Ferrari erlebte in der vergangenen Formel-1-Saison in Las Vegas das wohl stärkste Wochenende des Jahres. Die Scuderia hatte ganz ohne Schützenhilfe das Rennen im Griff, den Sieg verlor Charles Leclerc nur durch ein unglückliches Safety Car an Max Verstappen. Verständlich also, dass die Roten in einer Phase, in der sie auch auf anderen Strecken nicht nur um Rennsiege mitkämpfen, sondern (wie zum Beispiel in Austin) auch im Alleingang dominieren können, quasi automatisch die Favoritenrolle für Las Vegas zugespielt bekommen. Vor allem, da ihnen Strecken mit kurzen Kurven besonders liegen.

Doch Carlos Sainz warnt vor dieser simplen Schlussfolgerung. Dabei verweist er auf eine Stärke des Ferraris, die in der Vergangenheit eine Schwachstelle war: Das Reifenmanagement. Denn durch einen verringerten Reifenverschleiß dauert es häufig länger, ehe man die Pneus ins Temperaturfenster bekommt. Ein Problem, das bei Ferrari bekannt ist, und das in Las Vegas besonders zum Tragen kommen könnte.

Carlos Sainz: Strecke liegt Ferrari, aber was machen die Reifen?

Carlos Sainz analysiert: “Wenn man sich das Layout ansieht, dann sollte Ferrari konkurrenzfähig sein oder zumindest vorne dabei. Aber es ist bekannt, wie wir in diesem Jahr Probleme damit haben, die Reifen auf Temperatur zu bekommen, dann definitiv nicht.“ In der Wüstenstadt in Nevada kann es in den Abendstunden, in denen die Sessions über die Bühne gehen, ziemlich kalt werden. Für das Qualifying, das um 22 Uhr Ortszeit beginnt, werden beispielsweise elf Grad vorhergesagt.

“Diese zwei Faktoren widersprechen sich gegenseitig. Wir werden sehen, welcher an diesem Wochenende mehr ausmacht“, gibt sich der Spanier vorsichtig. Sein Teamkollege Charles Leclerc, dem im Vorjahr nur durch Pech der Sieg entglitt, sieht es ähnlich: „Wir befinden uns in einer guten Phase für das Team, aber das bedeutet nicht, dass wir auch hier die Besten sind, auch wenn wir im letzten Jahr hier sehr gut waren. Ich bevorzuge es, FP1 und FP2 abzuwarten.“

Ferrari hofft auf Formel-1-Titel: Ist ohne Vegas-Sieg das Rennen gelaufen?

Auch Leclerc macht das Hauptproblem für den SF-24 bei den geringen Temperaturen und der damit verbundenen Reifenaufwärm-Thematik aus. Dabei ist Las Vegas ein Wochenende, an dem das italienische Team McLaren auf Distanz halten müsste, um sich in der Konstrukteurs-WM in der Formel 1 2024 noch ernsthafte Titelchancen ausrechnen zu können.

Denn Ferrari liegt 36 Punkte zurück und vor allem in Katar spricht die Streckencharakteristik mit ihren vielen schnellen Kurven für McLaren. In Abu Dhabi ist die Favoritenrolle schwerer zuzuordnen, Sainz sieht aber auch dort die Papaya-Orangen vorne. „Wir haben noch zwei Strecken im Kalender, die McLaren besser liegen als Ferrari“, ist er überzeugt. Ohne Ausrutscher der Konkurrenz aus Woking sieht er aber schwarz. „Ich denke, wir befinden uns in Reichweite, aber wir müssen darauf bauen, dass McLaren einige Fehler macht.“

Im Gegensatz zur Team-Meisterschaft ist die Fahrer-WM in der Formel 1 2024 schon so gut wie entschieden. Lando Norris hisste in Las Vegas bereits metaphorisch die weiße Fahne.