Die Formel 1 hat 2026 schon viel Absurdes mit den neuen Power Units erlebt, doch die Formationsrunden vor dem ersten Startversuch im Regen von Malaysia stellen einen neuen Tiefpunkt da. Ein Fehler in der Software legt gut ein Viertel aller Autos lahm. Von den Fahrern kommt danach durch die Bank Kritik.
Für sie hatte es sich im Cockpit übel angefühlt. "Sehr seltsam, zuerst dachte ich, das Safety Car hätte die Lichter ausgemacht, weil ich mit dem Spray das Safety Car nicht sehen konnte, und Max würde eine Lücke öffnen, um seine Reifen anzuwärmen", beschreibt es Charles Leclerc. Doch Pole-Mann Max Verstappen war als erster in eine Software-Falle getappt, in der aufgrund besonders niedriger Geschwindigkeit das Motor-Management den Autos die Leistung abdrehte.
"Dann ist Max wieder angefahren, dann war Lewis langsam, ich habe gewartet, bis ich mir dachte: Gut, jetzt fahre ich einfach. Kaum bin ich auf das Gaspedal, hatte ich genau das gleiche Problem", so Leclerc. Bei allen Fahrern, bei denen der Fehler auftrat, fühlte es sich an, als würde das Gaspedal einfach nicht mehr reagieren.
Wie Lego-Rennen: Formel-1-Autos beschleunigen nicht mehr über 30 km/h
"Ich hatte das schon einmal im Simulator, aber im Simulator passieren manchmal so komische Dinge, und wenn du im echten Auto aufs Gas steigst und nichts passiert, dann ist das echt komisch", berichtet der weiter hinten ebenfalls ausrollende Arvid Lindblad. Zumindest bei Ferrari, Haas, Cadillac, Audi sowie bei Verstappen und Lindblad war das Problem aufgetreten.
Manche konnten die Probleme mit Modus-Änderungen irgendwie lösen. Die Audis rollten so an die Box. Die Ferrari-motorisierten Autos stoppten teilweise das Auto auf der Strecke und starteten es neu. "Wie ein Windows-Restart!", scherzt Haas-Pilot Esteban Ocon. "Auto stoppen, Windows neu starten, und dann ging es wieder."
Auch Verstappen und Lewis Hamilton konnten nach dem Rennen schon Witze darüber machen. "Wie das Lego-Rennen", vergleicht es Hamilton. Aber bei näherer Betrachtung hört der Spaß schnell auf. "Ich hoffe, hier wurde eine Lektion gelernt." Für jeden Rennfahrer ist es schließlich maximal unangenehm, wenn das Auto plötzlich so simple Eingaben wie die Gaspedalstellung beginnt zu ignorieren.
Fahrer beklagen erneut fehlende Kontrolle über F1-Motoren
"Was heute passiert ist, das ist völlig inakzeptabel für den Sport", wird Sergio Perez deutlich. Diese Meinung ist unter seinen Fahrerkollegen weit verbreitet. "Grauenvoll. Es beweist, dass wir dieses ganze Zeug nicht im Auto haben sollen", meint Lando Norris. "Es ist dieses ganze Code-Zeug, wie die Batterie funktioniert."
"Es macht einem ein bisschen Angst, sowas bei einem Formel-1-Auto zu sehen", meint Leclerc. Schon das ganze Jahr über beklagen sich die Fahrer regelmäßig, dass sie je nach Situation wenig bis gar keinen Einfluss auf viele der Software-Aspekte der neuen Power Units haben. "Es ist sicher nicht gut genug. Wir haben alle diese Probleme aufgebracht, und hoffentlich gibt es Lösungen, aber ich glaube, kurzfristig kannst du das nicht lösen."
"Das sind die Folgen von Entscheidungen, die vor langer Zeit getroffen wurden", meint Leclerc. Diese Power Units sind schon bei normalem Betrieb auf komplexe autonome Programme angewiesen. Aus Sorgen um Sicherheit gibt es dann im Regen noch zusätzliche Einschränkungen beim Deployment der Elektro-Leistung. Eine Kombination aller Faktoren löste in Malaysia den Fehler aus.
"Das sagt uns wohl, dass wir etwas zu weit gegangen sind mit den ganzen Eingriffen, dem Low-Grip-Modus, das alles zu verstehen ist ein Albtraum", sagt Oliver Bearman. Carlos Sainz erneuert seine Kritik, die er schon zu Jahresbeginn äußerte: "Die Formel 1 muss in den Spiegel schauen und überlegen, wie sie in dieser Lage gelandet ist."
"Die Regeln sind eindeutig extrem kompliziert für Fahrer, Teams, Motoren, Hersteller, zu kompliziert, Power-Modi von Trocken auf Nass zu wechseln, alles zu kompliziert", klagt Sainz. "Meine einzige Frage ist: Wer dachte vor fünf Jahren, dass dies der richtige Weg sei? Jetzt sind wir in dieser Situation, und zusammen mit der FIA und der F1 machen wir das Beste aus dem, was vor vier oder fünf Jahren entschieden wurde, aber was damals entschieden wurde war ganz klar falsch, das hat heute wieder bewiesen."



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