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Formel 1

Formel 1, Bottas' Albtraum wendet sich zum Guten: Glück gehabt

Valtteri Bottas wurde in Brasilien schnell vom Haupt- zum Nebendarsteller. Erst von Red Bull abgekocht, dann mit Teamplay und Glück aufs Podest gefahren.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Valtteri Bottas war in der Brasilien auf der Pole Position eigentlich der wichtigste Faktor von Mercedes im Kampf gegen Red Bull. Doch beim Start ins Rennen wurde er sofort von den Red-Bull-Piloten Max Verstappen und Sergio Perez überrumpelt. Für den Finnen wendete sich das Worst-Case-Szenario im weiteren Verlauf des Grand Prix mit etwas Glück noch zum Guten. Etwas mehr als Platz drei hätte es aber schon noch sein dürfen.

"Für mich war die erste Runde ein Albtraum, denn den gesamten Vormittag über haben mir alle möglichen Leute gesagt, was ich in der ersten Runde zu tun habe und wie wichtig sie ist, und dann war es einfach nur schrecklich", so Bottas, der im Sprint am Samstag noch als Held gefeiert wurde. Dort hatte er Verstappen am Start kassiert und sich damit nicht nur die Pole für das Rennen gesichert, sondern sich auch in die perfekte Position gebracht, um Teamkollege Lewis Hamilton im WM-Kampf zu unterstützen.

Dessen Erzrivalen konnte er am Sonntag allerdings nicht lange in Schach halten. Verstappen kam besser von der Linie weg und ließ sich in der ersten Kurvenkombination daraufhin nicht zweimal bitten. "Ich denke, Max hatte einen wirklich guten Start und meiner war eher Durchschnitt", analysiert Bottas die ersten Meter des Rennens. "Ich hatte gehofft, dass es reichen würde, um die Führung zu behaupten, aber er war schon am Eingang von Kurve eins vorne."

Verstappen drängt Hamilton ab! Warum gab es keine Strafe?: (17:04 Min.)

Kupplung schuld am schlechten Start

Als Ursache machte der zehnfache Grand-Prix-Sieger die Technik ausfindig. "Mein Problem war etwas Schlupf an der Kupplung. Der Grip war gut, aber ich bin einfach nicht gut weggekommen. Das werden wir uns anschauen", erklärt er. Durch den schlechten Start ging nicht nur Verstappen vorbei, sondern auch der zweite Red Bull. Perez profitierte vom harten Kampf zwischen Bottas und Verstappen.

"Ich habe so spät wie ich konnte für die erste Kurve gebremst, dann waren wir nebeneinander und an einem Punkt war ich neben der Strecke. Aber er war vorne und ich konnte nicht viel dagegen tun. Dadurch hatte ich einen schlechten Exit aus Turn drei und musste mich gegen Checo verteidigen. Er war außen, ich innen und dann bin ich etwas weit gegangen und er hat mich erwischt", so Bottas.

Während das Red-Bull-Duo die Doppelführung genoss, hatte er nach vier Runden schon den Stallgefährten im Spiegel. Bottas folgte den Anweisungen seines Teams und ließ Hamilton bei der ersten Gelegenheit ziehen. Auf diese Weise wurde aus der blendenden Aussicht vor dem Rennen innerhalb weniger Runden Platz vier.

Bottas trauert verpasstem Doppelsieg nach

Auf diesem schien Bottas sich dann auch einrichten zu müssen, bis ihm in der 30. Runde eine VSC-Phase zur Hilfe kam. Verstappen, Hamilton und Perez hatten bereits gestoppt und die Neutralisierung kam für ihn im perfekten Moment, um eine Position gegen den Mexikaner zu gewinnen. "Einmal im Jahr Glück zu haben, war gut", so Bottas, der in dieser Phase des Rennens neue Hoffnung schöpfte.

Als Verstappen nur wenige Runden später seinen zweiten Reifenwechsel absolvierte, lag das Mercedes-Duo in Führung - und Bottas wollte seinen zweiten Platz am liebsten gar nicht mehr abgeben. Dass seine Strategen auch für Hamilton und ihn einen zweiten Boxenstopp vorsahen, überzeugt ihn auch nach dem Rennen nicht: "Ich hatte das Gefühl, dass wir mit unserem späten Boxenstopp auf einer Einstopp-Strategie hätten sein sollen. Ich glaube immer noch, dass das möglich hätte sein sollen."

Freude für Hamilton, Zufriedenheit für Mercedes

In der Schlussphase gelang es ihm trotz der starken Mercedes-Pace nicht, Verstappen noch vom zweiten Platz zu verdrängen. Wichtiger war für ihn allerdings der Sieg Hamiltons. "Es ist gut, Lewis dieses Rennen von seinem Startplatz [10] aus gewinnen zu sehen. Ich hatte das Gefühl, dass er heute und das gesamte Wochenende in einer eigenen Liga war", streut er dem Teamkollegen Rosen.

Seinem viertletzten Rennen in den Farben von Mercedes konnte er aber auch für sich noch etwas Positives abgewinnen: "Ich habe nicht aufgegeben, weiter gepusht und immer noch ein Podium erreicht. Das bedeutet, dass wir mehr Punkte als Red Bull geholt haben. Das ist auch etwas."


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