Flavio Briatore teilte nach der Entscheidung des internationalen Berufungsgerichts der FIA über das Ergebnis des Formel-1-Rennens in Monaco ordentlich aus. Der Alpine-Teamchef unterstellte einem Richter des von der FIA unabhängigen Gremiums, dass dieser voreingenommen gegenüber McLaren gewesen sei und vielmehr, wie ein Staatsanwalt anstatt wie ein Richter aufgetreten sei. Dabei nannte der Italiener auch den Namen des Genannten.

Zuvor hatte das Berufungsgericht den dritten Platz von Pierre Gasly bei dem Rennen in Monte Carlo gekippt. Der Franzose hatte ursprünglich eine 10-Sekunden-Zeitstrafe erhalten und war damit von P3 auf P7 zurückgefallen. Nach einem erfolgreichen Right of Review von Alpine wurde die Strafe zurückgenommen, nur um jetzt vor dem Berufungsgericht wieder eingesetzt zu werden. McLaren war neben Red Bull und den Racing Bulls eines von drei Teams gewesen, das von diesem nun finalen Urteilsspruch profitierte.

Konkret hatte Briatore ein Foto eines involvierten Richters bei einem McLaren-Event zur Untermauerung seiner Anschuldigungen vorgelegt und angebliche Verbindungen zwischen dem Sportwagenbauer und ihm hergestellt. Die Aussagen von Briatore und die Reaktion von McLaren-Teamchef Andrea Stella auf diese Angriffe könnt ihr hier nachlesen:

FIA-Gericht reagiert scharf auf Briatore-Vorwurf: "Von Ordnungsmäßigkeit überzeugt"

Das Berufungsgericht will die Vorwürfe von Briatore nicht auf sich sitzen lassen und reagierte am Samstag in einer schriftlichen Mitteilung, die auf der Webseite der FIA veröffentlicht wurde. In dieser betont das Gremium: "Das Gericht ist von der Ordnungsmäßigkeit des Verfahrens und der Integrität der Richter überzeugt."

"Die FIA-Gerichte möchten klarstellen, dass die Ernennung und die Mitwirkung der Richter in diesem Fall - wie in jedem anderen Fall auch - in Übereinstimmung mit den geltenden gerichtlichen Verfahren der FIA und der üblichen Praxis erfolgten, die sich an den höchsten Standards orientieren", heißt es in dem Schreiben.

Das ICA machte auf den Ernennungsprozess der Sportrichter aufmerksam. In diesem werden die Richter von der FIA-Hauptversammlung gewählt, treffen ihre Entscheidungen danach aber unabhängig vom Weltverband. "Einige von ihnen werden auf Vorschlag einer Gruppe von mindestens fünf F1-Teams gemäß den FIA-Statuten [gewählt]."

"Sie alle unterliegen den in den Rechts- und Disziplinarvorschriften der FIA festgelegten Anforderungen hinsichtlich Unabhängigkeit und Vertraulichkeit, legen dem Compliance-Beauftragten der FIA jährlich ihre Interessenbindungen offen und unterzeichnen bei jedem einzelnen Fall unter Berücksichtigung der jeweiligen Sachlage und der beteiligten Parteien eine spezifische Unbefangenheitserklärung, die den Parteien zugestellt wird", heißt es weiter.

Formel-1-Eklat nach FIA-Urteil: Briatore unterstellt Richter Befangenheit! Gasly-Podium futsch (09:53 Min.)

McLaren will nicht gegen Briatore vorgehen

Auch im Falle der Anhörung zu Monaco hatten alle involvierten Parteien – und damit auch Alpine – die Gelegenheit, sowohl vor als auch nach der Anhörung etwaige Vorbehalte gegen die Abläufe und die Zusammensetzung des Gerichts vorzubringen. "Keiner tat dies. Während der Verhandlung wurden keine Einwände gegen die Art und Weise erhoben, wie das Gericht den Zeugen befragte oder das Verfahren führte", erklärt das ICA.

Briatore war bei der Anhörung des internationalen Berufungsgerichts nicht anwesend gewesen. Stattdessen wurde Alpine neben einer Reihe von Anwälten unter anderem von Managing Director Steve Nielsen, Sportdirektor Richard Lockwood und Renndirektor Dave Greenwood vertreten. Ob die Aussagen ein rechtliches Nachspiel haben, ist aktuell noch unklar. Wenn, dann müsste dieses wohl von dem angesprochenen Berufungsrichter persönlich ausgehen. McLaren plant keine rechtlichen Schritte gegen Briatore einzuleiten.