Egal was am Samstag bei der Formel 1 passiert wäre, Kimi Antonelli muss nach dem Wechseln von mehreren Motor-Komponenten das Rennen in Monza vom 20. Startplatz aufnehmen. Das stand schon fest, als das Qualifying begann, und es nötigte Antonelli wie erwartet eine etwas bizarre Arbeitsstunde als George Russells Edelhelfer ab.
"Es war natürlich ein sehr komisches Gefühl", meint Antonelli danach. "Aber ich hatte meinen Job zu machen, hatte George zu helfen." Sein ganzes Qualifying darauf auszurichten war aber fahrerisch alles andere als angenehm. Es begann damit, dass alle anderen im Fahrerlager wussten, dass Antonelli nur ein Windschattenspender war.
Also warteten in Q1 und zu Beginn von Q2 einfach alle, bis sich Antonelli mit Russell im Schlepptau in Bewegung setzte, und folgten ihnen dann hinaus. Antonelli musste Runde um Runde also in relativ zur Konkurrenz suboptimalen Bedingungen fahren. Da staute sich in Q2 Frust an. "Kann ich einmal nicht alleine fahren?", bat Antonelli bald die Box darum, ihn wenigstens so rauszuschicken, dass er bei irgendwem Windschatten schnorren konnte.
Wenn Kimi Antonelli in Monza ernsthaft fährt, ist er pfeilschnell
Am Ende von Q2 bekam er so einen mäßigen Versuch ein paar Sekunden hinter Arvid Lindblad. Selbst bei diesen nicht optimalen Bedingungen zeigte er, wie viel er theoretisch noch aus seinem Mercedes rausholen könnte, und holte die Q2-Bestzeit. Diese 1:21,882 hätte in Q3 für den dritten Startplatz hinter Pierre Gasly und Russell gereicht.
In Q3 musste Antonelli jedoch damit leben, dass seine ganze Anwesenheit in diesem Segment völlig Russells Bedürfnissen untergeordnet wurde. Nur einmal - während alle anderen zwischen ihrer ersten und zweiten Q3-Runde an die Box fuhren, nachtankten und Reifen wechselten - durfte er allein eine schnelle Runde fahren, komplett ohne Windschatten: "Q3 war sehr komisch, selbst diese Runde. Es war eine passable Runde, nichts Besonderes. Ich hatte auch mehr Benzin im Tank als sonst."
Die Vorbereitung auf diese Runde war auch völlig abnormal, weil Antonelli nur Minuten davor eben Russell hin zur ersten Kurve ziehen hatte müssen. "Es war auch richtig stressig, die ganze Gruppe ohne Boost vorbeizulassen, da war ich an manchen Stellen extrem langsam und musste ganz komische Linien fahren, um niemandem im Weg zu stehen", erklärt Antonelli. "Das war viel stressiger, als George zu ziehen."
Antonelli rettet sich durchs Qualifying: Was geht im Rennen?
"Außerdem wollte ich keine Fehler machen, die unser geplantes Programm mit dem Windschattenspenden für George in der letzten Runde untergraben hätten", unterstreicht Antonelli. Seine 1:22,093 war dennoch beachtlich. Eine Zehntel schneller, und er hätte beide Ferrari geschlagen, obwohl diese Windschatten gehabt hatten.
Seine letzte Windschattenspende für Russell ging dann auch noch schief, ohne dass es seine Schuld gewesen wäre. Ein langsamer Max Verstappen kam den beiden Mercedes vor der Parabolica in die Quere. Das dadurch entstandene Chaos kostete Russell wohl Pole, meint das Team. Mehr dazu gibt es hier:
Antonelli ist froh, dass er es hinter sich hat, und akzeptiert, dass so etwas manchmal eben sein muss: "Wie er auch ein guter Teamplayer in Zandvoort war. Ich habe getan, was das Team von mir wollte. Wenn er dann an der Reihe ist, werden wir darüber sprechen, aber uns ist beiden klar, dass wir uns gegenseitig helfen, wenn wir können."
Von Platz 20 aus wird es jetzt ein weiter Weg für Antonelli. "Wenn Kimis Pace so stark ist, wie sie am Freitag ausgesehen hat, dann hoffen wir, dass wir ihn in die oberen Punkteränge bringen können", glaubt Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin.



diese Formel 1 Nachricht