Im Qualifying bei der Formel 1 von Katar präsentierte sich Carlos Sainz im Williams mit einem siebten Platz weiterhin stark, sorgte aber im dritten Qualifying-Segment für Unmut. Nämlich indem er Klebeband aus der Garage auf der Strecke ablädt. Das war sogar eine gefährliche Situation, urteilen die FIA-Stewards, und strafen Williams dafür ab.
Der Müll war auf den ersten Runden in Q3 überraschend auf der Strecke aufgetaucht. Erst war unklar, wo dieses lange stoffartige Band am Ausgang von Kurve 3 überhaupt hergekommen war. Folgende Replays enthüllten schnell, dass es von Sainz stammte. Wie das Team nach dem Qualifying bestätigte, war es einer der Klebestreifen vom Boden der Williams-Garage.
Diese Aufkleber sind teils einfach nur Markierungen der Auto-Position, teils auch überhaupt nur aus optischen Zwecken da, damit der Garagenboden gut aussieht. Im Williams-Fall wurde der betroffene Klebestreifen seit Mitte der Saison verwendet. Gelöst hatte er sich vor Katar noch nie. Hier aber riss Sainz ihn beim Rausfahren für den ersten Q3-Versuch ab und wickelte ihn sich unabsichtlich um den linken Hinterreifen.
Williams bezahlt Klebestreifen im Katar-Qualifying mit Geldstrafe
Mit dem quasi verpackten Reifen eierte Sainz drei Kurven lang herum, dann löste sich der Streifen und blieb auf der Strecke liegen. Glücklicherweise abseits der Ideallinie, und mit einer kurzen roten Flagge konnte er geborgen werden. Trotzdem - schon allein Sainz' Mühen, das Auto davor unter Kontrolle zu halten, erregten die Aufmerksamkeit der FIA-Stewards, die prompt das Team vorluden.
Die Box mit irgendeinem losen Equipment zu verlassen ist in der Formel 1 schließlich generell nicht gern gesehen. So kommt auch Williams in Katar nicht davon. 5.000 Euro kostet dem Team der Spaß. Letztendlich, so halten die Stewards fest, liegt es in der Verantwortung des Teams, dass alles in der Garage niet- und nagelfest ist und nicht einfach so auf die Strecke gezerrt werden kann.
Carlos Sainz bringt Williams auf verhasster Katar-Strecke in Form
Auf Sainz' siebten Platz hat das also keine Auswirkungen. Nachdem er zuvor schon im Sprint mit P8 einen Punkt geholt hatte, ist Sainz in Katar nach dem Qualifying äußerst guter Laune, denn eigentlich mag der Williams diese schnellen und mittelschnellen ewig langen Kurven nicht: "Seit dem schlechten Wochenende in solchen Kurven in Budapest habe ich das Team angespornt, dass wir das Jahr als Lernjahr hernehmen und in Katar was ausprobieren."
"Ich hatte im Simulator ein paar Ideen erarbeitet, das Team hatte noch ein paar", verrät Sainz. Zusammen erarbeitete man ein neues Basis-Setup für diesen Streckentypus, und das schlug am Freitag sofort voll ein: "Von Anfang an hat es gut funktioniert. So haben wir einiges verstanden, einiges gelernt, und Selbstvertrauen getankt. Für uns als Team ist es wichtig, dass solche Tests klappen."
"Ich meinte, ich war am Limit des Autos", meint Sainz schließlich zu seiner 1:20,287. Obwohl auf seinem ersten Q3-Versuch nicht nur der Boxen-Aufkleber Probleme machte. Als der sich vom Reifen befreite, riss er nämlich die Verkleidung des Seitenkastens auf. Während der roten Flagge mussten die Mechaniker das behelfsmäßig kleben: "Ich weiß nicht, ob ich danach noch einen Schaden hatte, aber nach diesen Schreckmomenten die 1:20,2 zu fahren und P7 zu kriegen - das nehme ich."
Carlos Sainz in Katar Einzelkämpfer - auch gegen Alex Albon wird ermittelt
Sainz peilt im Rennen dementsprechend einen Kampf mit dem direkt vor ihm startenden Isack Hadjar um den sechsten Platz, sprich den Titel des besten Mittelfeld-Piloten, an: "In der Theorie starte ich von der sauberen Seite, das sollte mir einen guten Start geben, und dann können wir hoffentlich uns Isack holen und die Mittelfeld-Spitze übernehmen. Aber dann sind immer noch zwei Stopps zu machen."
In Katar sind wegen Reifen-Sorgen schließlich für alle Fahrer maximal 25 Runden pro Stint erlaubt. Strategisch ist Sainz auf sich gestellt, Teamkollege Alex Albon landete auf einem mageren 14. Startplatz. Das ganze Wochenende schon hadert er damit, Sainz' Performance in den Highspeed-Kurven zu kopieren. Auf seinem letzten Q2-Versuch bekam er dann auch die Reifen nicht ins Arbeitsfenster.
Immerhin sorgte er für keine weitere Strafe. Gegen ihn war schon zu Beginn des Qualifyings ermittelt worden, weil er beim Rausfahren aus der Garage sich vor Esteban Ocon in die Boxengasse gedrängelt hatte. Dafür wurden er und das Team aber freigesprochen. Ausrede: Ocon habe schneller aus seiner Garage herausbeschleunigt als erwartet.



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