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Formel 1, Todt räumt FIA-Versäumnisse ein: Sind nicht perfekt

Jean Todt trat diese Woche als FIA-Präsident ab. Auf den letzten Metern nahm er sich dem Skandal-Finale 2021 in Abu Dhabi an. Verbesserungen notwendig.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Jean Todt übergab diese Woche nach zwölf Jahren im Amt das Zepter des FIA-Präsidenten an Mohammed Ben Sulayem. Im Rahmen der FIA-Gala in Paris sprach der legendäre Ferrari-Teamchef und Motorsport-Funktionär ein letztes Mal in seiner Rolle als Vorsteher des Internationalen Automobilverbands. Der Franzose äußerte sich dabei auch zur Kontroverse beim Formel-1-Finale in Abu Dhabi. Er räumte Versäumnisse im WM-Kampf 2021 ein.

"Vielleicht waren wir zu nachsichtig", so der 75-Jährige mit Blick auf die Auseinandersetzungen, die Mercedes und Red Bull im Verlauf der vergangenen Saison mit der FIA rund um Rennleiter Michael Masi ausfochten. In Abu Dhabi erreichten die hitzigen Diskussionen einen Höhepunkt, als beide Parteien im Funk mit dem Australier sehr deutlich versuchten, Einfluss auf dessen Entscheidungen zu nehmen.

"Einerseits denke ich, dass es wichtig ist, den Dialog zwischen dem Dachverband und den Teams, Fahrern sowie kommerziellen Rechteinhabern aufrecht zu erhalten, aber das sollte sich nicht gegen uns wenden", so Todt. Formel-1-Sportdirektor Ross Brawn kündigte nach den chaotischen Zuständen beim Showdown zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton an, ab 2022 die Kommunikation zwischen Teamchefs und den Offiziellen während der Grands Prix einschränken zu wollen.

Todt versteht emotionale Teamchefs

Todt könnte sich vorstellen, dass härtere Sanktionen für mehr Disziplin sorgen. "Der Präsident vom Fußballverein aus Lyon, einem der wichtigsten Teams, wurde für zehn Spiele gesperrt, weil er schlecht über den Schiedsrichter gesprochen hat", verwies er auf die Vorgehensweise im Fußball. Vor allem aber erhofft er sich mehr Anstand von den Beteiligten: "Natürlich kann man sich immer verbessern. Aber dann musst du dich auch benehmen."

Zwischen 1993 und 2008 war er als Teamchef von Ferrari selbst an vorderster Front in WM-Kämpfe involviert. Die Reaktion von Wolff und dessen Red-Bull-Counterpart Christian Horner kann er durchaus nachvollziehen. "In gewisser Weise ist es menschlich", sagte er. "Aber ob ihr es glaubt oder nicht, es wird niemand benachteiligt. Das ist nur die Wahrnehmung. In der Hitze des Gefechts hat jeder seine eigenen Emotionen."

FIA soll Missmanagement in der Saison 2021 durchleuchten

Das WM-Duell zwischen Red Bull und Mercedes verlagerte sich 2021 bereits nach dem vierten Saisonrennen in Spanien auf Schauplätze abseits der Rennstrecke. Diverse Proteste gegen die Autos der Rivalen sowie Kritik über vermeintliche Ungleichbehandlung durch die Offiziellen zogen sich wie ein roter Faden durch das Jahr.

"Es gibt den Renndirektor und die Stewards, die viel Organisation haben. Sind wir perfekt? Wir sind nicht perfekt", gestand Todt, der im Zuge des Eklats von Abu Dhabi eine Untersuchung der Geschehnisse einleitete. "Ich habe aus diesem Grund die vollständige Durchleuchtung vorgeschlagen, um zu sehen, was vor dem Hintergrund dessen, was passiert ist, verbessert werden muss. Es geht nicht nur um das Rennen, sondern um all das, was im Verlauf des Jahres vorgefallen ist."

Todt froh über Abgabe der Präsidentschaft

Die Einleitung möglicher Maßnahmen zur Vorbeugung solch strittiger Szenarien war die letzte Amtshandlung des Franzosen in seiner Rolle als FIA-Präsident, welche er nach über eine Dekade mit Erleichterung abgab. "Ich bin ziemlich froh, dass dieses Kapitel vorbei ist. Zwölf Jahre waren eine lange Zeit und den Job so zu machen, wie ich es tat, ist sehr anspruchsvoll", sagte er.

Vor allem Querelen wie sie sich in Abu Dhabi zutrugen wird er in Zukunft nicht vermissen: "Zu 70 Prozent bin ich glücklich, das hier hinter mir zu lassen, und dazu zählen auch Dinge wie diese. Und zu 30 Prozent verspüre ich Nostalgie", so Todt, der dem Sport weiter verbunden bleiben will: "Ich habe natürlich immer noch dieselbe Leidenschaft. Ich bin gesegnet. Ich liebe Motorsport und ich werde Motorsport weiter verfolgen."

Für seinen Nachfolger will er den Weg im herausfordernden Amt des FIA-Präsidenten bestmöglich bereitet haben: "Ich denke, es ist gut, dass der FIA frisches Blut zugeführt wird, und ein frisches Team. Zu dem Erbe, das ich hinterlasse, gehört auch eine unglaubliche Truppe, die in der Lage ist, den Job mit dem neuen Team zu erledigen."


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