Formel 1 / Rennbericht

US GP: Michael Schumacher gewinnt zweiten Mini Prix

Indianapolis ist Ferrari-Land: Auch in diesem Jahr waren die Roten nicht zu stoppen - selbst nicht von einem wenigstens zu Beginn vollen Starterfeld.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Vor einem Jahr hat sich die Formel 1 in Amerika lächerlich gemacht; heute betrieb sie beste Werbung für die US-Fans - die stehen bekanntlich auf Action; und davon gab es beim US Grand Prix gleich in den ersten Runden mehr als genug.

Dabei war das Bild an der Spitze ein altbekanntes: Zwei Ferrari drehten einsam und verlassen ihre Runden. So war es im schwarzen, letzten Jahr und so war es anno 2002 - als die Roten mit ihrem Fotofinish-Versuch ein ähnlich schwarzes Wochenende heraufbeschworen.

Diesmal stand der rote Doppelsieg nicht unter einem schlechten Stern - und diesmal durfte auch nicht die Nummer 1B gewinnen. Stattdessen sicherte sich Michael Schumacher den heiß ersehnten dritten Saisonsieg und damit 10 wichtige Zähler für den WM-Kampf. Felipe Massa auf Platz 2 und vor allem Fernando Alonso auf Platz 5 rundeten das italienisch-deutsche Traumresultat ab. Am Dienstag dürfte die deutsch-italienische Freundschaft aber eine Pause einlegen: Dann spielen Deutschland und Italien im Halbfinale der Fußball-WM gegeneinander. Für die Scuderia bleibt im Sinne einer spannenden Formel 1-WM zu hoffen, dass damit nicht auch ihr Aufwärtstrend ein Ende findet.

Mini Prix II - Da waren's nur noch...

Auch in diesem Jahr bekamen die Zuschauer beim US Grand Prix kein volles Starterfeld zu sehen. Statt 6 Autos standen diesmal aber immerhin 21 Autos in der Startaufstellung. Nur Jarno Trulli ging aus der Boxengasse ins Rennen. Doch das volle Starterfeld sollte nicht lange währen: Schon in der ersten Kurve dezimierten zwei Unfälle das Feld; mit nur 14 Autos ging es beim Re-Start in die verbleibenden 67 der insgesamt 73 Runden.

Was war passiert? Während im Hinterfeld Christian Klien und Mark Webber kollidierten und Franck Montagny mitnahmen, schob weiter vorne Juan Pablo Montoya seinen Teamkollegen Kimi Räikkönen an. Dieser pendelte gegen Jenson Button und schoss Nick Heidfeld ab. Der Deutsche flog durch die Luft und überschlug sich im Kiesbett mehrfach. Glücklicherweise blieben alle Piloten unverletzt - nur ihre Arbeitsgeräte wurden teilweise arg in Mitleidenschaft gezogen.

"Das war mein erster Überschlag", sagte Nick Heidfeld. "Aber es war harmlos und sah schlimmer aus als es war." Als Unfallursache machte auch Nick den Unfall der beiden McLaren aus. "Sie haben sich berührt und sind dann in mich rein gefahren." Und wer hatte Schuld? "Es war ziemlich eindeutig", sagte Kimi. Ist ihm also Montoya ins Heck gefahren? "Dazu möchte ich nichts sagen. Ich bin aber sehr enttäuscht, da wir Chancen auf ein gutes Rennen hatten." Montoya beurteilte die Situation anders und weniger diplomatisch. "Kimi hat ziemlich hart gebremst und ich bin ihm hinten rein gefahren."

Kaum war das Rennen wieder aufgenommen, kollidierten Takuma Sato und Tiago Monteiro miteinander. Damit waren es nur noch 12. Denn zwischenzeitlich hatte auch Jenson Button wegen eines Lecks in der Wasserkühlung aufgeben müssen. Bis zum nächsten Ausfall dauerte es dann einige Runden: 'Erst' in Umlauf 24 rollte Jacques Villeneuve mit rauchendem Heck aus. Da waren es nur noch 11. Aber nur bis Christijan Albers seinen M16 mit Getriebeproblemen abstellen musste. Da waren es nur noch 10.

Halbzeit 2 - Da waren's nur noch 8 Rennen

Fernando Alonso wusste es schon vor dem Wochenende: "Das wird für uns das härteste Rennen", prophezeite der Spanier. Allerdings traf dies vor allem auf ihn zu, sein Teampartner Giancarlo Fisichella war das gesamte Wochenende besser - wenn auch nicht stark genug, um die unangefochtenen springenden Platzpferde zu bezwingen.

Stattdessen musste er den deutlich schnelleren Fisichella, den er mit einem starken Start kassiert hatte, kurz nach Rennbeginn passieren lassen. Vor einem Jahr funkte ein aufgebrachter Alonso in Kanada noch an die Box, dass er viel schneller als Fisichella sei und man ihn doch bitte vorbeiwinken solle. Danach setzte er das Auto in die Mauer. Diesmal passierte ihn sein Teamkollege, obwohl Flavio Briatore noch vor einer Woche angekündigt hatte, dass man keine Stallregie anwenden werde - für die WM hätte diese in diesem Fall ohnehin andersherum ausfallen müssen.

Mit den beiden überlegenen Ferrari konnte aber auch Fisichella nicht mithalten. Die Roten tauschten die Positionen geschickt beim ersten Boxenstopp: Felipe Massa hatte am Start die Führung übernommen, kam dann aber eine Runde nach Michael Schumacher zum ersten Stopp und blieb danach für den Rest des Rennens auf Platz 2.

Somit waren die Podestplätze vergeben: Neben Schumacher jubelten Massa und Fisichella auf dem Podium. Rang 4 ging an Jarno Trulli. Der Italiener startete aus der Boxengasse und profitierte von seiner Einstopp-Strategie, der frühen Safety-Car-Phase sowie natürlich den vielen Ausfällen. Der Pechvogel des Jahres hatte sich das jedoch verdient. Das starke Toyota-Bild hätte Ralf Schumacher auf Platz 5 abrunden sollen. Doch der Deutsche musste seinen TF106B zehn Runden vor dem Ende mit einem Bremsproblem und einem defekten Radlager abstellen. Somit schenkte er Fernando Alonso Platz 5 und einen zusätzlichen WM-Zähler.

Die letzten Punkteränge gingen an Rubens Barrichello, David Coulthard und Tonio Liuzzi. Der Schotte setzte sich in einem Dreikampf gegen Tonio Liuzzi und Nico Rosberg durch, wobei er Rosberg mit einem späteren Stopp bezwang. Liuzzi erkämpfte sich seinen 8. Platz hingegen auf der Strecke gegen den Williams-Piloten. Mehr als diese neun Piloten kamen nicht in den Genuss der Zielflagge; bis auf Rosberg bekamen also alle Fahrer WM-Punkte. Im Vergleich zum Vorjahr werden nur drei Fahrer mehr in den Ergebnislisten geführt. Der große Unterschied: Damals waren auch nur sechs Autos gestartet, die aber immerhin alle ins Ziel kamen.

Saisonhälfte 2 - Da waren's nur noch 19 Punkte

Die ersten neun Rennen ließen sich für Michael Schumacher am besten mit den 25 WM-Punkten Rückstand auf Fernando Alonso zusammenfassen. Doch die Hoffnung gab er deshalb noch lange nicht auf. "Wenn ich mich in Fernandos Haut versetze, würde ich sagen, dass ich noch ganz schön ackern muss, um den Titel zu holen", sagte Schumacher vor dem zehnten Saisonlauf in Indianapolis. "Und darauf baue ich, dass wir da noch Druck machen können, noch schneller werden, und wenn wir das schaffen, dann haben wir noch Chancen."

Der US Grand Prix dürfte Schumacher und den Tifosi in dieser Hinsicht Mut gemacht haben: 10:4 endete das Duell Deutschland gegen Spanien auf dem Indianapolis Motor Speedway. Damit konnte Schumacher seinen Punkterückstand erstmals seit dem Nürburgring wieder verkürzen. Die Aufholjagd hat begonnen: Da waren es nur noch 19 WM-Punkte.


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