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Formel 1

Formel 1 Sicherheit: Wie funktioniert das HANS System?

Die Sicherheitssysteme in der Formel 1 haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert. Ein wichtiger Schritt: Das HANS System.
von Martin Jacobs

Motorsport-Magazin.com - Das HANS System (Head and Neck Support) hat die Sicherheit im Motorsport in den letzten Jahrzehnten revolutioniert. Es schützt den Kopf eines Fahrers im Falle eines Unfalls vor übermäßigen Schleuderbewegungen und hat zu einem deutlichen Rückgang der Kopf- und Halsverletzungen im Motorsport geführt.

Warum ist das HANS System in der Formel 1 wichtig?

Verletzungen, die bei Schleuderbewegungen des Kopfes entstehen, waren lange Zeit ein großes Problem im Motorsport. Schleuderbewegungen treten vor allem bei frontalen Unfällen auf, bei denen die Geschwindigkeit eines Autos schnell abgebremst, also dezeleriert, wird. Während der Körperstamm beim Unfall durch die Gurte im Auto fixiert und somit vor übermäßigen Bewegungsausmaßen geschützt ist, war eine ähnliche Fixierung für den Kopfbereich lange Zeit nicht möglich.

Je nachdem, wie gewaltsam der Aufprall bei einem Unfall ist, kann die auftretende Schleuderbewegung des Kopfs Verletzungen an der Halswirbelsäule und dem Schädelknochen hervorrufen. Das sogenannte "Schleudertrauma" ist hierbei noch eines der harmloseren Verletzungsmuster. Hierbei kommt es zu einer Verletzung der Halsweichteile. Selbige ist zwar schmerzhaft, zieht jedoch in der Regel keine schwerwiegenden Folgen nach sich. Anders ist es jedoch, wenn die Aufprallenergie so hoch ist, dass nicht nur die Halsweichteile, sondern auch die knöchernen Strukturen der Halswirbelsäule und/oder des Schädels verletzt werden. Derartige Verletzungen können auch lebensgefährliche Folgen haben.

Wie funktioniert das HANS System?

Um das Schleudern und das Bewegungsausmaß des Kopfs im Falle eines Unfalls zu begrenzen, wurde das HANS-System entwickelt. Selbiges wurde von Dr. Robert Hubbard in den 80er Jahren an der Michigan State University erfunden. Aufgrund seiner Ausmaße wurde es ursprünglich nur in Sportwagen eingesetzt. Mit Hilfe von Mercedes-Benz konnte das System Ende der 90er Jahre kompakter gestaltet und so für den Einsatz in Monoposti weiterentwickelt werden.

Beim HANS System wird ein Korsett aus Karbon durch die Sicherheitsgurte auf den Schultern des Fahrers fixiert. Das Schulterkorsett ist durch Gurte mit dem Helm des Fahrers verbunden und kann so das Bewegungsausmaß des Kopfes bei einem Unfall begrenzen. Die Aufprallenergie wird demnach im Falle eines Unfalls nicht mehr allein von Kopf- und Halswirbelsäule des Fahrers, sondern auch von den Gurten und dem Schulterkorsett des HANS-Systems absorbiert.

Formel 1 Sicherheit: HANS System im Einsatz

Als Beispiel für die Effektivität des HANS-Systems kann der Unfall von Robert Kubica beim kanadischen Grand Prix 2007 genannt werden. Kubica hatte damals den Toyota von Jarno Trulli berührt, kam von der Strecke ab und schlug mit knapp 230km/h in eine Mauer am Streckenrand ein. Beim Einschlag in die Mauer wirkte das 75-fache der Erdbeschleunigung auf Kubicas Körper ein.

Der Kopf eines erwachsenen Menschen wiegt knapp 4,5kg, außerdem trägt ein Formel-1-Fahrer einen knapp 1,4kg schweren Helm. Bei einem Einschlag von 75g wirkten demnach knapp 442 kg Gewichtskraft auf den Kopf- und Halsbereich von Robert Kubica ein (75g * 5,9kg = 442kg). Glücklicherweise war das HANS System damals schon Pflichtbestandteil der Schutzausrüstung eines F1-Fahrers. Kubica erlitt nur leichte Verletzungen und konnte schon beim übernächsten Grand Prix in Frankreich wieder ins Cockpit steigen. Aufgrund der enormen Aufprallwucht muss jedoch davon ausgegangen werden, dass die Unfallfolgen ohne HANS-System weitaus gravierender gewesen wären.

Die Geschichte von Robert Kubica beim Großen Preis von Kanada nahm übrigens noch ein versöhnliches Ende: Im Folgejahr nach seinem schweren Unfall konnte er in Montreal seinen ersten und einzigen Formel-1-Sieg feiern.


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