Jorge Martin ging als Mitfavorit in das MotoGP-Wochenende von Misano. Im Gegensatz zu vielen anderen Grands Prix im Kalender verpasste er das Event an der italienischen Adriaküste im Vorjahr nicht verletzungsbedingt, konnte also bereits auf Erfahrung mit der Aprilia zurückblicken. Zudem gilt Misano als Strecke mit exzellentem Grip, was dem notorischen Spätbremser Martin entgegenkommen sollte.

Jorge Martin mit MotoGP-Stotterstart in Misano

Am Freitag war davon aber nichts zu sehen. Martin kam nie richtig auf Touren und rettete sich nur mit Mühe direkt in Q2, 14 Tausendstelsekunden entschieden zu seinen Gunsten - ein ernüchterndes Resultat. Doch am Samstag platze für Martin der Misano-Knoten: Im Qualifying stellte er seine Aprilia auf Startplatz fünf, im Sprint schnappte er sich noch die Ducatisti Fermin Aldeguer sowie Fabio Di Giannantonio und durfte am Ende als Drittplatzierter vom Podium jubeln.

Marc Marquez zeigt kaputte Schulter: Warum gerade jetzt? (10:16 Min.)

"Wir haben das Motorrad etwas verändert, aber in erster Linie habe ich meinen Fahrstil angepasst. Ich war es nicht mehr gewohnt, auf Strecken mit so gutem Grip zu fahren", beschrieb Martin nach dem Sprint die erstaunlichen Fortschritte. Seit der Sommerpause war Bodenhaftung für die MotoGP-Stars Mangelware: In Silverstone zerbröselten die Michelin-Reifen und sorgten für eine Rutschpartie. Und das Motorland Aragon präsentierte sich vor zwei Wochen gewohnt staubig.

Jorge Martin: Guten Grip nicht mehr gewohnt

"Ich hatte zuletzt immer das Gefühl, die Front zu verlieren", gesteht Martin. "Hier in Misano ist das aber kein wirkliches Problem. Ich habe dann gesehen, dass ich in der finalen Bremsphase viel Zeit gegenüber Marco (Bezzecchi, Anm.) verloren habe. Deshalb habe ich versucht, weiter auf der Bremse zu bleiben, auch wenn ich das Gefühl hatte, zu stürzen. Runde für Runde habe ich so mehr Vertrauen aufgebaut und konnte mich dadurch wirklich verbessern."

Jorge Martin in Schräglage bei der MotoGP in Misano.
Am Samstag bildeten Martin und seine Aprilia wieder eine Einheit, Foto: IMAGO / ABACAPRESS

Platz drei im Sprint bedeutete nur fünf verlorene Punkte gegenüber Marc Marquez und zwei gegenüber Teamkollege Bezzecchi und damit eine erfolgreiche Schadensbegrenzung in der MotoGP-Fahrerwertung. Und doch blieb bei Martin das Gefühl, ein besseres Ergebnis verpasst zu haben: "Ich bin mit dem Resultat zufrieden, aber mit einer besseren Startposition wäre noch mehr möglich gewesen. Im Qualifying habe ich mit dem Soft-Hinterreifen aber immer noch Probleme. Das Motorrad unterscheidet mit diesem Reifen und fühlt sich gleichzeitig sehr aggressiv an. Es ist schwierig, das richtig zu managen."

Jorge Martin ringt Fabio Di Giannantonio nieder

Aldeguer konnte Martin schon in der Startrunde überholen, hinter Di Giannantonio hing er aber sechs Umläufe lang fest. Mit einem beherzten Manöver in Turn 6 konnte er schließlich aber dennoch vorbeigehen: "Ich habe versucht, so nah wie möglich an ihm dran zu bleiben und ihn in einen Fehler zu treiben. Den hat er aber nicht gemacht, also bin ich Kurve sechs einfach reingestochen. Das ist eine gute Stelle für so ein Manöver, weil du aus Turn 5 raus viel für diese Kurve investieren musst. Das Schwierige war dann, vorne zu bleiben, weil ich nicht auf der richtigen Linie war. Hoffentlich kann ich Fabio am Sonntag früher überholen."

Wäre für Martin im Rennen dann sogar ein Dreikampf mit Marquez und Bezzecchi möglich? "Momentan bin ich hier einfach nicht auf dem Level der beiden. Ich habe im Sprint ein paar interessante Dinge gesehen, die wir sicherlich verbessern kann. Vielleicht kann ich die Lücke also schließen, aber es wird sehr schwierig", gibt sich Martin zurückhaltend.

Was meint ihr? Kann Martin am Sonntag ein Wörtchen um den Sieg mitreden? Schreibt es uns in die Kommentare!