Zum zweiten Mal in Folge geraten Lando Norris und Max Verstappen auf der Rennstrecke in einem kontroversen Duell aneinander. Bei der Formel 1 in Mexiko ist es Norris, der zuletzt lacht, während Verstappen für zwei in den Augen der FIA-Stewards grenzüberschreitende Manöver gleich zwei 10-Sekunden-Strafen aufgedrückt bekommt. Für Norris ist die ganze Angelegenheit eine Enttäuschung.
"In den ersten paar Runden ging es nur darum, im Rennen zu bleiben und Unfälle zu vermeiden", so Norris, dem es inzwischen reicht mit der Art und Weise, wie Verstappen auf der Rennstrecke seine Zweikämpfe ausficht. "Ich wäre sonst heute nicht auf dem Podium. Zum Glück weiß ich so ungefähr, was mich erwartet."
Verstappen vs. Norris in Mexiko: Verzweiflungstat?
Was ihn erwartete, waren in Runde 10 zwei verzweifelte Versuche von Verstappen, den McLaren notfalls mit Gewalt an einem Überholmanöver zu hindern. Gleich nach dem Restart infolge eines frühen Safety Cars hatte sich abgezeichnet, dass der Red Bull mit dem Sieg in Mexiko nichts zu tun haben würde. Verstappen verlor prompt die Führung, und nach drei Runden attackierte Norris außen in Kurve 4.
"Es ist klar, dass es für ihn nicht zählt, ob er Erster oder Zweiter wird", stellt Norris nach dem Rennen fest. "Sein einziger Job ist es, mich im Rennen zu schlagen. Und er wird sich selbst dafür opfern, um das zu schaffen, so wie er es heute getan hat."
Anders als vor einer Woche in Austin gab es hier keine Debatte um die Racing-Richtlinien: Norris war am Scheitelpunkt vor Verstappen und erfüllte alle Kriterien, damit ihm am Ausgang der Kurve eine Fahrzeugbreite Platz zustand. Verstappen setzte sich darüber hinweg und drückte den McLaren von der Strecke. Der kürzte die Kurve ab, woraufhin Verstappen mit der Brechstange in Kurve 8 innen reinhielt, um die Position zurückzugewinnen. Dabei rutschte er raus und zwang Norris erneut in ein Ausweichmanöver.
Norris hat genug von Verstappen: In Mexiko Grenzen überschritten
Aufseiten McLarens hat man keine Zweifel, dass die zwei Strafen dafür gerechtfertigt sind. "Lando war etwas überrascht", urteilt Teamchef Andrea Stella über den zweiten Zwischenfall, "aber das ist fair, weil du da das Auto nicht auf der Strecke halten kannst, wenn du innen mit dem Tempo reinstichst." Die Daten zeigen, dass Verstappen relativ zu den Vorrunden gut 15 Meter später verlangsamte und mit 12 Km/h mehr in der Kurve ankam.
"Der Typ ist gefährlich", lautete Norris' Meinung am Funk während dem Rennen. Unter dem Strich musste er Verstappen zweimal ausweichen. Daher blieb er nicht nur hinter dem Red Bull, sondern verlor obendrauf eine Position an den Ferrari von Charles Leclerc. "Das war noch eine Stufe über Austin", urteilt Norris nach dem Rennen. "Ich denke nicht, dass für Austin irgendeiner eine Strafe hätte bekommen sollen. Hier ist es aber viel klarer."
Eben weil Norris in seinen Augen gleich zwei Unfälle hatte vermeiden müssen. "Ich respektiere Max als Rennfahrer sehr, was er macht, und ich freue mich darauf, gute Duelle mit ihm zu kämpfen, das liebe ich am Rennfahren", so Norris, der sich in Mexiko sichtlich bemüht, seinen Freund Verstappen nicht zu hart abzukanzeln. "Aber Dinge wie heute, die gehen ein bisschen zu weit. Wir hätten beide ausfallen können. So solltest du kein Rennen fahren."
"Nicht gerade sauberes Fahren in meinen Augen", lautet das Norris-Fazit. "Vielleicht stimmen manche mir da nicht zu, aber heute ging er einen Schritt zu weit. Hoffentlich weiß Max das. Dann können wir das abhaken, und weitere saubere und faire Duelle haben. Auf die freue ich mich."
Verstappen-Manöver kosten Norris potenziellen Mexiko-Sieg
Insbesondere frustriert die Angelegenheit Norris auch aufgrund des weiteren Rennverlaufs. Bis zu Verstappens Boxenstopp, bei dem der seine Strafe absaß und damit aus dem Kampf ums Podium fiel, war der McLaren permanent dicht hinter dem Red Bull. Ohne dass Norris im Wissen der 20 Strafsekunden eine weitere Attacke riskierte.
"Aber ich habe viel Zeit verloren, vor dem Stopp war die Lücke zu Carlos gut 15 Sekunden", ärgert sich Norris. "Am Ende konnte ich sie auf 4 verkleinern." Der McLaren wachte in der Schlussphase auf harten Reifen auf. Norris übernahm die zweite Position nach einem Fehler von Leclerc und konnte Sainz schon sehen, als in Runde 71 abgewunken wurde: "Ich habe zu viel zu Beginn verloren. Aber Rennen ist Rennen."
"Rückblickend betrachtet ist nach den Zwischenfällen ein bisschen Enttäuschung da", unterstreicht Stella. "Ohne die paar Zwischenfälle hätte Lando heute denke ich um den Sieg kämpfen können." So wurde Norris Zweiter, und verkürzte seinen Rückstand auf Verstappen in der Fahrer-WM auf 47 Punkte.



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