301 Tage – so lange musste Max Verstappen auf seinen 72. Formel-1-Sieg warten. Beim Bahrain-GP in Malaysia erlöst er sich und Red Bull: Nach einem dominanten Wochenende steht er vor Kimi Antonelli und Lewis Hamilton auf dem Siegertreppchen. Auf dem Papier ist es ein Start-Ziel-Sieg, doch das ist nur ein Bruchteil der Geschichte, die sich an diesem Sonntag in Sepang zugetragen hat.
Verstappen lobt Red Bull: Nach so einem schweren Start ins Jahr…
"Es ist sehr besonders für uns, hier zu gewinnen", freut sich Verstappen nach seinem ersten Sieg seit dem Abu Dhabi GP 2025. "Wir hatten einen schwierigen Start ins Jahr mit allen möglichen Problemen, mehr als mangelnde Konkurrenzfähigkeit. Viele haben zwischendurch nicht mehr daran geglaubt, dass wir dieses Jahr noch gewinnen können, ich eingeschlossen", gab er zu. Doch das Team ließ nicht locker und brachte Update nach Update, um die Performance zu verbessern.
Mit 49 neuen Teilen ist Red Bull der Spitzenreiter in Sachen Upgrades. Schritt für Schritt kämpften sich die Bullen über die letzten Monate voran. Mit Erfolg: Seit dem Rennen in Spielberg stand Verstappen – mit Ausnahme seiner Ausfälle in Silverstone und Zandvoort – jedes Mal auf dem Podest. In Madrid fehlten 4,3 Sekunden, in Baku 0,196 Sekunden auf den Sieg. In Sepang lag er 2,3 Sekunden in Führung, als er über die Ziellinie fuhr. "Ich bin unglaublich stolz auf alle. Die Stimmung im Team ist großartig und wir ziehen alle am selben Strang", lobt der vierfache Weltmeister den gesamten Rennstall.
"Es ist ein fantastisches Gefühl. Wir waren das ganze Wochenende in Topform", beschreibt er die Leistung beim Bahrain-GP. "Das Rennen war ziemlich schwierig. Es war nicht leicht, weil wir so viele Entscheidungen treffen mussten, vor allem mit dem Safety Car am Ende. Aber wir haben Ruhe bewahrt und uns bei den Reifen immer richtig entschieden." Dass sich Red Bull bei den Reifen immer richtig entschieden hat, ist wahr. Dass Verstappen über die 55 Runden Ruhe bewahrt hat, nicht.
Horror-Start ins Rennen: Motor macht zweimal schlapp
Für ihn wäre es nämlich beinahe vor dem Start vorbei gewesen. Nach 45 Minuten Verzögerung aufgrund eines Wolkenbruchs ging das Feld endlich in die Formationsrunde. Es dauerte nur eine halbe Runde, bis die Systeme zu streiken begannen. "Ich kann nicht beschleunigen", funkte Verstappen in Kurve neun. "Es funktioniert nicht, Leute!" Auf Anweisung stellte er die Motoreinstellung um und das Problem war gelöst. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass das halbe Feld von einem Systemfehler auf der nassen Formationsrunde betroffen war. Alle Informationen dazu gibt es in diesem Artikel:
Nach weiteren 45 Minuten Wartezeit, in denen die Teams eine neue Software der FIA installieren und auf ihren hochtechnischen Hybrid-Motoren implementieren mussten, konnte das Rennen endlich starten. Auf der langsam auftrocknenden Strecke machte Red Bull nicht den gleichen Fehler wie beispielsweise McLaren und Ferrari, auf einen Slick-Reifen zu wechseln. Verstappen erwischte mit dem Intermediate-Reifen dennoch einen horrenden Start: Als er die Kupplung losließ, fiel seine Drehzahl abrupt in den Keller. Sofort wurde er von beiden Mercedes überholt und fiel auf Platz drei zurück.
"Der Motor ist mir komplett abgestorben", meint Verstappen nüchtern. In derselben Situation befand er sich in diesem Jahr schon mehrmals, deshalb wusste er schon, wie er sich verhalten musste: "Du musst dich einfach hinten einreihen, nicht überreagieren und versuchen, deine Position zu behalten. Das Rennen ist lang." Er brauchte nach einem kurzen Duell mit Liam Lawson aber nicht lange, bis er den Anschluss an die beiden Silberpfeile wiederhergestellt hatte. Der RB22 war in Sepang eindeutig das überlegene Auto.
Formel-1-Rekorde: Verstappen zieht doppelt mit Michael Schumacher gleich
Bereits in Runde sechs hat Verstappen George Russell hinter sich gelassen. Das erste Safety Car, ausgelöst von Valtteri Bottas, kam in Runde elf zum perfekten Zeitpunkt, um seine Intermediates gegen neue Soft-Reifen zu tauschen. Beim Restart schnappte er sich Kimi Antonelli in Kurve vier und baute bis zum virtuellen Safety Car in Runde 43 einen Vorsprung von zehn Sekunden auf.
Das Team nutzte die Chance, um den Rennanführer zum dritten Stopp zu holen und wieder einen Soft draufzuschnallen. Das VSC wurde zum realen Safety Car, aber Verstappen behauptete sich beim Restart gegen Antonelli. Er gewann den Schlusssprint und zog mit seinem 72. GP-Sieg für dasselbe Team mit Michael Schumacher gleich. Der Rekordweltmeister gewann ebenfalls 72 Rennen für Ferrari.
Das ist nicht die einzige Statistik, in der sich Verstappen mit seinem ersten Sieg des Jahres neben der Formel-1-Legende verewigte: Seit 2016 konnte er in jeder Saison einen Grand Prix gewinnen. In elf Saisons oder mehr hintereinander zu gewinnen, schafften bisher nur Schumacher und Lewis Hamilton. Dazu gewann er die letzten zwei Formel-1-Rennen in Sepang, nur lagen eben neun Jahre dazwischen. Denselben Grands Prix hintereinander mit so einem großen Zeitabstand zu gewinnen, schaffte auch noch niemand. Fairerweise muss man sagen, dass eine solche Situation auch nur selten vorkommt.
Erster Ford-Sieg seit 23 Jahren! 2026 noch mehr möglich?
Doch es ist nicht nur Verstappens erster Sieg der Saison, sondern auch der erste Sieg für einen Ford-Motor seit dem Brasilien-GP 2003, als Giancarlo Fisichella im Jordan gewann. "Es ist unfassbar, dass wir unser erstes Rennen in unserem ersten Jahr gewonnen haben. Es ist beeindruckend und emotional, das mit unserem eigenen Motor zu tun", kommentierte der vierfache Weltmeister.
"Es ist unser erster Sieg als vollwertiger Hersteller", freut sich Teamchef Laurent Mekies. Fünf Jahre ist es her, dass sich Red Bull dazu entschied, ein eigenes Motorenwerk zu gründen. 2023 holte Red Bull Powertrains Ford als Entwicklungspartner an Bord. Nun feiert der US-Autobauer seinen 177. Formel-1-Sieg. Kann Verstappen diese Zahl 2026 noch einmal erhöhen?
"Ich hoffe natürlich, dass noch mehr kommt", schickt er bei Sky Sports F1 voraus. Aber Zweifel bestehen: "Es wird wohl teilweise streckenspezifisch sein. Letztes Wochenende waren wir in den Kurven schnell, aber auf der Geraden im Vergleich zu Mercedes nicht. Jetzt sind wir in den Kurven ordentlich und auf der Geraden schnell. Wir müssen also wahrscheinlich manchmal auch einfach das Gesamtpaket besser verstehen – warum wir schnell sind und warum vielleicht auch einmal nicht. Und dann müssen wir Rennen für Rennen Schritt für Schritt vorgehen", erklärt Verstappen.
Mekies sieht das genauso, verweist aber auf einen Grund zur Hoffnung: "Baku und Sepang sind sehr unterschiedliche Strecken und wir konnten auf beiden kämpfen. Das ist ein Beweis für die gute Arbeit in der Fabrik und dafür, dass wir uns annähern. Wir werden sehen." Heute wird das Team den Erfolg erst einmal genießen, bevor es direkt nach Singapur geht – zu einer Strecke, auf der Verstappen noch nie gewonnen hat, nicht einmal im Dominanz-Jahr 2023.
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