Es war ein kleiner Nebensatz in einer Presseaussendung der FIA, die vor dem US GP in Austin ohnehin nicht besonders spannend für die Formel-1-Welt erschien. Doch der Nebensatz überraschte selbst im Formel-1-Fahrerlager viele: Der Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde ist ab 2025 Geschichte. Das beschloss der Motorsportweltrat am Donnerstag.
Bei den Fahrern kommt die Änderung größtenteils gut an. "Ich fand den Punkt für die schnellste Runde immer etwas sinnlos, weil meist der Fahrer den Punkt holte, der ein schwieriges Rennen hatte, in die Top Ten fuhr und neue Reifen aufzog", meint Mercedes-Pilot George Russell. "Ich habe den Vorteil darin nie wirklich gesehen, deshalb bin ich irgendwie froh, dass es weg ist.
Ferrari-Kollege Charles Leclerc schlägt in dieselbe Kerbe: "Ehrlich gesagt fand ich diesen Punkt immer sehr oberflächlich, weil er stark von der Rennsituation abhing und nicht wirklich eine besondere Fähigkeit belohnte. Es ging mehr darum, sich in einer glücklichen Position zu befinden, in der man einen Boxenstopp einlegen und die schnellste Runde fahren konnte. Deshalb finde ich es gut, dass es abgeschafft wird."
3 Szenarien für die schnellste Rennrunde
Das Problem: Seit Nachtanken in der Formel 1 verboten ist, gibt es quasi nur noch am Rennende die Möglichkeit, die schnellste Rennrunde zu fahren, wenn die Tanks leer und die Autos leicht sind. Dann gibt es in der Regel drei Szenarien.
Szenario 1: Der Führende ist überlegen und holt sich die schnellste Rennrunde ohnehin, oder aber er hat einen solch großen Vorsprung auf Platz zwei, dass er einen kostenlosen Boxenstopp einlegen kann, um frische Reifen aufzuziehen.
Szenario 2: Die Lücke zwischen Top-Teams und Mittelfeld ist so groß, dass der Pilot am hinteren Ende des ersten Feldes einen kostenlosen Stopp einlegen kann. Dann wird der Fahrer eines Top-Teams für ein eher schlechtes Rennen mit dem Punkt belohnt.
Szenario 3: Aus irgendeinem Grund stoppt ein Fahrer außerhalb der Top-10 gegen Rennende und schnappt sich so die schnellste Runde. Er bekommt den Extra-Punkt nicht, nimmt ihm aber einem anderen Piloten weg, der ihn möglicherweise verdient hätte.
Carlos Sainz sieht es genauso: "Im Moment geht dieser Punkt an denjenigen, der eine Runde vor Ende des Rennens einen freien Boxenstopp hat. Es geht also nicht darum, wer der Schnellste im Rennen ist und dafür einen Punkt verdient, sondern es ist ein Punkt, der an denjenigen geht, der durch Zufall oder Glück oder durch die Rennsituation zu einem bestimmten Zeitpunkt des Rennens einen freien Boxenstopp hat. Es ist nicht immer so, aber meistens."
Nur Perez trauert Extra-Punkt hinterher
Sergio Perez trauert als einer von nur wenigen Piloten dem Extra-Punkt hinterher - wohl auch, weil er oftmals davon profitierte. Acht schnellste Rennrunden fuhr der Mexikaner seit Einführung der Regel im Jahr 2019, sieben Mal bekam er dafür den Extra-Punkt. Kein einziges Mal konnte er dabei das Rennen gewinnen, meistens fuhr er als letzter Pilot vor dem Mittelfeld.
"Ich denke, es hat viel gebracht. Vor allem, wenn es in der Meisterschaft zwischen Teams und Fahrern ziemlich eng zugeht, kann das einen Unterschied ausmachen. Es geht um 24 Punkte pro Saison. Ich weiß nicht, warum es sich geändert hat. Ich fand es ziemlich gut", so Perez. Die Boxenstopps am Rennende stören ihn nicht: "Wenn man es am Ende des Rennens versucht, lastet ziemlich viel Druck auf den Mechanikern, dass der Stopp funktioniert und dass man die Runde hinbekommt."
Interessant: Das Szenario, das sich in Singapur abspielte, als Daniel Ricciardo bei seinem letzten Formel-1-Rennen am Ende die schnellste Rennrunde nach einem späten Boxenstopp fuhr und damit WM-Aspirant Lando Norris den Extra-Punkt zerstörte, spielte in den Köpfen der Fahrer keine große Rolle. Auch Norris selbst zeigte sich versöhnlich: "Wenn es sich wiederholen würde, wenn es dieses oder nächstes Wochenende wieder passieren würde, dann würden wir es wohl etwas mehr hinterfragen. Aber unter diesen Umständen weiß ich nicht."
Der Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde war erst 2019 wieder eingeführt worden, nachdem es den Extra-Punkt schon in den 1950er Jahren gegeben hatte. Seit 2007 gibt es außerdem noch den DHL Fastest Lap Award. Der Fahrer, der in einer Saison die meisten schnellsten Rennrunden fährt, erhält seither einen speziellen Pokal.
Was am Donnerstag in Austin noch so los war, erzählt euch Christian im VLOG direkt aus dem Fahrerlager:



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