Bevor das aufgrund von Regen ohnehin schon nach hinten verschobene Formel-1-Rennen in Malaysia gestartet wurde, brach schon das ganz große Chaos aus. Auf der Formationsrunde rollte plötzlich Max Verstappen in extrem langsamer Fahrt aus Kurve 9 heraus und meldete an das Team, dass er nicht beschleunigen konnte.
Etwa 30 Sekunden dauerte das Problem an, ehe der spätere Rennsieger nach einigen Instruktionen seines Renningenieurs wieder normal weiterfahren konnte. Doch hinter ihm ging es da erst richtig los. Plötzlich meldeten reihenweise Piloten, dass sie nicht mehr aufs Gas gehen konnten oder es ihnen an Leistung fehlte. Allen voran Lewis Hamilton auf Platz 2, der alarmiert funkte: "Ich trete auf das Gaspedal und nichts passiert."
Fast das ganze Feld meldete Leistungsprobleme. Bei einigen, wie etwa bei Lando Norris, schaukelten sich diese in wenigen Sekunden oder nach einer Änderung des Motormodus wieder ein, andere parkten ihre Wagen komplett am Streckenrand, um diesen neu zu starten. Bei Hamilton löste dies das Problem, genauso wie beispielsweise auch bei Valtteri Bottas im Cadillac. Aber natürlich konnte die Rennleitung diesem unkontrollierten Treiben vor der Startflagge nicht tatenlos zuschauen, und brach den Startvorgang ab.
Es dauerte etwa 50 Minuten, bis die Session fortgesetzt wurde. In dieser Zeit sickerte schon durch, dass ein allgemeines Software-Problem die Ursache für den Vorfall war. Nach dem Grand Prix stellte sich der FIA-Verantwortliche für die Formel 1, Nikolas Tombazis, der Presse und bestätigte diesen Auslöser.
Motorregeln schuld? Bug in der FIA-Software stoppt die Formel-1-Autos
Die lange Unterbrechung war deswegen notwendig geworden, da die FIA-Technikabteilung noch schnell die Software umschreiben musste, um eine Wiederholung des Problems zu umschiffen. Das dauerte etwa 20 Minuten. Erst als diese Software bei allen Autos installiert, und das normale Restart-Prozedere mit einer 10-Minuten-Warnung eingehalten worden war, ging es weiter.
Die Ursache des Problems waren die gesonderten Motorregeln für Regenrennen in der Formel-1-Saison 2026. Falls die Rennleitung offiziell eine 'Low-Grip'-Mitteilung im Falle eines Regenrennens herausgibt, entfällt der Boost-Modus. Außerdem wird die E-Leistung der MGU-K von 350 auf 250 kW gedrosselt. Die Idee hinter dieser Regel ist, dass bei rutschigen Bedingungen die Autos leichter kontrollierbar sind und auch die Energie-Schwankungen nicht so stark ausfallen.
Wurde Malaysia ein Opfer des guten Wetters in dieser F1-Saison?
Die Software ist Teil der für alle Teams einheitlichen ECU, welche von der FIA entwickelt wurde. "In Zusammenarbeit mit den Teams und den Power-Unit-Herstellern", wie Tombazis betont. Doch offenbar verbarg sich im Standard-Code für diese Software ein Bug, der bisher bei allen Tests unentdeckt geblieben war. "Ein Bug ist per Definition ein Fehler", gestand der technische Verantwortliche ein.
"Wir waren nicht in der Lage, die Software so eingehend zu testen, wie wir es gerne getan hätten, denn wir sind in diesem Jahr sehr wenig bei Regen gefahren", erklärte Tombazis diesen Fehler. Bisher hatte es in dieser F1-Saison noch kein vollkommen verregnetes Rennen gegeben. Der Kanada-GP startete unter Mischbedingungen und Regen gab es auch an einem Testtag in Barcelona sowie bei Reifentests von Ferrari in Fiorano oder von Red Bull in Suzuka.
Dort war das Problem nicht entdeckt worden, genauso wenig wie auf den Sichtungsrunden vor dem Malaysia-Rennen. Erst die extrem geringen Geschwindigkeiten auf der Formationsrunde vor dem Rennen ließen es zutage treten. Konkret also genau jener Moment, als Verstappen die langsame Linkskurve T9 durchfuhr. Als die anderen Autos hinter dem späteren Rennsieger ebenfalls auf Schritttempo verlangsamten, griff das Problem um sich. "Es kam zu einem gewissen Ziehharmonika-Effekt zwischen den Autos und einige stoppten fast komplett", so Tombazis.
In beinahe Schrittgeschwindigkeit war die Software offenbar nie ausgetestet worden. Der Bug verursachte, dass die Motoren, sobald sie unter eine gewisse Schwelle geraten waren, keine Leistung mehr freigaben. Das ist laut Tombazis auch der Grund, warum nicht alle Fahrer gleichermaßen betroffen waren, denn nicht alle verlangsamten auf die gleich niedrigen Geschwindigkeiten. "Einige Autos gerieten irgendwie in einen Kreislauf, der verursachte, dass sie nicht wieder Gas geben konnten."
Der schnelle Lösungsansatz der FIA-Softwaretechniker war, in einigen Sektoren die Power-Reduktionen für den Regenmodus zu überschreiben. "Unsere Leute realisierten sehr schnell, was passiert war und mussten unter sehr viel Druck arbeiten, um die Software zu updaten. Es war eine eilige Angelegenheit, aber zum Glück waren wir in der Lage, es zu lösen, ohne die Sicherheit, das Racing oder die Fairness zu kompromittieren", sagte Tombazis.
Gleiches Problem, verschiedene Lösungen: Nur die Ferraris mussten ihr Auto neu starten
Bei den Auswirkungen des Problems traten deutliche Unterschiede zutage. So waren es ausschließlich Ferraris, die ihr Auto parken und neu starten mussten, um weiterfahren zu können. In anderen Fällen reichte eine Änderung des Motormodus oder diverse andere Inputs am Lenkrad aus, um das Problem aussortiert zu bekommen. Warum diese Unterschiede auftraten, ist noch nicht geklärt.
Warum gleichzeitig mit dem offensichtlich an der MGU-K liegenden Problem auch der Verbrennungsmotor keine Leistung mehr lieferte, ist ebenfalls noch nicht bekannt und wird Gegenstand eingehender Untersuchungen bei der FIA sein, wie der Formelchef des Weltverbandes versprach. "Kann ich garantieren, dass das nie wieder passieren wird? Für dieses Problem, ja." Aber es lasse sich natürlich nie komplett ausschließen, dass sich nicht noch irgendwo ein anderer Bug im System versteckt. "Wir werden aber natürlich unser Bestes tun, das zu vermeiden", versprach Tombazis.
"Die Autos sind kompliziert, wenn Elektro und Verbrenner zusammenarbeiten und wenn man natürlich sicherstellen will, dass dabei die sportliche Fairness zwischen den Teams gewahrt wird. Es wäre uns natürlich lieber, wenn es einfacher wäre, aber wenn man so viel elektrische Energie hat, dann macht es das kompliziert", führte Tombazis aus. Er hielt jedoch auch fest, dass man es nicht unbedingt auf die Komplexität zurückführen müsse, schließlich könne es auch der Fall sein, dass der Softwarefehler schlicht und ergreifend übersehen wurde.



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