Aufmerksame Zuschauer werden bei der Übertragung des ersten Freien Trainings der Formel 1 in Mexiko etwas Seltsames bemerkt haben: Die Königsklasse des Motorsports hatte mit Technik-Problemen zu kämpfen – allerdings nicht an den Motoren oder Getrieben der F1-Boliden. Die Onboard-Aufnahmen, GPS-Signale und viele weitere wichtige Daten waren weder für den Live-Broadcast noch für die Teams verfügbar.

Laut Informationen von Motorsport-Magazin.com ist das gesamte elektronische System der Formel 1 betroffen. Der Grund dafür ist ein Kabel-Problem in den USA. Die TV-Übertragung war nur durch den Notfallmodus möglich, alle anderen Aufnahmen und technischen Daten waren unzugänglich. Daher konnten die Zuschauer beispielsweise bei der Zeitentabelle nicht sehen, mit welchen Reifenmischungen die Fahrer ihre Zeiten aufstellten. Auch im Media-Center schauten die Journalisten auf schwarze Bildschirme. Das Überwachungssystem in der Rennleitung funktionierte aber.

Gerade bei einem Freien Training mit neun Rookie-Einsätzen ist ein Daten-Blindflug ein Desaster für die Teams. "Die Onboard-Aufnahmen sind eines unserer wichtigsten Werkzeuge. Wir geben unseren Fahrern konstant Feedback. Dass diese Systeme dann nicht funktionieren, beeinträchtigt das Team, vor allem junge Fahrer wie Ryo [Hirakawa, Anm. d. Red.], die das Auto hier zum ersten Mal fahren", schilderte Haas-Teamchef Ayao Komatsu.

Formel 1 Media Center in Mexiko hat kein Bild
MSM-Redakteur Christian erging es im Media-Center gleich wie den F1-Teams, Foto: Motorsport-Magazin.com

F1-Teams tappen ohne Onboards im Dunklen

Auf dem Autodrómo Hermanos Rodríguez müssen die F1-Fahrer oft über den Kerb räubern. Die Linienwahl an solchen Stellen mit der Konkurrenz zu vergleichen, ist sehr wichtig, so Komatsu. Doch ohne Onboard-Aufnahmen tappten die Teams und Fahrer im Dunkeln. "Es ist sehr schwer, keine Onboard-Aufnahmen zu haben. So bekomme ich ein Gefühl, wie das Auto performt und wie die Fahrer mit der Strecke klarkommen", pflichtete Sauber-Teamchef Jonathan Wheatley seinem Kollegen bei.

Dazu kommt, dass der 4,304 Kilometer lange Autodrómo mit Highspeed-Passagen und langsamen Sektionen bei regem Betrieb schwer zu manövrieren ist. Aber trotz der vielen unerfahrenen Piloten und des Verkehrs gab es keine Zusammenstöße und es wurde auch niemand aufgehalten. Ferrari-Boss Fred Vasseur sieht die Situation deshalb gelassener: "Vor 20 Jahren haben wir den Verkehr auch ohne GPS gemanagt. Es ist gut gegangen." Glücklicherweise waren die Probleme bis zum zweiten Freien Training gelöst.

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