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Formel 1

Formel 1 heute vor 51 Jahren: Bizarres Inferno in Jarama

Die F1 zeigte sich 1970 in Jarama von ihrer schlechten Seite. Nach Regel-Chaos im Qualifying endete das Wochenende mit einem wilden Feuerinferno im Rennen.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - In der Formel 1 wurden schon allerhand kurioser Regeln erdacht. 1970 in Jarama sorgte ein abenteuerliches Qualifying-Format für Verwirrung, Unmut und Ärger. Am Ende setzten sich die Regelhüter gegen Fahrer und Teams durch. Das darauffolgende Rennen war nicht nur wegen dem Zankapfel Startaufstellung eine Farce. Ein Inferno mit bizarren Löschversuchen ging in die Geschichte ein.

Formel 1 heute vor 51 Jahren: Regel-Chaos in Jarama

Das Wochenende begann mit einem Chaos-Qualifying, wie es die Formel 1 in ihrer Geschichte nur selten erlebt hat. Die Veranstalter hatten die Startplätze auf nur 16 beschränkt, und wollten diese wie folgt definieren: Zehn Nummer-Eins-Fahrer und Weltmeister waren fix qualifiziert, der Rest musste sich am Freitagabend im dritten Training um die verbleibenden sechs Plätze streiten.

Das Format an sich mutet bereits bizarr an. Dann wurde am Freitag ein viertes Training angehängt, und Verwirrung kam auf. Zählte das letzte Training? Nur das vorletzte? Garantierten die Zeiten nur einen Platz im Feld? Zählten sie für die Startreihenfolge? Als sich über Nacht die damalige FIA-Sportabteilung CSI einschaltete und jeder regelmäßig von allen Stellen andere Infos erhielt, drohte die Eskalation. Teams formierten sich, wollten Ruhe und alle Autos am Start. Proteste lagen in der Luft.

Am Sonntagvormittag überstimmte die FIA alle und definierte 16 Starter - die zehn vorqualifizierten und die sechs schnellsten Fahrer, wie wohl eigentlich vom Veranstalter geplant. Doch es ging weiter. Einige Teams wollten alle Autos starten lassen, der Veranstalter stimmte plötzlich zu, die FIA-Stewards nicht, plötzlich standen 21 Autos in der Startaufstellung, Gerüchte von Handgreiflichkeiten kamen auf. Die FIA blieb hart. 16 Autos starteten, alle anderen wurden vom Grid entfernt. Am Ende ein Vorspiel für viele zukünftige Auseinandersetzungen zwischen Promoter, FIA und Teams.

Feuer-Inferno überschattet Rennen

Das Rennen sorgte sofort für Ablenkung. In der ersten Runde verlor Jackie Oliver die Kontrolle über seinen BRM, drehte sich durch die Auslaufzone, zurück auf die Strecke und schlug in den Ferrari von Jacky Ickx ein. Beide Autos gingen in Flammen auf. Oliver konnte sich selbst befreien, während ein brennender Ickx von Feuerwehrleuten aus dem Auto gezogen wurde, aber ohne schwere Verletzungen davonkam.

Graham Hill passiert die Unfallstelle - Foto: LAT Images

Die vollgetankten Autos zu löschen stellte sich als unmöglich heraus. Jedoch selbst zwei Großbrände auf beiden Seiten, ein Löschschaum-Fluss quer über die Strecke und ein gescheiterter Versuch, die ausgebrannten Wracks aus dem Weg zu ziehen, brachten das Rennen nicht zum Stillstand. Jackie Stewart gewann mit einer Runde Vorsprung auf Bruce McLaren und Mario Andretti. Für McLaren war es das letzte, für Andretti das erste Podium.

Vorne Jackie Stewart auf dem Weg zum Sieg, hinten besieht BRM-Teammanager Tim Parnell bereits den Schaden an Olivers Auto - Foto: LAT Images

Formel 1 heute vor 12 Jahren: Vettel sorgt für ersten Red-Bull-Sieg

Sebastian Vettel machte 2008 in Monza das B-Team Toro Rosso zum ersten Sieger im Red-Bull-Konzern. In China 2009 korrigierte er diesen Makel - und fuhr auch den ersten Sieg für das große A-Team Red Bull Racing ein.

Mark Webber und Sebastian Vettel nach dem China-GP 2009 - Foto: Sutton

Fahrerisch war es ein perfektes Wochenende für Vettel. Bei starkem Regen hielt er sich am Sonntag fast schadlos und fuhr vor Teamkollege Mark Webber als Sieger ins Ziel. Erst am Podium gingen die Dinge schief. Zuerst kam die falsche Hymne, "God Save The Queen" für das Team. Es hätte die österreichische sein sollen, nachdem Red Bull als österreichisches Team eingeschrieben ist. Dann schnitt sich Vettel mit dem Siegerpokal in den Finger.

Was sonst noch geschah:

Vor 6 Jahren:Mercedes-Pilot Lewis Hamilton gewinnt in Bahrain knapp vor Kimi Räikkönen und Nico Rosberg. Auch Räikkönens Ferrari-Kollege Vettel kämpft vorne lange mit. Starke Ferrari-Leistungen lassen tatsächlich kurz Hoffnungen auf einen WM-Kampf mit Mercedes aufkommen. Trügerisch.
Vor 109 Jahren: Rudi Fischer wird geboren. Wer? Rudi Fischer! Der Schweizer Amateur fuhr mit einem privaten Ferrari 1952 immerhin zwei Mal aufs Podium (P2 in Bern, P3 auf der Nordschleife) und wurde WM-Vierter, für einen Amateur fast ein Märchen.