"Brüderlein fein, Brüderlein fein - sag mir nur, was fällt dir ein?", dichtete Ferdinand Raimund im Jahre 1826 für ein Lied in seinem Volksstück "Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär". Anstatt der Feenwelt tummeln sich die Gebrüder Schumacher 180 Jahre später in der Formel 1-Welt umher, zum Bauer fühlt sich dem Vernehmen nach weder Michael noch Ralf berufen - als Millionär jedoch dürfen sich beide getrost bezeichnen. Sie stammen aus einfachen Verhältnissen, das Renntalent in ihrem Blut hat sie zu reichen und viel beachteten Männern gemacht.
Der große Unterschied: Während der eine zur Messlatte für zumindest eine Generation an Rennfahrern wurde und sich mit sieben WM-Siegen zum erfolgreichsten Formel 1-Piloten aller Zeiten kürte, hat der andere seine erste WM-Krone noch immer als Ziel vor Augen. Während der eine für manche am Zenit und bald auch am Ende seiner Ausnahmekarriere angelangt ist, steht der andere seinen Träumen zufolge erst am Beginn einer neuen, siegreichen Ära.
Ralf Schumacher hat am Wochenende bei der Präsentation seines Arbeitsgerätes TF106 erklärt, dass er in der kommenden Saison den ersten Sieg für seinen Arbeitgeber Toyota erobern möchte. Michael Schumacher hat in der letzten Zeit mehrmals erklärt, dass er nur dann über das Jahr 2006 hinaus weiterfahren wolle, wenn sein Arbeitgeber Ferrari auch wieder einen Kampf um die WM-Krone sicherstellen könne.

Dafür kann Ralf kein Verständnis aufbringen - gegenüber Bild erklärte der Weltmeisterbruder: "Ich kann nicht verstehen, warum Michael vor Saisonbeginn davon redet, dass er aufhört, wenn das Team nicht in der Lage ist zu gewinnen." Die Aussagen des Siebenfachweltmeisters haben auch einige Formel 1-Fans verwundert - denn das gesamte vorige Jahr über hat sich Michael Schumacher stets loyal gegenüber Ferrari und Bridgestone verhalten. Er betonte bei jedem nur denkbaren Anlass, man müsse gerade in schwierigen Zeiten zusammenhalten.
Dass Michael Schumacher ausgerechnet am Beginn des Jahres, noch vor dem ersten Saisonrennen, die Rute des Rücktritts in das Ferrari-Fenster stellte respektive sein Manager Willi Weber sogar öffentlich einen Wechsel zu Toyota ins Spiel brachte, sahen viele als psychologisch unklug oder auch als das Gegenteil einer Motivationsspritze an. Ralf Schumacher erklärte dazu: "Das sollte man einfach nicht tun, wenn man so viele Titel mit einem Team gewonnen hat."
Apropos nicht tun: Ralf Schumacher wiederum erklärte des Öfteren, dass er die Äußerungen seines Bruders nicht öffentlich kommentieren wolle. Weil er es trotzdem tat, beschwört die Bild-Zeitung wieder einmal einen aufkeimenden Bruderkrieg. Der Hang zum Blutrünstigen hat die letzten 180 Jahre überlebt, wenngleich die Gebrüder Schumacher ihre angeblichen "Kämpfe" glücklicherweise nur mit Worten, im Medienwald austragen.

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