Die letzen Tests in Großbritannien brachten es zu Tage. Zwar gehörte Silverstone schon immer zu den schnellen Kursen in der Formel, mit den neuen V8-Motoren ist die fünf Kilometer lange Strecke nun zu einer ganz besonderen Herausforderung für die Piloten geworden. Höhere Kurvengeschwindigkeiten machen die Traditionsstrecke zum anspruchsvollsten und aufregendsten Kurs im gesamten Formel 1-Kalender. So zumindest lautet das jüngste Urteil der Fahrer, die über die Geschwindigkeiten, mit denen sie um die Strecke in Northamptonshire fuhren, nur staunen konnten.

Ganz besonders die erste Kurve hat es den Piloten angetan, die abwechselnd versuchten, Copse Corner mit Vollgas zu nehmen. Die beiden McLaren-Piloten Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya hatten sich bei den Testsfahrten schon fast einen Sport daraus gemacht, herauszufinden, wer es denn als erster schaffen würde. Am späten Mittwochnachmittag dann war Montoya überzeugt, dass er es endlich bewerkstelligt hätte. Das wollte Räikkönen aber auf keinen Fall auf sich sitzen lassen und seine Ingenieure fanden nach genauer Überprüfung der Daten dann auch heraus, dass der Kolumbianer doch ein kleines bisschen vom Gas gegangen war.

Am Ende des Tages hatten es dann auch noch einige andere geschafft, mit wenig Benzin an Bord mit Vollgas in die erste Kurve zu gehen - und waren begeistert. "Wir können jetzt im siebten Gang durch Copse Corner fahren und das ist unglaublich," strahlte David Coulthard im Interview mit Autosport. "Becketts war auch schon immer eine Herausforderung, auch wenn es körperlich nicht so anstrengend ist, ist es die Geschwindigkeit." Und er fügte begeistert hinzu: "Darum geht es in der Formel 1. Das ist keine so klinische Strecke wie einige andere."

"Unglaublich", fand auch Mark Webber die neue Copse Corner-Herausforderung. "Wenn man mit ganz wenig Benzin fährt, geht sie vielleicht auch mit Vollgas, aber es ist kaum zu fassen, da jetzt durch zu fahren. Und Stowe Corner, die ist schnell, aber geht nicht ganz mit Vollgas." Christian Klien war ein weiterer, der sagte, dass er Copse Corner mit wenig Benzin hatte Vollgas fahren können. "Wir haben einige Reifen und Setupvarianten ausprobiert und am Ende habe ich es tatsächlich geschafft, voll durchzufahren. Das ist eine ziemlich gute erste Kurve," stapelte der Österreicher tief.

Einigen haben die hohen Kurvengeschwindigkeiten und extremen Fliehkräfte körperlich jedoch ganz schön zugesetzt. So musste zum Beispiel Nick Heidfeld die Tests wegen stechender Schmerzen im Rücken vorzeitig abbrechen. "Es wird in den Kurven immer anstrengender," bestätigte auch McLaren-Testfahrer Pedro de la Rosa. "In Barcelona war es auch schon so und auf dieser Strecke kommen wir viel schneller aus den Kurven." Die V8-Motoren seien zwar auf den Geraden langsamer, das Tempo in den schnellen Kurven jedoch viel höher als mit den alten V10-Aggregaten.

Für den Grand Prix von Großbritannien dürften einige jetzt ein paar extra Fitnessstunden einlegen um die neugewonnene Geschwindigkeit auch voll genießen zu können. Geht man davon aus, dass die Copse Corner künftig tatsächlich mit Vollgas gefahren werden kann, sind nun 75 Prozent der Strecke Vollgaspassagen und die Fahrer müssen zwischen Luffield und Club Corner - fast die Hälfte einer Runde - nicht ein einziges Mal bremsen.