Giancarlo, der Formel 1-Kurs von Budapest ist bekannt dafür, dass er im Laufe des Grand Prix-Wochenendes immer schneller wird. Wie wichtig ist es für Dich, dort von Beginn an ein gutes Gefühl für die Strecke zu finden?
Giancarlo Fisichella: Es ist richtig, dass der Hungaroring am Anfang sehr staubig und rutschig ist. Da ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Je mehr wir darauf gefahren sind und je mehr Gummiabrieb von unseren Reifen sich auf dem Asphalt befindet, desto besser wird der Grip aber. Das dürfen wir nie aus dem Blick verlieren, damit wir bei der Abstimmung unseres Renault R26 nicht in die falsche Richtung entwickeln.
Stellt dieser Grand Prix-Kurs für die Fahrer eine Herausforderung dar?
Giancarlo Fisichella: Ja, absolut. Es gibt zahlreiche Schikanen, bei denen es darauf ankommt, genau im richtigen Maß über die Kerbs zu räubern. Die langgezogenen schnellen Kurven stellen unsere physische Kondition über die Renndistanz betrachtet auf die Probe. Und das Anbremsen der engen Kurven verlangt hohen Kraftaufwand und viel Konzentration. Jeder kleine Fehler wird auf dieser Strecke bestraft, denn abseits der Ideallinie ist es sehr staubig und rutschig. Wenn die Pneus dort Dreck aufgesammelt haben, wird es schwierig, die eigene Position gegenüber dem Hintermann zu verteidigen.
In Monaco hast Du geschafft, was eigentlich als unmöglich galt: Du hast andere Teilnehmer auf freier Strecke überholt. Werden wir ähnliche Manöver von Dir auch in Budapest erleben?
Giancarlo Fisichella: Ehrlich gesagt: Am liebsten würde ich von der Pole Position aus ins Rennen stechen und die Führung übernehmen, so dass Überholmanöver erst gar nicht nötig werden. Sollte mir dies nicht gelingen, dann ist es allerdings richtig, dass in Budapest in dieser Saison das Überholen einfacher sein dürfte als noch in den Vorjahren. Vor Kurve 1 am Ende der Start-Ziel-Geraden etwa ist eine dafür prädestinierte Stelle. Vielleicht kann ich dort meine gelungenen Attacken von Monte Carlo dann wiederholen.
Letzte Frage: Nach dem für euch enttäuschenden Rennen in Hockenheim – was erwartest Du am Sonntag vom Großen Preis von Ungarn?
Giancarlo Fisichella: Uns fehlte in Deutschland einfach Schnelligkeit – nicht nur im Vergleich zu Ferrari, sondern auch zu den anderen Partnerteams von Michelin. Renault F1 hat intensiv analysiert und gearbeitet, um das Problem zu verstehen und zu lösen. Ich denke, dass wir für Ungarn die richtigen Antworten gefunden haben. Und ich gehe davon aus, dass Michelin uns wieder konkurrenzfähige Reifen zur Verfügung stellen wird. Dann ist es unsere Aufgabe, deren Potenzial optimal auszunutzen. Wie in Hockenheim gebe ich nicht weniger als alles, was möglich ist. Mein Ziel ist eine Platzierung auf dem Podium.

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