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Formel 1

Helmut Marko zu Monza-Crash: Hamilton hat keinen Platz gelassen

Der WM-Kampf in der Formel 1 zwischen Verstappen und Lewis Hamilton erreicht einen Tiefpunkt. Red-Bull-Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko im Interview.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Herr Dr. Helmut Marko, was sagen sie zum Unfall zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton?
Das war ein Rennunfall. Der Max war innen, Hamilton hat ihm aber nicht genug Platz gelassen und in der Folge ist er durch die Kerbs auf das Auto von Hamilton geschmissen oder gedrückt worden.

Hätte Verstappen auch den Notausgang nehmen können, wie es Sergio Pérez zuvor gemacht hat?
Nein, er war ja nicht zu schnell dran, er hat einfach nicht genug Platz gehabt. Die waren beide auf derselben Höhe.

Es wollte auch keiner von beiden nachgeben, oder?
Keiner wollte nachgeben. Dadurch ist es ein Rennunfall. Man kann keinem Absicht unterstellen und auch das Endergebnis war von keinem gewollt.

Sie können mit dem Endergebnis wahrscheinlich besser leben, weil Sie die Position womöglich verloren hätten und dadurch auch Punkte?
Wir kommen aus Monza heraus mit zwei Punkten mehr in der WM und das ist mehr, als wir erwartet haben.

Was ist beim Boxenstopp von Verstappen genau passiert? Das ist bei Euch ja eigentlich ungewöhnlich.
Im System hat ein Knopf nicht funktioniert. Der ist dort gestanden und hat auf das Signal gewartet, obwohl schon alles fertig war.

Hängt das mit den Änderungen der Stopps zusammen?
Nein, das muss man jetzt genau eruieren. Es ist peinlich, weil das zehn Sekunden waren und normalerweise brauchen wir zwei Sekunden.

Dr. Helmut Marko wirft weder Verstappen noch Hamilton Absicht vor - Foto: LAT Images

Hätten Sie in einem normalen Rennen noch die McLarens schnappen können?
Wenn wir davon ausgehen, dass der Stopp funktioniert hätte, dann wäre es mit Ricciardo auf jeden Fall ganz knapp geworden

Was bedeutet das für den WM-Kampf zwischen Verstappen und Hamilton? Die haben sich danach ja keines Blickes gewürdigt.
Naja, daran, dass die zwei keine Freunde mehr werden, hat das Ergebnis auch nichts geändert. Der WM-Kampf wird aber in dieser Art und Weise weitergehen.

Erinnert das Sie ein wenig an Senna und Prost?
Das ist ein Riesenunterschied. Der Ausgang ist zwar gleich, aber damals war es Absicht und heute war bei keinem von beiden Absicht dabei, glaube ich.

Was sagen Sie zu der 5-Sekunden-Strafe von Pérez?
Wir haben auf das Signal gewartet, dass wir die Position zurückgeben sollen. Da ist aber nichts gekommen und deshalb haben wir angenommen, dass es okay ist. Schade, ein Podium hätte ihn gutgetan.