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Formel 1 Baku: Leclerc-Pole nach Crash-Qualifying & Abbruch

Charles Leclerc sichert sich auch in Baku die Pole. Dabei hilft dem Ferrari-Ass erneut ein Unfall im Q3 - diesmal von Yuki Tsunoda. Hamilton vor Verstappen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - In einem turbulenten Qualifying zum Großen Preis von Aserbaidschan 2021 hat sich Charles Leclerc sensationell die Pole Position für das Formel-1-Rennen in Baku [Start morgen 14:00 Uhr, live bei Sky, F1, TV, ORF, SRF und im Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com] gesichert. In einer wegen Unfällen von Lance Stroll, Antonio Giovinazzi, Daniel Ricciardo und Yuki Tsunoda viermalig unterbrochenen oder vorzeitig beendeten Session erzielte der Ferrari-Pilot in 1:41:218 Minuten, wie zuletzt in Monaco, die schnellste Runde des Tages.

Die Entscheidung brachte bereits der erste Schlagabtausch im Q3. Den gewann überraschend Leclerc. Hamilton, mit zwei Aufwärmrunden wie schon im Q2, fehlten zwei Zehntel, Verstappen dreieinhalb auf den Monegassen. Pierre Gasly und Carlos Sainz folgten knapp dahinter auf P4 und P5, dahiner reihten sich Lando Norris, Sergio Perez, Yuki Tsunoda, Fernando Alonso und Valtteri Bottas ein.

Baku-Crash verhilft Charles Leclerc erneut zur Pole

Das entsprach bereits dem Endergebnis, weil die letzten Runs - wie schon in Monaco - von einer roten Flagge zerstört wurden. Diesmal crashte Leclerc allerdings nicht selbst, stattdessen war es Tsunoda, der sich in Kurve drei kapital verbremste und einschlug. Irritiert davon flog an selber Stelle auch noch Sainz ab und riss sich den Frontflügel seines Ferrari ab. Damit stand das Resultat aus den ersten Runs. Anders als zuletzt in Monaco wird Leclerc seine Pole diesmal behalten können.

"Eigentlich war das eine beschissene Runde", kommentierte Leclerc seine neunte Pole in der Formel 1. "Es gab zwei, drei Ecken, in denen ich Fehler gemacht habe. Aber am Ende hat mich Lewis auf der langen Gerade gezogen." Hamilton bejubelte nach einem bislang kniffligen Wochenende seine Auferstehung mit P2. "Das war monumental", sagte der Weltmeister. Verstappen war wegen des neuerlichen Rot-Vorfalls am Ende frustriert. "Alles hat eigentlich super funktioniert und dann passiert da diese Scheiße im Q3", sagte Verstappen. "Aber das kann in einem Q3 auf einem Stadtkurs mal passieren."

Sebastian Vettel verpasst im Baku-Qualifying die Top-10

Sebastian Vettel beendete das Qualifying in Aserbaidschan auf dem elften Rang. Nur 0,029 Sekunden fehlten dem Aston-Martin-Pilot im Q2 zum Einzug in das finale Segment. Mick Schumacher belegte den 17. Platz. Dabei profitierte der Haas-Pilot von vorherigen Unfällen Strolls und Giovinazzis (beide ohne Zeit) im Q1. Seinen Teamkollegen Nikita Mazepin verwies Schumacher im letzten Moment um acht Hundertstelsekunden auf P18.

Qualifying - Session 3
Zwischenfälle: Tsunoda crasht in Turn 3 (Rot), Sainz crasht in Turn 3
Top-5: Leclerc, Hamilton, Verstappen, Gasly, Sainz

Q2 in Baku: Tausendstelkrimi an der Spitze

Das war Q2: Die wie immer interessanteste Frage: Wer traut sich auf Medium? Die einfache Antwort: niemand! Mit neuen Softs erzielte Sergio Perez die erste Bestzeit, 0,029 Sekunden vor Charles Leclerc und je eine Zehntel vor Carlos Sainz und Max Verstappen. Auch Lando Norris war mit zwei Zehnteln Rückstand bei der Musik. Die Mercedes-Fahrer fuhren zwei Aufwärmrunden. Das lohnte sich halb. Lewis Hamilton kam bis auf vier Tausendstel an Perez heran, Valtteri Bottas kam nicht über P7 hinaus. Dann konterte Verstappen und setzte sich mit seinem alten Soft fünf Tausendstel vor Perez. Auch Leclerc legte nach, kam aber nicht an Hamilton vorbei. So trennten die Top-4 nur 0,034 Sekunden - bei 6,003 Kilometern Strecke!

Sebastian Vettel, Esteban Ocon, Daniel Ricciardo, Kimi Räikkönen und George Russell standen nach den ersten Runs vor dem Aus.

Auch auf den zweiten Runs war kein Medium zu sehen. Niemand versuchte, seine Soft-Zeit mit dem härteren Reifen zu verbessern, um auf diesem starten zu dürfen. Stattdessen hieß die Devise: Einschießen für Q3. Dabei übertrieb es Ricciardo. Der Australier krachte in Kurve drei in die Bande. Ricciardo hatte zu viel Speed mit in die Kurve genommen, vorne links blockierte das Rad.

Die Folge: Es blieb bei Vettel, Ocon, Ricciardo, Räikkönen und Russell ganz hinten. Vettel ärgerte sich Boxenfunk lautstark über nur drei Zehntel Rückstand auf Fernando Alonso auf P10. Vorne gelang einzig Yuki Tsunoda noch eine Verbesserung auf P4. Damit waren es sogar fünf Autos in 0,034 Sekunden.

Qualifying - Session 2
Zwischenfälle: Ocon touchiert Leitschiene, Ricciardo crasht in Turn 3 (Rot)
ausgeschieden: Vettel, Ocon, Ricciardo, Räikkönen, Russell
Top-5: Verstappen, Perez, Hamilton, Tsunoda, Leclerc

Q1 in Baku: Crash-Parade in Kurve 15, Hamilton kontert

Das war Q1: Schon vor dem Qualifying herrschte Zittern bei Williams. Ein Leck an der Wasserpumpe der in Baku gerade erst neu verbauten Mercedes-Power-Unit zwang das Team zu einem Wechsel auf ein älteres Aggregat am Auto von George Russell. In den ersten Minuten der Session waren die Arbeiten noch immer nicht abgeschlossen. Dann half Williams ihr Ex-Fahrer Lance Stroll. Der Kanadier wurde, nach Verstappen im FP3, nach vier Minuten ein weiteres Opfer von Kurve 15. "Ich bin zu tief reingestochen, dann hat vorne rechts der Reifen blockiert", kommentierte Stroll den Einschlag. Eine Kurve weit schleppte sich der Kanadier mit demolierter rechter Vorderradaufhängung noch, dann musste er seinen Aston Martin eingangs der Vollgaspassage doch abstellen. Rote Flaggen.

Die Bergung des AMR21 dauerte recht lang, das freute Williams umso mehr. Nach elf Minuten Unterbrechung ging es weiter - mit Russell auf P2 an der langen Schlange am Boxenausgang! Die einzige Zeit bis dahin hatte Charles Leclerc erzielt. Eine 1:42.532 Minuten auf Soft. Mercedes war als einziges Team auf Medium aus der Box gefahren. Beim zweiten Anlauf ging nun auch Mercedes auf Nummer sicher - neue Softs für Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Bis auf die Ferrari, Red Bull und Nikita Mazepin galt das auch für den Rest des Feldes. Dieses Quintett fuhr den gebrauchten Soft des ersten Versuchs.

Weit kamen sie nicht. Die Hälfte des Feldes erzielte noch eine Zeit, die schnellste Max Verstappen in 1:41.760 Minuten, dann knallte es schon wieder. Antonio Giovinazzi freundete sich ebenfalls mit Kurve 15 an. Der Italiener crashte seinen Alfa frontaler als Stroll und kam an Ort und Stelle zum Stehen. Die nächste Unterbrechung der Session, diesmal ging es nach neun Minuten weiter. Zunächst mit einem Hinweis der Rennleitung, dass nach dem Qualifying wegen eines Vergehens unter roten Flaggen gegen Lando Norris ermittelt wird. Eine Replay klärte auf, dass Norris offenbar bei der ersten Möglichkeit die Boxeneinfahrt verpasst hatte.

Neun Minuten verblieben den 18 übrigen Piloten, erneut fuhren alle Soft. Nach den ersten Runs lagen Russell, Mazepin und Mick Schumacher auf den letzten Rängen, Nicholas Latifi dafür sensationell auf Q2-Kurs. Die Verstappen-Bestzeit vor Perez hatte Bestand. Drei Minuten vor Ablauf der Uhr dann gelbe Flaggen im ersten Sektor. Aber Entwarnung. Kein Unfall. Das nutzte Hamilton und fuhr im letzten Moment in 1:41.545 Minuten eine neue Bestzeit, zwei Zehntel schneller als Verstappen. Die Auferstehung? Oder nur Track Evolution? Weiter hinten verbesserte sich Russell deutlich. So schieden Latifi, Schumacher und Mazepin aus. Schumacher verwandelte dabei einen knappen Rückstand auf Mazepin in einen knappen Vorsprung.

Qualifying - Session 1
Zwischenfälle: Stroll crasht in Turn 15 (Rot); Giovinazzi crasht in Turn 15 (Rot); Norris mit möglichem Rotvergehen am Boxeneingang (Untersuchung nach der Session)
ausgeschieden: Latifi, Schumacher, Mazepin, Stroll, Giovinazzi
Top-5: Hamilton, Verstappen, Perez, Sainz, Norris

Das Wetter: Wohlig warm, wie schon das gesamte Wochenende über. 26 Grad Celsius Außentemperatur bei leichter Bewölkung erhitzten im Qualifying den Asphalt auf bis zu 50 Grad Celsius zu Beginn der Session. Der Wind wehte wider Prognosen nur mit rund sechs Stundenkilometern aus nordöstlicher Richtung.


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