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Formel 1

Formel 1, Baku: Warum Restart und kein Abbruch?

Der Aserbaidschan GP wurde für zwei Runden neugestartet. Warum wurde das Rennen nicht hinter dem Safety Car beendet? War Red Bull schuld?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Der Aserbaidschan GP war lange Zeit ein ordentliches Rennen, aber kein absoluter Kracher. Ab Runde 45 von 51 überschlugen sich die Ereignisse. Kurz bevor Max Verstappen die Ziellinie zum 46. Mal überquert hätte, gab sein linker Hinterreifen den Geist auf. Der Niederländer verlor die Kontrolle über seinen Boliden, die Front des RB16B zerschmetterte an der Mauer in tausende Einzelteile.

Die erste Reaktion der Rennleitung war klar, erfolgte aber erst nach fast einer ganzen Runde: Safety Car. Bernd Mayländer führte das Feld ein zweites Mal in diesem Grand Prix an. Weil sich auf der Start- und Zielgeraden so viele Trümmerteile befanden und die Bergung Platz benötigte, wurde das Feld durch die Boxengasse geführt.

Wenig später hatte Rennleiter Michael Masi ein Einsehen und unterbrach das Rennen mit der roten Flagge. Red Bulls Teammanager Jonathan Wheatley hatte beim Australier um eine Rennunterbrechung gebeten.

Red Bull fordert Rennunterbrechung

Der Grund: Vor Verstappen hatte auch schon Lance Stroll einen Reifenschaden erlitten. Ebenfalls bei Topspeed, ebenfalls hinten links. "Der Schaden hat sich nicht angekündigt", funkte Wheatly an Masi. Während einer Rennunterbrechung haben alle die Möglichkeit, Reifen zu wechseln. Es wäre die sicherste Option, meinte Red Bulls Teammanager.

"Ich hatte das ohnehin schon im Kopf", verriet Rennleiter Masi später. Doch rein theoretisch hätte es das gar nicht mehr gebraucht. Die Bergung des havarierten Boliden und die Säuberung der Strecke hätten wohl die Safety-Car-Phase überdauert.

Als Mayländer auf die Strecke ging, waren nur noch vier Runden zu fahren. Das Rennen wäre nicht mehr freigeben worden, die Reifen wären kein Sicherheitsrisiko gewesen. Trotzdem entschied sich Masi für die Rennunterbrechung und einen stehenden Restart. Warum?

"Die Amerikaner haben den Sport übernommen, deshalb war ich nicht wirklich überrascht, dass die Unterhaltung an erster Stelle steht", scherzte Pierre Gasly. In jedem Scherz steckt ein Stück Wahrheit - so auch hier.

"Es war meiner Meinung im besten Interesse des Sports, das Rennen zu unterbrechen, aufzuräumen und noch ein Rennende zu haben", erklärte Masi. Dabei gab es auch Stimmen, die meinten, das Rennen müsse gar nicht erneut gestartet werden.

Formel 1: Kostete Hamilton dieser peinliche Fehler den Sieg?: (17:10 Min.)

Das Reglement bietet der Rennleitung die Möglichkeit des Neustarts aber seit einiger Zeit. Es gibt keine Grenze mehr, ab der ein Rennen nicht mehr gestartet wird, wenn eine bestimmte Distanz bereits absolviert wurde.

Die einzige Grenze ist die Zeit: Das Rennen selbst darf maximal zwei Stunden dauern, inklusive Unterbrechung darf die Grenze von drei Stunden nicht überschritten werden. "Innerhalb dieser Zeit und nach dem Format der Regeln konnten wir das Rennen noch einmal starten und es gab keinen Grund dafür, das nicht zu tun", so Masi.

Verstappen hätte Rennen trotz Crash gewinnen können

Warum aber gab es nicht schon bei Stroll eine Unterbrechung? "Weil es mitten im Rennen war, es genügend Zeit gab und auf der rechten Seite auch noch genügend Platz war, das Auto zu bergen", erklärt der Rennleiter. "Wir schauen uns immer alle Faktoren an."

Aus Red-Bull-Sicht war die Forderung von Wheatly durchaus riskant: Am Auto von Sergio Perez gab es ein Problem mit dem Hydraulikdruck. Hinter dem Safety Car hätte der Mexikaner den Sieg wohl gemütlich nach Hause fahren können. Dazu hätte es das Risiko des stehenden Starts nicht gegeben. Am Ende war es gut für die Bullen, dass es dazu kam: Hamilton verlor beim Restart Platz zwei und damit 18 Punkte.

Hätte Masi das Rennen übrigens unmittelbar nach dem Verstappen-Unfall unterbrochen und nicht mehr neu gestartet, hätte der Niederländer den GP trotz Crash gewonnen. Denn bei einem Rennabbruch gilt die Reihenfolge zwei Runden vor der roten Flagge.