Singapur zählt seit dem ersten Rennen 2008 zu einem der Highlights in der Formel 1. Allerdings musste die spektakuläre Kulisse oftmals vom wenig aufregenden Treiben auf der Strecke ablenken. Strategische Kniffe - von Crashgate einmal abgesehen - oder gar Überholmanöver gibt es auf dem engen Straßenkurs praktisch nicht. Das könnte sich 2025 erstmals ändern.
Apropos Crashgate: Der Fall wird nun vor Gericht verhandelt. Kläger: Felipe Massa. Alle Infos dazu gibt's hier:
Denn neben der Überhol-Problematik und der entsprechenden Bedeutung der Track-Position sorgte noch ein anderer Faktor dafür, dass es kaum strategische Varianz gab: der extrem große Zeitverlust in der Boxengasse.
Durch die Anordnung der Boxenanlage und das niedrige Tempolimit von nur 60 km/h verlor man beim Reifenwechsel exorbitant viel Zeit. Doch das ändert sich nun: Weil die Boxengasse einen Meter verbreitert wurde, traut sich die FIA in dieser Saison, das Tempolimit auf 80 km/h anzuheben.
Boxenstopp kostet in Singapur 22 statt 28 Sekunden
Was sich nach einer kleinen Änderung anhört, könnte aber durchaus große Auswirkungen haben. Die Durchfahrtszeit reduziert sich dadurch um rund sechs Sekunden. Statt 28 Sekunden verlieren die Piloten so "nur" noch 22 Sekunden beim Reifenwechsel.
In Pirellis Analysen führt das dazu, dass eine Zwei-Stopp-Strategie nun um ein bis zwei Sekunden schneller ist - in der Theorie. Denn die Pirelli-Simulationen berechnen den Verkehr nicht ein. Diesen Part hat diesmal die Formel 1 übernommen. Hier dreht sich das Bild um: Mit historischen Daten gefüttert, ergibt sich so eine um etwa zwei Sekunden längere Rennzeit.
Wer zweimal stoppt, läuft aber Gefahr, hinter einem Konkurrenten oder in einem DRS-Zug komplett festzuhängen. Das Risiko ist groß. Deshalb ist es weiterhin unwahrscheinlich, dass jemand mit zwei Stopps plant. "Aber wenn es ein VSC gibt oder das Auto dahinter mehr als 21 Sekunden Rückstand hat, dann könnte man an die Box kommen und etwas anderes versuchen", meint Pirellis Simone Berra.
Neues Singapur-Layout gut für Strategie
Seit 2023 ist Überholen auch nicht mehr ganz so schwer in Singapur wie im anderen Stadtstaat im Kalender - Monaco. Wegen Bauarbeiten musste das Layout des Marina Bay Street Circuits geändert werden, aus vier Kurven wurde eine lange Gerade und der beste Überhol-Spot der Strecke.
Gleich der erste GP auf dem neuen Layout wurde zum Spektakel, weil George Russell auf Rang drei eine späte VSC-Phase für einen Reifenwechsel nutzte. Russell hätte das Rennen womöglich gewonnen, hätte sich Lando Norris vor ihm nicht durch das DRS des führenden Carlos Sainz verteidigen können.
Nur noch Monaco mit Tempo 60 in der Boxengasse
Singapur ist in der Saison 2025 schon das zweite Rennen, bei dem die Formel 1 das Tempolimit in der Boxengasse anhebt, um das Rennen strategisch attraktiver zu machen. In Zandvoort konnte man in dieser Saison von 60 auf 80 km/h gehen, weil sich die Umbauarbeiten an der Boxengasse im Vorjahr bewährt hatten. Durch Safety-Car-Phasen wurde das Rennen strategisch aber verfälscht.
Nun liegt das Tempolimit nur noch in Monaco bei 60 km/h. Dort sind Umbauarbeiten an der Boxengasse aber schwierig. Eine Anhebung auf 80 km/h ist deshalb äußerst unwahrscheinlich. Freiwillig würde aber auch dann wohl kaum jemand einen zweiten Stopp einlegen, denn im Fürstentum herrscht praktisch Überholverbot. Deshalb experimentierte man dort in diesem Jahr mit zwei Pflicht-Boxenstopps. Das hat nicht jedem gefallen, wie ihr im Video sehen könnt:



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