George Russell verlor im Formel-1-Rennen in Katar gleich zu Beginn vier Positionen und steckte anschließend 55 Runden lang hinter Isack Hadjar fest. Der Mercedes-Pilot rettete am Ende noch Platz sechs ins Ziel, die Entscheidung um Rang zwei in der Konstrukteurswertung fällt dadurch aber erst beim F1-Saisonfinale in Abu Dhabi.
Nach 23 von 24 Saisonrennen hat Mercedes 459 Punkte eingefahren, 33 Zähler mehr als Red Bull Racing (426 Punkte). In Abu Dhabi sind noch 43 Punkte in der Konstrukteurswertung zu vergeben. Mit einem Doppelsieg kann Red Bull maximal auf 469 Punkte kommen, somit fehlen Mercedes noch elf Punkte zum sicheren Vizetitel. McLaren hat die Konstrukteurs-WM bereits seit Anfang Oktober beim 18. Saisonrennen in Singapur sicher. Vor dem Finale hat McLaren einen Vorsprung von 341 Punkten auf den WM-Zweiten.
Mercedes verpasste in Katar Entscheidung um Vize-Konstrukteurstitel
Mercedes reiste mit 40 Punkten Vorsprung auf Red Bull nach Katar. Um den Vizetitel in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft bereits nach Katar sicher in der Tasche zu haben, hätten die Silberpfeile im Wüstenstaat vier Punkte mehr als Red Bull einfahren müssen. Am Ende holte Mercedes jedoch sieben Punkte weniger als die Konkurrenz. Damit wird der Kampf um den Vize-Konstrukteurstitel, ebenso wie der Kampf um die Fahrer-WM, auf das Saisonfinale in Abu Dhabi vertagt.
Russell nimmt die Aufschiebung jedoch gelassen. Eine Red-Bull-Aufholjagd von 33 Punkten hält er für unrealistisch. "Ich denke, wir werden uns Platz zwei in Abu Dhabi sichern", so der Mercedes-Pilot. "Red Bull müsste schon gewinnen und auf Platz zwei oder drei fahren, um uns noch einzuholen." Doch Russell möchte den zweiten Gesamtrang nicht einfach nur einfahren, sondern die Saison standesgemäß beenden: Deshalb peilt er auf dem Yas Marina Circuit noch ein letztes Podium im Jahr 2025 an. Es wäre sein 10. und das 13. für das Team in dieser Saison.
Mercedes-Teamchef Toto Wolff schließt sich den Ambitionen seines Fahrers an. "P2 ist sehr wichtig für uns und das Ergebnis in Abu Dhabi nachhause zu fahren liegt jetzt in unserer Hand", sagte er nach dem Rennen in Katar. "Deshalb möchten wir die Saison auch mit einer guten Leistung abschließen."
Warum Toto Wolff und Helmut Marko nach dem Rennen in Katar aneinandergeraten sind, erfahrt ihr hier:
Es wäre der zweite Vize-Konstrukteurstitel für Mercedes seit dem Beginn der Ground-Effect-Ära im Jahr 2022. Nach dem letzten Konstrukteurstitel 2021 landete Mercedes in den darauffolgenden Jahren auf Platz zwei, drei und vier. 2025 wäre erstmals wieder ein Vize-Titel möglich. "Wenn du dir nur die Statistik ansiehst, würdest du denken, wir sind ein Team, dass jedes Jahr vorne um den Titel mitgekämpft hat", meinte Wolff. "Aber so ist es nicht. McLaren hat doppelt so viele Punkte wie wir und in den Jahren davor hat Max die Welt regiert." Der Teamchef bemängelte zwar die Konkurrenzfähigkeit seines Teams, nimmt Platz zwei jedoch mit Stolz an. Denn bereits zu Beginn des Wochenendes in Katar meinte er: "Wenn man nicht gewinnen kann, dann möchte man zumindest Zweiter werden."
Russell patzte am Start und legte Grundstein für restliches F1-Rennen
Das Rennen in Katar verlief für Mercedes jedoch nicht nach Wunsch. Die rechte Seite der Startaufstellung galt schon vor dem Wochenende als die schlechtere Ausgangsposition. Russell stand durch seine fünftbeste Zeit im Qualifying genau auf dieser Seite und spürte gleich am Start die Auswirkungen. "Die Innenseite der Strecke hat einfach viel weniger Grip als die linke Seite. Deshalb ist mir der Start auch nicht so gut gelungen - wie den meisten auf meiner Seite", erklärte der Mercedes-Pilot.
Durch seinen schlechten Start wurde er gleich in der ersten Kurve von seinem Teamkollegen Andrea Kimi Antonelli außen überholt. Danach hatte er mit dem Grip zu kämpfen und musste ein paar Mal wild gegenlenken, um seinen Boliden auf der Strecke zu halten, wodurch auch Carlos Sainz und Fernando Alonso am Briten vorbeigehen konnten. Unter dem Safety-Car in der siebten Runde büßte er seine Position beim Boxenstopp gegen Isack Hadjar ein.
Das Überholen erwies sich wie erwartet als ein schwieriges Unterfangen. Russell wurde obendrauf auch noch die Dirty-Air zum Verhängnis. Er fuhr fast das gesamte Rennen lang hinter Hadjar her und verlor dadurch eine Sekunde pro Rennrunde. "Ich bin 55 Runden hinterhergefahren und bin nicht einmal in seinen DRS-Bereich gekommen", klagte der Brite, der sich bereits am Anfang des Rennwochenendes in Katar über die schlechten Überholmöglichkeiten und den zu kurzen DRS-Bereich beschwerte.
"Als Hadjar dann den Reifenschaden erlitt und hinter mich zurückfiel, habe ich auf einmal eine Sekunde pro Runde gefunden. Wir waren das schnellste Auto auf der Strecke, ich war absolut schockiert", meinte er. Tatsächlich fuhr Russell nach dem Reifenschaden von Hadjar in Runde 55 schneller als zuvor.
Russell konnte mit Platz sechs noch Schadensbegrenzung betreiben. Das Safety-Car in Runde sieben löste einen Massen-Boxenstopp aus, nur die beiden McLaren-Piloten blieben auf der Strecke. Das Rennen wurde dadurch für Russell zu einer langweiligen Prozession. "Wir haben im Strategiemeeting beschlossen, wenn ein Safety-Car in Runde sieben kommt, dann nutzen wir die Chance. Genau das ist passiert", so Russell. "Das Rennen wurde dadurch leider echt langweilig und das ist schade." Daher appellierte er an die FIA, eine Lösung zu finden, um das Racing auf dem Lusail International Circuit zu verbessern.



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