Eine enttäuschende McLaren-Vorstellung war es in Silverstone, aber Lando Norris ist zumindest überzeugt, dass es vor Heimpublikum im Sprint-Qualifying besser laufen hätte können. Ein früher Schaden reißt ihn aus dem Rhythmus und sorgt beinahe für ein SQ2-Aus. Nur reicht der wohl nicht als Ausrede für den riesigen Rückstand auf die absolute Spitze der Formel 1.

In SQ1 hatte sich Norris wohl mit dem harten Überfahren von Kerbs in Copse auf seinem ersten Versuch und dann in Stowe im zweiten erst einmal ein ziemliches Problem eingefahren. Die Vibrationen rissen diverse Teile von seiner rechten Vorderbremskühlung ab. Diese sind nicht nur zur Kühlung da, sondern auch sehr wichtige aerodynamische Elemente, die den Luftfluss um den Vorderreifen kontrollieren.

Schaden knockt Lando Norris in SQ2 fast aus

Ein Schaden hier hat also Folgen für alle Aero-Oberflächen dahinter. Erst schien McLaren keinen Reparaturversuch zu unternehmen, doch das stellte sich schnell als brandgefährlich heraus. In SQ2 haderte Norris massiv: "Es war um einiges mehr als ich dachte." Auf P10 wurde er beinahe ausgeknockt, nur 81 Tausendstel trennten ihn vom elftplatzierten Pierre Gasly.

Vor SQ3 wusste McLaren also, dass man das reparieren musste, wenn man nicht einen Startplatz vom Ende der Top-10 mit Norris einfahren wollte. Das war zeitlich in dieser kurzen Pause nicht leicht, Fahrer und Team loben diese Mechaniker-Leistung entsprechend. "Die Jungs haben einen tollen Job gemacht, das Auto war komplett verwandelt und viel besser", verrät Norris. "Davor hat es sich für den größten Teil ziemlich schockierend angefühlt."

Nur war das leider etwas spät, um in den Rhythmus zu finden: "Als ich auf der letzten Runde das Gefühl dafür bekam, fand ich sofort, dass ich viel mehr pushen konnte. Bitter. Die Pace war immer noch da, so ungefähr." Immerhin wurde es P6 für Norris, und er schlug knapp Oscar Piastri, aber hätte er nur noch eine halbe Zehntel mit mehr Vertrauen rausholen können, so würde er den Sprint von P3 aus aufnehmen.

McLaren im Sprint-Qualifying in Silverstone klar unterlegen

Ob das aber eine große Hilfe gewesen wäre? Norris geht jetzt schon fest davon aus, dass es nichts geholfen hätte, vor Charles Leclerc oder George Russell loszufahren: "Vielleicht kämpfen wir gegen Red Bull, aber der Mercedes von George ist eindeutig viel schneller. Mit einem viel schnelleren Auto zu kämpfen schwierig sein."

Bei Oscar Piastri sind die Erwartungen für den Sprint ähnlich gedämpft, nachdem schon das Training nicht gerade berauschend gewesen war. Fundamental zeigte sich in Silverstone erneut deutlich, wie dringend der MCL40 ein Update für mehr Grip auf der Hinterachse braucht. Aus der Spitzengruppe rutschte vom Training weg niemand so schlimm wie Norris und Piastri in den Beschleunigungsphasen.

Bis zum Sprint-Qualifying wurde das nur unwesentlich besser, so Piastri: "Wir haben uns etwas verbessert, aber nicht so sehr, wie wir es nötig hätten, leider. Ich hatte das Gefühl, dass ich heute richtig gut drauf war, aber die Pace war einfach nicht da." Ein Kampf mit Max Verstappen am hinteren Ende der Top-5 scheint aktuell das erwartete Maximum für den Sprint.