Arvid Lindblad und Franco Colapinto begingen beim Formel-1-Rennen in Zandvoort die Kardinalsünde und überholten jeweils einen anderen Fahrer unter doppelt gelben Flaggen – kurioserweise den Teamkollegen des jeweils anderen. Das geschah hinter dem Unfall von Max Verstappen auf der ersten Runde.

So weit, so schlecht, denn Gelbverstöße zählen zu den schwerwiegenderen Vergehen im Motorsport. Es werden schließlich nicht zum Spaß Warnsignale ausgegeben, sondern nur aus einem sicherheitsrelevanten Grund. Dass sich Colapinto und Lindblad aber nach dem Rennen auch noch hinstellen und die Dreistigkeit besitzen, sich über das Ausmaß der Strafe zu beschweren, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Nein, nicht die Strafen haben euer Rennen zerstört, sondern eure eigene Rücksichtslosigkeit!

Vor allem, weil die Strafen gegen Colapinto und Lindblad anstelle der normalerweise vorgesehenen Stopp-and-Go aufgrund der feuchten Strecke und der Trümmerteile sogar noch aus mildernden Gründen auf eine einfache Durchfahrtsstrafe heruntergestuft wurde. Sehr gnädig von den Stewards, das hätten sie auch anders auslegen können. Beide standen bei ihren jeweiligen Überholmanövern schon wieder voll auf dem Gas, als sie an dem gecrashten Max Verstappen vorbeifuhren.

Hätte sich Wiederholungstäter Colapinto die schwarze Flagge verdient?

Da zählt dann auch das Argument nichts, dass es manchmal in Unfallsituationen sicherer ist, davonzufahren oder auszuweichen, anstatt mit einer abrupten Verlangsamung einen Auffahrunfall zu riskieren. In den Onboards sieht man eindeutig, dass beides bewusste Überholmanöver waren und keine Zufallsprodukte aufgrund von Ausweichmanövern der anderen Fahrer. Nein, da darf man sich über eine Durchfahrtsstrafe nicht beschweren.

Erst recht nicht, wenn man - wie ein Herr Colapinto - im selben Rennen an anderer Stelle auch noch eine gelbe Flagge ignoriert. So geschehen in der 54. Runde, als der Alpine-Pilot ohne langsamer zu machen am neben der Strecke geparkten Haas von Esteban Ocon vorbeifuhr. Das Resultat: eine zusätzliche 10-Sekunden-Strafe.

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Sind wir aber mal ehrlich: Bei so einer Wiederholungstat kann man auch gerne mal über schwarze Flaggen oder Rennsperren diskutieren, denn das ist grobe Fahrlässigkeit. Wenn ein Fahrer in der Rennsituation mehrfach in einem Rennen plötzlich die grundlegendsten Prinzipien der Flaggenkunde vermissen lässt, was befähigt ihn dann dazu, mit einer Superlizenz ausgestattet bei einem Formel-1-Rennen am Start zu sein? Genau solche Aktionen bergen das Potenzial für Tragödien.

Es scheint, im Eifer des Gefechts wird viel zu oft vergessen, dass hier Boliden mit bis zu 331 km/h um die Strecke fahren und wenn sie dann auf ein unbewegtes Objekt treffen würden (zum Beispiel ein gestrandetes Fahrzeug), dann können auch alle Sicherheitsfortschritte der letzten Jahrzehnte die enormen G-Kräfte nicht plötzlich wegzaubern.

Die Kritik gilt nicht nur Colapinto oder Lindblad. Sie waren nicht die einzigen, die sich in diesem Jahr so ein Vergehen zu Schulden kommen ließen, auch wenn der Argentinier nun schon bei drei Gelbverstößen steht. Liam Lawson tat es in Zandvoort ebenfalls in der Ocon-Gelbphase. Wir erinnern uns auch an Kimi Antonelli, der im Ungarn-Qualifying eine gelbe Flagge missachtet hatte. Oder an Isack Hadjar, der in Kanada bei doppelt Gelb nicht verlangsamt hatte. Damals gab es übrigens die dafür vorgesehene Stopp-and-Go, was Lindblads Vorwurf entkräftet, dass man an ihm und an Colapinto ein Exempel statuiert habe.