Jeder der 22 F1-Piloten hat sein eigenes Ziel. Die einen wollen um den Titel kämpfen, die anderen nur um Podestplätze oder WM-Punkte. Andere wiederum sind froh einfach nur dabei zu sein oder hin und wieder ein Erfolgserlebnis einzufahren. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Das Bedürfnis den eigenen Teamkollegen zu schlagen. Er nutzt - im Normalfall - das gleich Equipment und ist somit der beste Maßstab für das eigene Können und den eigenen Speed.

Renault: Alonso vs. Fisichella

Nach vier Grand Prix haben beide Renault-Piloten mindestens einen Sieg auf ihrem Konto verbucht. Ausgeglichen erscheint der Kampf zwischen Fernando Alonso und Giancarlo Fisichella trotzdem nicht zu sein: Zu stark erscheint der amtierende Weltmeister, der selbst an schwächeren Wochenenden mit Problemen oder Fehlern noch vorne mitmischen kann. Giancarlo Fisichella scheint hingegen das Pech weiterhin gepachtet zu haben. Zwar wurde er bislang von einer solchen Pechsträhne wie im Vorjahr verschont, bis auf seinen Sieg in Malaysia, konnte Fisichella den Erwartungen des Weltmeisterteams aber aus diversen Gründen nicht gerecht werden.

Fisico muss Fernando meistens ziehen lassen., Foto: RenaultF1
Fisico muss Fernando meistens ziehen lassen., Foto: RenaultF1

Im Winter wurde von einigen Verschwörungstheoretikern - und davon gibt es in der Formel 1 nicht wenige - vermutet, dass Fisico vielleicht vom Team bevorzugt werden könnte. Durch zwei Siege und zwei zweite Plätze, brachte sich Alonso aber wieder in die überlegene Führungsrolle. Da scheint selbst seine Kritik vom Imola-Wochenende vom Team abzuperlen, wie dem Spanier die Siege zuzufliegen scheinen. Derzeit muss Fisi wohl oder übel erneut die zweite gelb-blaue Geige spielen. Das Schlimmste für ihn ist: Sein Teampartner wünschte ihm in Imola öffentlich, dass er noch in den WM-Kampf eingreifen könne. Was für den einen eine faire Geste, ist für den anderen die Höchststrafe - da Alonso genau zu wissen scheint, dass Fisichella ihm im Titelkampf nicht gefährlich werden kann; auch im gleichen überlegenen Auto.

McLaren: Räikkönen vs. Montoya

Kaum ein Fahrer wurde über den Winter so von seinem Team in den Himmel gelobt wie Juan Pablo Montoya. Und das obwohl der Kolumbianer einen enttäuschenden Saisonstart in seine erste McLaren-Saison 2005 hinlegte, ihn sein angeblicher "Tennis"-Unfall einige Zeit aus dem Geschehen riss und er gegen Saisonende in diverse Kollisionen verwickelt war, die teils ihm vorgeworfen wurden. Vor der Saison 2006 rechnete ihm Martin Whitmarsh die tolle Weiterentwicklungsarbeit an und Teamboss Ron Dennis lobte den Einsatz und den Willen des Südamerikaners. In den ersten Saisonrennen blieb all dies unbelohnt: Montoya legte einen noch schlechteren Start als im Vorjahr hin und war teilweise weit hinter seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen angesiedelt. Erst beim San Marino GP in Imola schaffte es JPM aus dem finnischen Schatten zu treten, nachdem der Ice Man im Qualifying einen seiner wenigen Fehler begangen hatte.

Ein ungleiches Duo: Hitzkopf JPM und Ice Man KR., Foto: Sutton
Ein ungleiches Duo: Hitzkopf JPM und Ice Man KR., Foto: Sutton

Räikkönens Saison begann hingegen wie die letzte: Mit Pleiten, Pech und Pannen. Schon am ersten Wochenende musste er mit technischen Problemen und einem Hinterachsbruch im neuen Qualifying kämpfen. Als Resultat musste er von hinten starten. Danach folgte eine seiner bilderbuchartigen Aufholjagden bis auf das Podest. Sollte ihn das Theater um seine Zukunft nicht allzu sehr beeinträchtigen, fehlt dem Finnen nur eines um in den Titelkampf einzugreifen: Ein konstant schnelles und zuverlässiges Auto. Seinen Teamkollegen dürfte er, von einigen Ausnahmen abgesehen, fest im Griff haben.

Ferrari: Schumacher vs. Massa

Bei Ferrari existierte der Begriff Teamduell für viele Jahre gar nicht. Eddie Irvine und Rubens Barrichello konnten und durften dem Chef nie Paroli bieten. Nur hin und wieder ließ der Brasilianer in den letzten Jahren sein Können durchblicken. Für dauerhafte Erfolge war das aber zu wenig. Mit Felipe Massa schien ein weiteres Opfer in die Fußstapfen seines Landsmanns zu treten. Also leichtes Spiel für den siebenfachen Champion gegen den unbeholfenen Jungspund? Weit gefehlt: Beim ersten Qualifying der Saison hätte Massa seinem Cheffahrer beinahe die Pole streitig gemacht! In Malaysia landete er im Rennen sogar vor Michael Schumacher!

Die Kehrseite der Medaille wurde ebenfalls an den ersten Rennwochenenden ersichtlich: Massa ist noch zu ungestüm und begeht noch zu viele Fehler. Das kostete ihn Startplätze und WM-Punkte. In Imola bekam er zudem von Schumacher eine Lehre verpasst: Fast eine Sekunde nahm der Champion seinem Teampartner im Qualifying ab - mit einer schwereren Tankfüllung! So etwas gab es im letzten Jahr nur bei McLaren Mercedes zu sehen. Dort führte ein gewisser Kimi Räikkönen ähnliche Kunststücke mit seinem kolumbianischen Teampartner vor.

Honda: Button vs. Barrichello

B&B lagen nur selten so nah beieinander., Foto: BAT
B&B lagen nur selten so nah beieinander., Foto: BAT

Teamboss Nick Fry bezeichnete seine beiden B's vor dem Saisonbeginn als die "beste Fahrerpaarung" der Formel 1. Auf dem Papier mag dies vielleicht stimmen. Auf dem Asphalt enttäuschten bislang beide. Noch größer als die Enttäuschung über die fehlende Performance von Honda und Jenson Button, war der Fehlstart von Rubens Barrichello. Wie bei den Wintertests sah der Brasilianer gegen seinen Teamkollegen keinerlei Land. Die ersten drei Rennen können getrost als Katastrophe bezeichnet werden. Erst beim Europa-Auftakt in Imola konnte Rubinho zumindest teilweise an das erwartete Leistungsniveau anknüpfen.

Von den Zeiten seines Teampartners war er dennoch weit entfernt. Im Normalfall sollte also Button für den Rest des Jahres die Oberhand behalten. Auch wenn Barrichello in den nächsten Rennen zu ihm aufschließen dürfte. Dafür sollten die fortschreitende Integration ins Team und die Anpassung an das Auto sorgen. Ob beide ihr großes Ziel - GP-Siege - erreichen können, bleibt aber abzuwarten.

BMW Sauber: Heidfeld vs. Villeneuve

Nick Heidfeld hat einen der sichersten Arbeitsplätze der Formel 1-Welt. Der Mönchengladbacher steht für drei Jahre bei BMW Sauber unter Vertrag. Bei seinem Teamkollegen könnten die Vorzeichen kaum konträrer sein: Jacques Villeneuves Vertrag läuft am Ende des Jahres aus und es stand lange nicht fest, ob der Kanadier überhaupt in dieser Saison für die Weiß-Blauen fahren würde.

Nick steht im Rampenlicht, Jacques im Hintergrund., Foto: Sutton
Nick steht im Rampenlicht, Jacques im Hintergrund., Foto: Sutton

Umso erstaunlicher waren seine Leistungen an den ersten Rennwochenenden. Immerhin war es Villeneuve, der die ersten beiden WM-Zähler der neuen Truppe einfuhr und immer wieder für unerwartet gute Ergebnisse sorgte. Obwohl der Ex-Weltmeister näher als erwartet an Nick Heidfeld dran ist, braucht sich dieser für den Rest der Saison keine Gedanken um seinen Teampartner zu machen. Unter normalen Bedingungen hat der Deutsche klar die Oberhand gegenüber Villeneuve.

Williams: Webber vs. Rosberg

Nach einem enttäuschenden Jahr an der Seite von Nick Heidfeld, erhielt Mark Webber mit Nico Rosberg erneut einen aufstrebenden deutschen Teamkollegen. Allerdings wurde davon ausgegangen, dass er gegen den Neuling deutlich überlegen sein würde. Dieser Zustand trat aber erst in Imola ein, wo sich Rosberg im Auto nicht wirklich wohl fühlte. Zu Saisonbeginn entzauberte der junge GP2-Champion seinen australischen Partner nach Strich und Faden. Egal ob im Rennen oder in Webbers eigentlicher Domäne - dem Qualifying.

Entsprechend entwickelte sich das Teamduell der beiden Mitternachtsblauen zu einem unerwartet spannenden Zweikampf, der sicherlich auch die beiden Vollblutracer Frank Williams und Patrick Head erfreuen wird. Ganz besonders, da angeblich schon andere Teams ihre Angeln nach dem Rohdiamanten Rosberg ausgeworfen haben sollen. Für Sir Frank kann das nur von Vorteil sein: Entweder er kann der Konkurrenz eine lange Nase zeigen oder er kassiert für den langfristig an ihn gebundenen Weltmeistersohn ähnlich kräftig ab wie bei seinem verlorenen Sohn Jenson Button.

Toyota: Schumacher vs. Trulli

Zu Saisonbeginn fuhr Toyota gemeinsam hinterher., Foto: Sutton
Zu Saisonbeginn fuhr Toyota gemeinsam hinterher., Foto: Sutton

So katastrophal wie die Saison für Toyota begann, so schlimm ging sie für Jarno Trulli weiter. Während sein Teamkollege Ralf Schumacher sich in Melbourne mit einem Podestplatz aus den Niederungen von Bahrain erheben konnte, erlebte der Italiener ähnlich viele Probleme wie zur Mitte der vergangenen Saison. Nach vier Rennen stehen für ihn null Punkte zu Buche. Selbst der Aufwärtstrend in Imola wurde von einem technischen Problem gebremst. Auf heimischem Boden, fühlte sich Trulli endlich richtig wohl in seinem TF106. Vielleicht kann der Mann aus Pescara jetzt an seine starken Leistungen vom Saisonbeginn 2005 anknüpfen.

Ralf scheint mit dem neuen Auto hingegen von Anfang an besser zurecht zu kommen; was aber kein Wunder ist, da dieser auf dem TF105B basiert, der ohnehin dem Fahrstil des Kerpeners entgegen kam. Deshalb wird es interessant sein zu beobachten, ob Trulli in den kommenden Rennen Ralf Paroli bieten kann. Und dann kommt in Monaco natürlich der nächste neue Wagen: Der TF106B. Wem wird dieser wohl eher liegen?

Red Bull Racing: Coulthard vs. Klien

Christian Klien ist sich sicher: Nach dieser Saison kann es bei Red Bull Racing nur noch einen geben! Somit heißt es: Entweder Coulthard oder Klien. Einer von beiden muss Platz für einen Top-Piloten machen. Den Wunsch zu bleiben, verspüren logischerweise beide: Klien möchte als Red Bull Fahrer um Spitzenplätze mitfahren und Coulthard will mit dem ersten reinen Red Bull Auto aus der Feder von Adrian Newey seinen 14. GP-Sieg einfahren. Nach vier Rennen steht es im direkten Duell unentschieden: In den ersten Qualifyings hatte klar der Österreicher die Nase vorne. Danach sorgten jedoch Pech und Probleme für ein frühes Ausscheiden: Sowohl im Qualifying als auch im Rennen. Aufgrund der vielen Ausfälle, lässt sich das interne Duell der roten Bullen vorerst nicht weiter beurteilen.

Zu cool für die F1-Welt: Tonio & Scott., Foto: Sutton
Zu cool für die F1-Welt: Tonio & Scott., Foto: Sutton

Scuderia Toro Rosso: Liuzzi vs. Speed

Scott Speed ist doch nur wegen seines marketingträchtigen Namens und seiner Nationalität in der Formel 1. Dass spotteten viele vor dem Saisondebüt. Doch dann hätte der heißblütige US-Boy in Melbourne beinahe den ersten WM-Zähler der Jungbullen geholt. Stattdessen holte er sich aber die erste Geldstrafe des Teams ab: Er beleidigte Familienmitglied David Coulthard vor den Stewards. Tonio Liuzzi wurde derweil seinem Ruf gerecht und war meistens schneller als Speed. Wunderdinge konnte aber auch der letzte F3000-Champion der Geschichte nicht vollbringen.

MF1 Racing: Albers vs. Monteiro

Tiago Monteiro entwickelte sich in seiner Debütsaison 2005 zum Mr. Zuverlässigkeit. Der Portugiese stellte einen neuen Zielankunftsrekord für einen Rookie auf. In diesem Jahr war ihm das Glück nicht ganz so hold: Technische Probleme und die fehlende Konkurrenzfähigkeit seines Autos verhinderten eine Wiederholung ähnlicher Glanzpunkte wie seiner Punkteankunft von Spa 2005. Für Christijan Albers galt das gleiche: Der Niederländer wusste hin und wieder mit guten Rundenzeiten zu glänzen und war meistens schneller als Monteiro, fiel dann aber wegen diverser Zwischenfälle oder Probleme aus. Zuletzt wegen eines unverschuldeten Unfalls mit Yuji Ide.

Super Aguri: Sato vs. Ide

Damit wären wir beim letzten Fahrerpaar der Startaufstellung: Den beiden Japanern Takuma Sato und Yuji Ide. Da Sato aus seinen Jahren bei Jordan und Honda - teilweise unberechtigt - als Kamikaze-Pilot und Crash-Kid bekannt ist, überrascht es nicht, dass der 31-jährige Rookie Yuji Ide ähnliche Pfade einschlug. Schließlich hatte er vor Saisonbeginn angekündigt, den aggressiven Fahrstil seines Landsmanns übernehmen zu wollen. Gegen den erfahrenen Taku San hatte Ide aber nie auch nur den Hauch einer Chance. Stattdessen gestand er mehrmals offen ein, dass er im Vergleich zu seinen Kollegen nicht konkurrenzfähig sei. Aus diesem Grund kursieren schon seit dem ersten Rennen Gerüchte, wonach Ide bald durch einen anderen Piloten ersetzt werden könnte.