard noch dabei sind...", lachte er. "Auch Webber ist älter und es gibt noch einige andere ältere Fahrer, zum Beispiel Giancarlo [Fisichella] und sogar mein Teamkollege ist älter als ich. Ich gehöre doch zu den jungen Fahrern", scherzte er weiter. "Es sieht nur nicht so aus, weil ich nicht rasiert bin." Versucht er da etwa, einem derzeit erfolgreicheren deutschen Kollegen rein frisurtechnisch nachzueifern?

Die Lehre von der DNA

Ex-Honda Racing-Präsident Yasuhiro Wada sagte vor einigen Jahren: Racing ist ein Bestandteil der DNA von Honda. Eine genetische Information bekam der neue RA107 von seinen Erschaffern nicht mit auf den Weg: den Speed. Sein Vorgänger vom Typ RA106 hatte diesen schon eher, zumindest zum Jahresende 2006. Kein Wunder also, dass der geklonte SA07 des Super Aguri Teams mehr Speed vererbt bekam. In der DNA des Honda-Kundenteams schlummert aber noch etwas: ein Hang zu großen Ankündigungen. Seit Jahren sind British American Racing und Honda bekannt für vollmundige Sieges- und Titelprognosen. Super Aguri-Geschäftsführer Daniele Audetto legte in Bahrain nach: er will schon 2008 einen GP-Sieg einfahren. Jetzt lässt es sich nicht mehr bestreiten: in Super Aguri steckt wahrlich das Honda-Gen.

Die Lehre vom rechten Weg

Ich gehöre zu den jungen Fahrern - es sieht nur nicht so aus, weil ich nicht rasiert bin.
Ralf Schumacher

Als unsere Kollegin Tanja Bauer für einen Filmdreh bei einer Boxenstoppübung in Nick Heidfelds BMW Sauber Platz nehmen durfte, war sie erschrocken: "Ich sehe ja gar nichts." - "Nein, wir sehen auch nichts", erwiderte Nick amüsiert. "Wir wissen ja, wo es lang geht." Etwas Angst um sein Arbeitsgerät hatte er bei der Boxenstoppübung mit der TV-Reporterin am Steuer aber schon. "Hoffentlich ist das das T-Car...", grinste er.

Die Lehre vom Absturz

In Malaysia erhielt McLaren gleich zwei gute Omen für das anstehende Rennen. Ron Dennis erlebte am Sonntagmorgen auf dem Weg zur Strecke einen Reifenschaden, später fiel Fernando Alonsos Funk zu Rennbeginn aus - genau wie drei Wochen zuvor beim Auftaktsieg von Kimi Räikkönen. In Bahrain bekamen die Silbernen am Samstag ein schlechtes Zeichen: Über Nacht war in der Box eine Lampe auf das Auto des Weltmeisters herunter gekracht. Ob das jene Setupnuance war, die ihn aus der Bahn geworfen hat?

Die Lehre von den Farben

Die Flieger zeigten tolle Kunststückchen, aber wehe sie waren überbucht... - Foto: Sutton

"Es gibt ein Duell Rot gegen Silber", prophezeite Ex-F1-Pilot Christian Danner am Freitag. Alonso gefiel diese Idee, er spann den Faden weiter: "Der Unterschied ist einfach: manchmal gewinnt Rot, manchmal Silber." Pech für Fernando: diesmal fiel die Kugel auf Rot. Kimi Räikkönen kennt beide Farben sehr gut. Er sagte schon bei seinem Ferrari-Amtsantritt Anfang Januar: "Rot ist eine viel schönere, weil wärmere Farbe."

Die Lehre vom Rückflug

BMW Sauber war in Bahrain nicht nur die dritte Kraft, sie hatten auch den Helden des Rennens in ihren Reihen. Bis zu den Airlines dieser F1-Welt scheint sich die Superform der Weiß-Blauen aber noch nicht durchgesprochen zu haben. Für den ersten Teil seines Rückfluges musste sich Technikchef Willy Rampf in die Economy Class quetschen. Um sein Ticket für den zweiten Teil der Reise musste er dann am Schalter sogar noch härter kämpfen als Nick Heidfeld gegen Fernando Alonso im Duell um Rang 4. Die Performance der Autos ist momentan bei BMW Sauber eben um ein Vielfaches besser als der Reisekomfort. Vielleicht sollte ab sofort Supercomputer Albert die Reiserouten planen...


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video