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Formel 1

Formel 1, Red Bull in Spa hochzufrieden: Nicht voll aufgedreht

Max Verstappen und Red Bull ziehen nach den Trainings zum Belgien-GP trotz Crash eine positive Bilanz. Unantastbar in Sektor zwei, für Geraden Ass im Ärmel.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Tagesbestzeit und Crash für Max Verstappen und Red Bull Racing zum Auftakt des Belgien-Grand-Prix 2021 der Formel 1. Im Freitagstraining auf dem Circuit de Spa-Francorchamps drehten die Bullen in der zweiten Session den Spieß gegen Mercedes und die Bestzeit von Valtteri Bottas aus der ersten Sitzung um. Mit einer 1:44.472 Minuten hatte Verstappen die Nase allerdings nur knapp vorne, um gerade einmal vier Hundertstelsekunden.

Allerdings benutzte der Niederländer auf dem Weg zur Bestzeit die weichsten Reifen, Lewis Hamilton und Bottas erzielten ihre schnellsten Runden auf den Medium-Pneus. Das macht Red Bull allerdings keine Angst, genauso wenig eine klare Schwäche insbesondere im ersten Sektor, dem Power-Sektor von Spa. Von La Source bis Les Combes erstreckt sich hier die zweitlängste Vollgaspassage im Formel-1-Kalender nach der Strandpromenade von Baku.

Mercedes fliegt Red Bull auf Geraden weg

In der Regel drei bis fünf Zehntel verlor Red Bull allein hier auf Mercedes, auch im letzten Streckenabschnitt - ebenfalls fast nur Vollgas - lag der WM-Widersacher vorne. Dennoch sehe es gut aus, berichtet Dr. Helmut Marko. "Wir haben noch nicht [den Motor] aufgedreht", erklärt der Motorsportberater Red Bulls. Mehr als fünf Zehntel seien allein so noch drin, schätzt Marko.

Bei Mercedes hingegen sei man bereits am Limit unterwegs gewesen. "Ich glaube, der Bottas hat voll aufgedreht", sagt Marko auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. Dass sei bei den Versuchen der Konkurrenz auf weichen Reifen nicht mehr der Fall gewesen, deshalb habe sich Mercedes mit den weichen Reifen nicht verbessert. Auch Red Bull machte hier allerdings keine großen Sprünge. "Es war im Rahmen, was man sich erwartet", meint Marko allerdings. Bei Mercedes liege der Fall anders. Marko: "Die sind ja im Sektor eins plötzlich langsamer gewesen als mit den harten Reifen, wo sie noch aufgedreht haben."

Belgien: Max Verstappen im zweiten Sektor überlegen

Dasselbe gelte für den Longrun. "Wir waren schneller als Hamilton und so wie wir es gesehen haben, hat der Bottas auch da wieder aufgedreht. Deshalb war es schneller. Im Longrun macht es ja noch mehr aus, wenn du den Motor aufdrehst", sagt Marko.

Nicht nur die Power-Asse im Ärmel allein stimmen Red Bull nach dem Freitagstraining in den Ardennen positiv, sondern auch der zweite Sektor. Hier nahm Verstappen Mercedes noch mehr Zeit ab, als er im ersten Sektor verlor. Fast vier Zehntel langsamer war Hamiltons schnellster Versuch im zweiten Sektor des gesamten Trainings als der beste Verstappens. "Wenn du im zweiten Sektor so überlegen bist, dann kann das Auto nicht so schlecht sein", sagt Marko.

Verstappen crasht: Übersteuern nicht zu kontrollieren

Allenfalls Kleinigkeiten würden bei Verstappen noch fehlen. Der Niederländer selbst bestätigt diesen Eindruck voll und ganz. "Es war gut, den ganzen Tag über waren wir ziemlich zufrieden. Natürlich gab es vom ersten zum zweiten Training noch ein paar Dinge zu feintunen. Aber insgesamt sind wir sehr zufrieden. Das war auf jeden Fall ein sehr positiver Start", schwärmt Verstappen.

Max Verstappens Training endete in der Streckenbegrenzung - Foto: LAT Images

Einzig der Schlussakkord stimmte nicht. Drei Minuten vor dem Ende des Trainings verlor Verstappen am Ausgang Les Combes, fast schon in Malmedy das Heck seines RB16B. "Es war etwas zu viel Übersteuern, um es noch korrigieren zu können und leider habe ich die Mauer getroffen", berichtet Verstappen. Marko nimmt die Szene locker. "Der Ausrutscher da war blöd, da ist plötzlich das Heck weggegangen", sagt der Grazer zwar. Gravierende Schäden erwartet Marko allerdings nicht. "Er ist da in einem schönen und guten Winkel rein", sagt Marko.

Sergio Perez weit zurück, aber zufrieden

Etwas weniger erbaulich sieht zumindest auf dem Papier die Leistung Sergio Perez' aus. Nur Platz zehn für den Mexikaner, neun Zehntel hinter Verstappen. "Balance und Verstappen", kommentiert Marko die Gründe für den Rückstand. Ein weiterer: Medium-Reifen. Anders als Verstappen fuhr Perez seine schnellste Zeit nicht auf Soft, dem Mexikaner kam der Crash von Charles Leclerc in die Quere.

Neun Zehntel wären für den erst kurz zuvor offiziell auch für 2022 bei Red Bull bestätigten Perez damit allerdings kaum drin gewesen. Dennoch gibt sich der Mexikaner zufrieden. "Das Auto fühlt sich gut an, ich denke, dass wir dieses Wochenende gutes Potenzial haben", sagt Perez. "Es wird interessant, was morgen mit dem Wetter passiert, aber wir sollten ein gutes Qualifying haben können."

Dafür experimentierte Red Bull im Training bereits mit unterschiedlichen Flügeleinstellungen bei Perez. Jetzt müsse man sich einfach - je nach Wetterlage - das Beste heraussuchen, ergänzt Perez. Mehr als genug Informationen habe man jedenfalls gesammelt. Verstappen fuhr permanent einen konstanten Flügel-Level und zeigt sich damit zufrieden. "Aber natürlich müssen wir dann noch ein paar Dinge wegen des Wetters berücksichtigen", sagt auch der Niederländer.


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