Oliver Bearman war die tragische Figur des Formel-1-Samstags in Madrid. Er versenkte seinen Haas schon im Training in der Wand und konnte am Qualifying daraufhin nicht teilnehmen. Der Schaden zu groß, die Chancen an einem für das Team vielversprechenden Wochenende ruiniert. Der Brite war von seinem Missgeschick in jeder Hinsicht überrascht, denn er will beim Unfall nichts falsch gemacht haben. Teamchef Ayao Komatsu vergibt seinem Fahrer für einen seltenen Ausrutscher. Doch die Folgen für Haas sind bitter.
"Er ist solch ein schneller Fahrer, er ist immer am Limit und heute ging es für ihn leider schlecht aus. Aber das passiert ihm nicht oft, und dass wir in der Weltmeisterschaft auf Platz sieben liegen, haben wir auch ihm zu verdanken. Da kannst du ihm jetzt dafür nicht einfach die Schuld geben", verteidigt Komatsu seinen Fahrer im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Doch nachdem Haas vor einer Woche in Monza mit dem großen Upgrade des VF-26 und der neuen Spezifikation des Ferrari-Motors einen gewaltigen Schritt im Mittelfeld machte, tut der Crash besonders weh.
"Es ist sehr schade, dass das an einem Wochenende passiert, an dem wir tatsächlich konkurrenzfähig aussehen", so der Japaner. Für die Mechaniker seines Teams bedeutet der Unfall eine Extraschicht, denn für Bearmans Start im Rennen am Sonntag muss ein neues Auto aufgebaut werden. Noch ist nicht klar, ob er aus der Boxengasse starten muss. "Das wird noch diskutiert. Selbst die FIA scheint sich da nicht ganz im Klaren zu sein, was die sportliche und die technische Seite angeht. Ich kann das noch nicht zu 100 Prozent sagen. Im Moment tun wir noch alles in unserer Macht stehende, um vom Grid zu starten", erklärt Ayao Komatsu.
Oliver Bearman gibt Wind die Schuld an Formel-1-Unfall in Madrid
Zu 100 Prozent sagen, wie es zum Unfall kam, konnte dafür Oliver Bearman. Er hatte ironischerweise noch vor dem Wochenende erklärt, wie er den neuen Madring in der Vorbereitung im Simulator mit diversen Unfällen kennengelernt hatte - damit ihm genau das in der Realität nicht widerfährt. Im Training erwischte ihn ein Faktor, der in den Simulatoren nur bedingt abgebildet wird.
"Es war ein sehr unglücklicher Moment, ich bin wirklich enttäuscht. Ich habe das Heck in Kurve zehn ohne Vorwarnung verloren", so der 21-Jährige gegenüber Sky Sports F1. "Wir haben die Daten angeschaut. Ich war auf etwas älteren Reifen als auf meiner ersten Runde, aber ich bin nicht schneller gefahren. Mich erwischte einfach eine Windböe, die mich gedreht hat. Es ist schade. Ich weiß nicht, was ich da anders hätte machen sollen, außer natürlich, nicht das Auto zu verlieren. Ich denke nicht, dass ich viel falsch gemacht habe. Es war nur sehr unglücklich."
Im dritten Training hatte er mit seiner vor dem Unfall gesetzten Rundenzeit den 13. Platz belegt, war von den Rundenzeiten aber fast auf Augenhöhe mit den Audi-Fahrern. "Es tut noch mehr weh, weil das Auto an diesem Wochenende konkurrenzfähig ist. Ich kann mich beim Team dafür nur entschuldigen", sagt er weiter. Dennoch glaubt er, aus dem Rennen noch etwas machen zu können: "Es wird von hinten schwierig, aber wir waren das ganze Wochenende schnell. Es ist noch nicht vorbei. Wir werden versuchen, etwas anderes zu machen [Strategie]."
Top-10 für Haas im Qualifying außer Reichweite
Mit Esteban Ocon reichte es für Haas im Qualifying schlussendlich für Platz 13. "Ich denke nicht, dass wir die vier Zehntel für das Q3 gehabt hätten", gesteht Komatsu. Den direkten Gegner sah er hingegen schon in Reichweite. "Aber die paar Zehntel für Audi schon eher. Dort hätten wir uns einsortieren, und sie wie in Monza splitten können. Und das ist für uns auch schon ermutigend."
Tatsächlich betrug der Rückstand von Esteban Ocon gegenüber Gabriel Bortoleto auf Platz zwölf bereits drei Zehntelsekunden. Nico Hülkenberg als Elfter sogar eine halbe Sekunde voraus. "Die letzte Runde habe ich ziemlich maximiert, damit ich bin zufrieden. Aber wir sind von den Audis noch ziemlich weit weg, das müssen wir uns anschauen", so Ocon, der sich vom momentanen Aufschwung von Haas für das Rennen trotzdem etwas ausrechnet.
Der Reifenabbau scheint ihm keine so großen Sorgen zu bereiten, wie der Konkurrenz: "Das Rennen könnte ganz unterhaltsam werden. Die Longruns sahen schon im FP2 interessant aus, mit der 'Degradation'. Hoffentlich hat sich die Strecke nicht zu sehr verbessert, damit die bleibt. Dann sollten wir dafür ein gutes Auto haben."



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