"Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas", so lautet eine alte Weisheit, die in gefühlt jedem Hollywoodfilm über die Spielermetropole zitiert wird. Doch gilt das auch für die Formel 1? Der Las Vegas GP wurde trotz gewaltiger Schwierigkeiten am Freitag als Erfolg gewertet. Selbst viele Fans, denen die Show drumherum eindeutig zu weit ging, mussten zugeben, dass das Rennen an sich unterhaltsam war. Die Preise für Tickets, Essen, Trinken und Hotels hingegen trieben die Geldmacherei teilweise auf die Spitze. Was gilt also nun für die Formel 1 in Vegas? Ist es ein schneller Pokergewinn oder eine dauerhafte Heimat für die Königklasse?

Steiner von F1-Investment in Las Vegas beeindruckt

Haas-Teamchef Günther Steiner geht klar von einer langfristigen Perspektive in Nevada aus. Mit Blick auf die Infrastruktur und Organisation des Rennens ist er vom Kurs der Königklasse überzeugt: "Wenn du dir das hier ansiehst, dann gibt es uns das Vertrauen, dass die FOM das richtige tut." Für ihn ist es finanziell keine einseitige Angelegenheit: "Sie investieren in ihren Sport und greifen nicht nur das Geld ab. Sie hätten das auch einfach nicht machen können und wären damit davongekommen, aber sie wollen den Sport wachsen sehen."

Streckenprofil mit Boxengasse
Die Boxenanlage hat die Formel 1 aus eigener Tasche finanziert, Foto: LAT Images

Im Gegensatz zu den vielen anderen Rennstrecken des Planeten hat die Formel 1 in Las Vegas selbst Geld in die Hand genommen. Das Boxengebäude wurde von der Königklasse selbst errichtet, der Grund dazu wurde ebenfalls erworben. Bis zu einer halben Milliarde Dollar soll dabei auf die Karte Las Vegas gesetzt worden sein. Es ist selbstredend, dass dieses Geld niemals mit nur einem Grand Prix wieder reingeholt werden konnte, so horrend die Eintrittspreise auch waren. Steiner ist beeindruckt: "Sie haben mit den Gebäuden hier in der kurzen Zeit, die sie zur Verfügung hatten, großartige Arbeit geleistet. Da muss man den Hut davor ziehen."

Formel 1 laut Steiner in guten Händen: Domenicali im Herzen ein Racer

Die Kritik am Tamtam um die Veranstaltung herum kann Steiner in einem gewissen Maße jedoch nachvollziehen: "Das Racing muss immer das Wichtigste sein. Der Fokus muss auf dem Rennen sein. Natürlich machen sie viel Show drumherum. Ich denke in diesen Zeiten, braucht es das wohl. Die Leute wollen nicht nur das Rennen, sondern auch Unterhaltung und Aktivitäten drumherum. Das ist also immer ein schmaler Grat, aber das Rennen ist es, wofür wir hierherkommen. Wir müssen Teil der Show sein, aber dafür kommen wir nicht. Wir kommen, um Rennen zu fahren." Aber auch hier zeigt er Vertrauen in die F1-Führung: "Stefano [Domenicali] ist im Herzen ein Racer. Ich denke er wird nicht dafür sorgen, dass die Show das Rennen überholt. Es ist sicher ein wichtiger Punkt, denn es ist eine schmale Trennlinie. Ab wann wird die Show wichtiger als das Rennen? Aber ich glaube, wir sind recht weit davon entfernt."

Haas-Teamchef Günther Steiner im Paddock
Günther Steiner vertraut der Formel-1-Führung, Foto: LAT Images

Für Steiner ist das Engagement in Las Vegas aber nicht nur ein gutes Zeichen für das Rennen, sondern für die ganze Formel 1 an sich. Er sieht sich immer mehr bestätigt, dass sie in den richtigen Händen sei: "Wenn jemand so etwas wie das hier auf die Beine stellt, dann ist das, um zu bleiben. Du gibst nicht solche Mengen an Geld aus und betreibst so einen Aufwand, wenn du nur eine Investmentfirma bist, die ein Unternehmen aufkauft und es dann wieder verscherbelt." Seit 2017 besitzt Liberty Media die Formel 1 und seitdem gibt es kein Anzeichen darauf, dass es sich bei der Königsklasse um ein Spekulationsobjekt handelt. Nicht umsonst wehrten sie sich vehement, als FIA-Präsident Mohammed Bin Sulayem einen möglichen Verkaufspreis der Formel 1 an Saudi Arabien auf X (ehemals Twitter) kommentierte.

Ist die harte Kritik am Las Vegas GP gerechtfertigt?: (40:51 Min.)