Hinter den Kulissen rumort es bei Alpine in Barcelona womöglich so sehr wie bislang noch nie in dieser ohnehin turbulenten Saison. Doch all dem Trubel um Gerüchte über ein Ende als Renault-Werksteam und die nicht unumstrittene Verpflichtung von Flavio Briatore als Berater zum Trotz, lieferte Alpine am Samstag in Spanien das bislang beste Qualifying der Formel-1-Saison 2024 ab.

Zum ersten Mal in diesem Jahr zogen beide Boliden des französischen Teams in den letzten Abschnitt des Qualifyings ein. In diesem konnten sich Pierre Gasly und Esteban Ocon schließlich die Plätze sieben und neun sichern - wobei Gasly sogar Sergio Perez im Red Bull hinter sich ließ.

Gasly und Ocon von Alpine-Performance überrascht

Und sogar eine noch deutlich bessere Position war nicht allzu weit außer Reichweite. Von Lewis Hamilton auf dem dritten Platz trennten Gasly nur 0,156 Sekunden. "Es sind so kleine Abstände, aber es ist sehr motivierend für das Team", grämte sich Gasly nach dem Ende der Qualifikation aber nicht über eine womöglich verpasste, noch bessere Startposition.

"Es war unser bestes Qualifying des Jahres auf einer Strecke, wo wir definitiv nicht erwartet hatten, konkurrenzfähig zu sein", freute sich der Franzose stattdessen. Teamkollege Ocon stimmte mit ein: "Es ist ein super-positives Resultat, in Q3 zu sein." Zugleich stimmte der Franzose seinem Landsmann zu: "Es ist etwas, das wir nicht wirklich haben kommen sehen."

Alpine-Fahrer Pierre Gasly im Paddock
Die Alpine-Piloten sind vom guten Barcelona-Abschneiden überrascht, Foto: LAT Images

F1-Piloten fordern Alpine: Müssen verstehen, woher die Performance kommt

Beide Piloten sind sich einig: Aus diesem Fakt muss Alpine die richtigen Schlüsse ziehen. "Das zeigt, dass wir eine Menge über das Auto zu lernen haben", so Ocon. Auch Gasly nimmt das Team aus dem britischen Enstone in die Pflicht: "Ich habe ihnen gesagt: 'So sehr wir verstehen müssen, warum wir unterperformen, müssen wir auch verstehen, warum wir überperformen.'"

Ocon wies allerdings trotz des Rätselratens bei Alpine darauf hin, dass das Ergebnis für sich spreche: "Selbst wenn wir nicht unbedingt Updates zu jedem Rennen bringen, wird es eindeutig langsam besser, was wir im Hinblick auf das Verständnis tun."

"Wir werden weiter graben und hoffentlich verstehen, warum es so gut lief und warum es auf anderen Strecken nicht so gut läuft", kündigte Ocon an. Der einmalige GP-Sieger habe zwar eine Vermutung, woran die Performance-Schwankungen liegen könnten, was jedoch eher nicht im Interesse Alpines liegen dürfte, denn: "Wenn es das ist, woran ich denke, sind wir nicht in der Lage, diese Performance überall zu haben, aber die nächsten paar Strecken sollten okay sein:"

Alpine-Aufwärtstrend verfestigt sich

Die Alpine-Performance in Barcelona ist die Fortsetzung eines anhaltenden Aufwärtstrends nach einem katastrophalen Saisonstart, der zahlreiche Personalwechsel im Team zu Folge hatte. Unter anderem galt das Gewicht des Autos als eine große Schwachstelle. In Spanien sind jedoch beide Autos am Mindestgewicht, wie Ocon verriet. Seit einem Unterboden-Update in China kämpft Alpine zumindest regelmäßig um Punkte - an drei der letzten vier Rennwochenenden mit Erfolg.

Dennoch bleibt festzuhalten: So gut wie in Katalonien lief der A524 bislang noch nicht. Und das, obwohl Alpine als eines von vier Teams kein Update bei der FIA gemeldet hatte. Dennoch gebe es nach wie vor deutliches Steigerungspotenzial. "Selbst heute habe ich mich nicht so wohl gefühlt", verriet Gasly. "Ich hatte eine Menge Bouncing im Auto. Es war ziemlich schwierig, eine Runde zusammenzubringen, aber ich habe es geschafft, es im Q3 auf den Punkt zu bringen."

Trotz dieser kleineren Probleme lobte Gasly aber insgesamt: "Ich fahre das Auto am Limit und heute war dieses Limit definitiv höher als normalerweise." Dementsprechend gab der 28-Jährige bereits die Marschroute für den Sonntag vor. "Für den Moment sind wir alle zufrieden und hoffen, dass wir diese Performance morgen bestätigen können", so Gasly.

Gasly und Ocon starten nebeneinander: Kracht es wieder?

Zusätzlich zum ohnehin schon guten Ergebnis rückt Ocon in der Startaufstellung für den Grand Prix am Sonntag zudem auf Rang acht vor Perez, da der Mexikaner noch eine Strafe aus Kanada mit sich trägt. Heißt im Umkehrschluss: Gasly und Ocon starten nebeneinander. Angesichts der teaminternen Querelen der vergangenen zwei Rennwochenenden keine unkomplizierte Angelegenheit.

Alpine-Teamkollegen Pierre Gasly vor Esteban Ocon kurz vor dem Unfall
Kommen sich die beiden Alpine-Boliden wieder in die Quere?, Foto: LAT Images

Ocon will von einem möglichen Kollisionsrisiko aber nichts wissen: "Wie oft sind wir schon zusammen gestartet? Es ist einmal jedes 30. Mal passiert. Ich erwarte morgen nichts, es sollte in Ordnung sein." Bleibt eine Kollision aus, darf sich Alpine durchaus Hoffnungen auf weitere Punkte machen - und auf weitere Schritte nach vorne in der WM-Tabelle. Von Haas auf Rang sieben trennen Alpine nur zwei Zähler.

Haas fand sich zwar im Barcelona-Qualifying mit beiden Autos außerhalb der Top-10 wieder, Punkte hat das US-amerikanische Team aber mitnichten abgehakt. Alle Details lest Ihr in diesem Artikel: