Vor dem dritten Qualifying-Abschnitt bei der Formel 1 in Mexiko sah alles danach aus, als wäre Lando Norris auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez auf Pole Position gebucht. Der McLaren-Pilot war mit einer Leichtigkeit durch Q1 und Q2 marschiert, von der der Rest des Feldes nur träumen konnte. In beiden Qualifying-Segmenten konnte er als einziger Fahrer auf ein finales Outing verzichten, Rang 1 war ihm trotzdem nicht zu nehmen.

Doch anstelle der Pole Position steht Norris nach dem Ende von Q3 nicht einmal in der ersten Startreihe. Am Sonntag geht der Brite nur von Platz 3 ins Rennen. Eine verpasste Chance? Nicht unbedingt, findet der WM-Zweite: "Ich bin relativ glücklich, dass ich noch auf P3 gelandet bin. Zwischenzeitlich sah es nach einem besseren Ergebnis aus, aber ich denke wir sind dort gelandet, wo wir landen sollten."

Wollte Norris zu viel? McLaren-Teamchef: Er hat das Auto überfahren

"Ich habe sehr schnell das Limit gefunden, worüber ich sehr glücklich war. Aber ich konnte von dort dann einfach keine Fortschritte mehr machen", analysierte Norris. "Ich habe schon in Q1 und Q2 alles aus dem Auto rausgeholt. Dadurch hat es ausgesehen, als seien wir diejenigen, die es zu schlagen gilt. Aber eigentlich war seit FP1 das Team, das es zu schlagen galt, Ferrari", behauptete er. "Ich befand mich am Limit, ich hätte nicht schneller fahren können."

McLaren-Teamchef Andrea Stella widersprach seinem Fahrer allerdings. Der Italiener machte die Schuld für die verpasste Pole mindestens teilweise auch an ihm fest: "Er überfuhr das Auto wahrscheinlich ein bisschen oder die Bedingungen haben sich ein kleines bisschen geändert und dann kann sich die Rundenzeit schnell von einem wegbewegen."

"Ich denke, das ist es, was uns mit ihm passiert ist. Man hat ein bisschen Übersteuern und dann verliert man sehr schnell Grip, vor allem an den Hinterreifen", so Stella. Während sich Sainz im Vergleich zu Q2 um fast sechs Zehntelsekunden steigern konnte und auch Verstappen nochmal dreieinhalb Zehntel fand, ging es für Norris nur um wenigste Hundertstel voran.

Lando Norris: Auto war in Q3 schwierig zu fahren

Der Wurm war bei ihm schon im ersten Run drin, wo der 24-Jährige einen Fehler beging. Stella vermutet, dass während der roten Flagge, die nach dem Unfall von Yuki Tsunoda Q2 beendete und für eine Startverschiebung von Q3 sorgte, die Bedingungen einen leichten Umschwung eingelegt hatten. Dem stimmt auch Norris zu, der im entscheidenden Qualifying-Abschnitt plötzlich Schwierigkeiten hatte: "Das Auto war in Q3 zu schwierig zu fahren und vor allem zu schwierig, um drei Zehntel gegen Carlos rauszuholen" ist er überzeugt.

McLaren-Fahrer Lando Norris
Lando Norris gab im Mexiko-Qualifying lange den Ton an, in Q3 allerdings nicht mehr, Foto: LAT Images

"Ich war am Limit. In beinahe jeder Kurve stand ich knapp davor, die Reifen zu blockieren und Fehler zu machen", führte er aus. Wenn man Stella Glauben schenken mag, dann war das, was Norris als Limit ausmachte, vielleicht ja manchmal etwas über dem eigentlichen Maximum des Autos.

Konkret verlor Norris vor allem in den Bremsphasen nach den langen Geraden Boden auf die Konkurrenz. In Kurve 1 und Kurve 4 wurde das besonders deutlich. Bereits in Austin verursachten diese Stellen dem MCL38 etwas Probleme. "Das Auto kann dann ein bisschen inkonstant werden", sagte Stella.

Mit Blick auf das Rennen tröstet sich der Teamboss aber mit der Start-Statistik über die verpasste Qualifying-Chance von Norris hinweg. Denn die erste Startposition ist auf der 4,3-Kilometer langen Strecke alles andere als eine Sieg-Garantie. Der Weg bis zu Kurve 1 ist mit 811 Metern äußerst lang. Aus der zweiten Reihe winkt also etwas Windschatten-Unterstützung.

"Auf dieser Strecke ist es wichtig, in den ersten beiden Reihen zu stehen. Aber es ist nicht unbedingt eine Strecke, auf der die Pole Position die beste Ausgangsposition ist, um in die erste Kurve zu gehen", schlussfolgerte Stella. So hat Norris die beste Ausgangslage für den Mexiko-GP. Kann er diese auch nutzen?