Das BMW Sauber Team fiebert seinem Heimrennen entgegen, dem Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring. Ehe dort am 7. Mai der fünfte Lauf zur FIA-Formel-1-Weltmeisterschaft 2006 ausgetragen wird, steht noch einiges auf dem Programm: Der BMW Sauber F1 Team Pit Lane Park wird eröffnet, außerdem werden den Fans Taxifahrten mit den F1-Piloten auf dem Grand-Prix-Kurs geboten, und mit der Formel BMW Deutschland geht auch der Nachwuchs wieder vor den Augen seiner Vorbilder an den Start.

Bei Testfahrten in Silverstone in der Woche nach dem Großen Preis von San Marino konzentrierte sich das Team indes auf die technische Vorbereitung der BMW Sauber F1.06. In England kamen alle drei Piloten - Nick Heidfeld, Jacques Villeneuve und Robert Kubica - zum Einsatz.

Nick Heidfeld:
Auf dem Nürburgring zu fahren, ist für mich immer etwas ganz Besonderes. Dieses Rennen ist mein persönlicher Heim-Grand-Prix. Der Ring liegt Mönchengladbach am nächsten, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Am Nürburgring habe ich als Dreijähriger Fahrrad fahren gelernt. Mein Vater ist mit meinen beiden Brüdern und mit mir oft zum Ring gefahren. Im Winter sind wir sogar auf der Nordschleife Schlitten gefahren. Mit acht Jahren bin ich am Nürburgring zum ersten Mal Kart gefahren. Das sind sehr schöne Kindheitserinnerungen. Und ich bin auch eine Menge Rennen auf dem Nürburgring gefahren. In der Formel Ford, Formel 3, Formel 3000 und schließlich Formel 1. Ich habe jedes einzelne sehr genossen und in der Eifel auch schon einige Rennen gewonnen. Im vergangenen Jahr habe ich dort meine erste Formel-1-Pole Position geholt und bin im Rennen Zweiter geworden. So ein Erfolg vor heimischem Publikum, das war natürlich super. Ich empfinde mein Heimrennen überhaupt nicht als unangenehmen Druck. Ganz im Gegenteil. Ich freue mich riesig auf die Unterstützung dort. Nirgendwo sehe ich so viele Fans.

Jacques Villeneuve:
Der Nürburgring gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsstrecken, obwohl ich dort in der Vergangenheit schon viele gute Ergebnisse geholt habe. Ich habe dort 1996 meinen ersten und 1997 meinen bisher letzten GP-Sieg erzielt. Im vergangenen Jahr war der Große Preis von Europa für mich eines der schwierigsten Rennen der ganzen Saison. Seit dem Umbau des ersten Streckenabschnittes liegt mir der Ring nicht mehr, wahrscheinlich am wenigsten von allen F1-Kursen. Trotzdem hoffe ich sehr, dass wir dort gute Resultate erzielen. Zumal das Rennen im Heimatland von BMW stattfindet. Ich habe immer davon geträumt, dass wir unser Rennen mal auf der Nordschleife austragen könnten. Bislang bin ich sie noch nie selbst abgefahren, die Gelegenheit hat sich nie ergeben. Aber ich stelle sie mir großartig vor.

Robert Kubica:
Ich freue mich auf die zweite europäische Rennstrecke. Ich kenne den Nürburgring. Vor allem natürlich den GP-Kurs, aber ich bin auch schon Runden auf der Nordschleife gefahren. Das Wochenende wird sicher interessant, zumal es unseren ersten Einsatz in Deutschland darstellt. Es ist gut für das Team, im Heimatland von BMW anzutreten. Auf dem Nürburgring wird der Pit Lane Park eröffnet. Von daher werde ich außer meinen Trainingseinsätzen am Freitag auch Samstag und Sonntag mehr zu tun haben. Ich werde das alles genießen, und ich hoffe, wir erzielen bessere Resultate als zuletzt in Imola. Die Strecke selbst mag ich nicht besonders, aber sie hat einige schöne Passagen, vor allem die schnellen Kurven gefallen mir. Man braucht ein Auto, das überall gut ist - in den schnellen Kurven ebenso wie in den langsamen und in den Schikanen, der Nürburgring verlangt diese Vielseitigkeit.

Mario Theissen, BMW Motorsport Direktor:
Die beiden in Deutschland ausgetragenen Formel-1-Rennen haben für BMW naturgemäß eine besondere Bedeutung. Auf dem Nürburgring hat BMW über Jahrzehnte grandiose Rennerfolge gefeiert. Der Nürburgring ist ein Paradebeispiel dafür, eine historische Rennstrecke zu erhalten und gleichzeitig moderne Streckenarchitektur umzusetzen. Dort herrscht eine ganz spezielle Rennatmosphäre. Volllastanteil und Topspeed liegen auf dem Nürburgring im Mittel der Grand-Prix-Kurse. Was dort alle Motoren beeinflusst, ist die Höhenlage von gut 600 Metern über dem Meeresspiegel. Aufgrund der abnehmenden Luftdichte sinkt die Motorleistung um etwa ein Prozent pro hundert Meter über NN. Nachdem in Imola beide Motoren nach zwei Rennwochenenden ins Ziel gekommen sind, werden Jacques und Nick mit frischen und modifizierten BMW P86 Motoren an den Start gehen. Die Grundschnelligkeit des Autos ist vorhanden. Wenn wir es schaffen, diese umzusetzen, haben wir eine Chance, in der Eifel in die Punkteränge zu fahren. Für den Nürburgring haben wir noch etwas Besonderes im Gepäck. Dort feiert der BMW Sauber F1 Team Pit Lane Park seine Premiere. Dieser High-Tech-Erlebnispark ist sozusagen ein Stück Boxengasse mitten unter den Zuschauern; ein Abenteuerplatz, auf dem die Fans die Formel 1 hautnah erleben können. Dies wird etwas Spezielles werden; etwas, das die Fans in der F1 noch nie gesehen haben.

Willy Rampf, Technischer Direktor Chassis:
Die beiden zurückliegenden Rennen haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Reifen optimal zu nutzen, um das Potenzial des Autos voll ausschöpfen zu können. Der Streckenbelag auf dem Nürburgring bietet viel Bodenhaftung, zudem ist der Gummiabrieb nicht extrem, sodass wir relativ weiche Reifen verwenden. Die Autos neigen hier zum Untersteuern. Das ist der Hauptaspekt, den wir bei der Fahrzeugabstimmung beachten müssen. Das kann durch die entsprechende Aero- Balance oder mittels mechanischer Abstimmung kompensiert werden. Wir haben in der Woche nach dem San Marino Grand Prix bei Tests in Silverstone in diese Richtung gearbeitet. Angesichts der aktuell herrschenden Leistungsdichte im Mittelfeld muss alles optimal passen, insbesondere zum Erreichen einer guten Startposition.