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Formel 1

Binotto und Wolff zoffen sich: Sportliche Strafen ja oder nein?

In der Formel 1 geht es hinter den Kulissen rund: Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und Ferrari Teamchef Mattia Binotto zoffen sich um die Budgetgrenze.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2021 ist nicht auf, sondern auch neben der Strecke äußerst unterhaltsam. Nach nur drei Rennen gibt es bereits diverse Nebenkriegsschauplätze. Im Mittelpunkt: Mercedes und Toto Wolff.

Noch immer sind Aston Martin und Mercedes unzufrieden darüber, wie die Regeln für 2021 zustande gekommen sind und welche Auswirkungen sie auf ihr Fahrzeugkonzept haben. An der Motorenfront befindet sich Mercedes im offenen Krieg mit Red Bull: Red Bull Powertrains wirbt Mercedes-Ingenieure ab, Wolff hetzt dafür Honda auf, indem er öffentlich immer wieder Volkswagen mit Red Bulls Motorenprojekt in Verbindung bringt.

Und auch bei Diskussionen rund um den Budget Cap gibt es Stress. Hier zofft sich Wolff hauptsächlich mit seinem neuen Lieblingsfeind Mattia Binotto. "Mattia muss ein selektives Gedächtnis haben oder nicht in der Abstimmung gewesen sein, in der ich war", schimpfte der Österreicher über Aussagen seines Ferrari-Kollegen.

Binotto hingegen sieht es natürlich anders: "Ich bin mir sicher, dass Totos Zitate falsch wiedergegeben wurden, denn er war ebenfalls beim Meeting der Formel-1-Kommision und er weiß, wie die Diskussionen liefen."

Formel 1 überarbeitet Finanzielles Reglement

Doch worum geht es beim Streit der einstigen 'Frenemies', denen inzwischen zwei Buchstaben abhandengekommen zu scheint? Obwohl das Finanzielle Reglement, also die Budgetobergrenze, schon 2021 gilt, gibt es noch offene Fragen. Die Teams arbeiten mit der FIA noch am Feinschliff.

"Sieben von zehn Teams haben dafür gestimmt, sportliche Strafen für finanzielle Vergehen einzuführen", berichtet Wolff aus dem Meeting und fügt an: "Im Moment gibt es nur finanzielle Strafen. Drei Teams haben dagegen gestimmt, sie wollen finanzielle Strafen und keine sportlichen Strafen. Das ist ein bisschen komisch."

"Was im Meeting diskutiert wurde - wofür noch kein formales Voting auf der Agenda stand - hat sich nur auf mögliche Brüche der Prozeduren, wie Fehler beim Berichten der Transaktionen bezogen", wirft Binotto ein.

Wolff: Worüber zur Hölle spricht Binotto?

Sein Gegenüber sieht es anders. "Es gab zwei Abstimmungen. Zwei! Leute haben ihre Hände gehoben und es gab noch ein E-Vote. Beim E-Vote haben Ferrari, AlphaTauri und Red Bull gegen sportliche Strafen gestimmt - das ist Fakt. Ich weiß nicht, worüber er zur Hölle da spricht."

Tatsächlich geht es Ferrari, Red Bull und AlphaTauri nicht um sportliche Strafen für Brüche des Budget Caps. Die sind längst beschlossen und waren von Anfang an klar. Wer zu viel Geld ausgibt, kann bei einem schweren Verstoß sogar aus der Weltmeisterschaft ausgeschlossen werden.

Diskutiert wird lediglich, ob auch bei Formfehlern sportliche Strafen angewandt werden können. Heißt: Ob jemandem auch bei beispielsweise zu spät oder nicht komplett eingereichten Belegen sportliche Strafen drohen. Bislang sind hierfür nur finanzielle Strafen vorgesehen.

Red Bull, AlphaTauri und Ferrari fürchten, dass es bislang noch Grauzonen gibt. Vor allem die Konstellation mit Red Bull Technology, das Teile an AlphaTauri liefert, könnte hier für Probleme sorgen.

In der Sache selbst, so versichert Binotto, seien sich alle einig: "Es sollte sportliche Strafen geben, wenn es ernsthafte Vergehen gibt. Aber wir - und andere - glauben, dass es zunächst nötig ist, mögliche Zweifel auszuräumen. In diesen Prozess sind wir alle gemeinsam mit der FIA involviert und wir hoffen, dass er so schnell wie möglich abgeschlossen ist. Wir hoffen, dass die Klarstellungen und ein folgendes Voting für sportliche Strafen vor Ende Mai abgeschlossen sind."