Motorsport-Magazin.com Plus
Formel 1

Formel 1, Leclerc: Desaster im ersten Stint ruinierte Rennen

Charles Leclerc wird im Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring durchgereicht. Graining im ersten Stint zwingt zu zwei Stopps - und Nachteil beim Re-Start.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Gewisse Sorgen hatte sich Charles Leclerc schon nach dem Qualifying zum Eifel GP gemacht. Im Zeittraining zum elften Rennen der Formel-1-Saison 2020 auf dem Nürburgring lieferte der Ferrari-Pilot mit Platz vier zwar ein herausragendes Ergebnis für die in dieser Saison schwache Scuderia, doch sorgten gleich zwei Aspekte für Bedenken. Zum einen ging es nach der letzten erfolgreichen Zeitenjagd an einem Samstag (Mugello) im folgenden Rennen rapide zurück.

Zum anderen fürchtete Leclerc auf dem kalten Nürburgring Graining mit den weichen Reifen. „Es wird sehr wichtig, die Soft-Reifen zu managen. Die sind besonders wegen des Grainings im Longrun sehr schwierig. Das wird knifflig“, warnte Leclerc. Zurecht, wie das Rennen schneller, als dem Monegassen lieb war, vor Augen führte.

Nürburgring: Graining im Start-Stint verdirbt Leclerc Rennen

Am Start verteidigte Leclerc Platz vier noch souverän, die Pace ging in den ersten Runden jedoch rasant in den Keller. Nach acht Runden hatte der Ferrari-Pilot bereits 19 Sekunden auf die Spitze verloren, also mehr als zwei Sekunden pro Umlauf eingebüßt. Daniel Ricciardo hing Leclerc im Getriebe, lancierte letztlich einen erfolgreichen Angriff auf den SF1000.

Die schwache Pace Leclercs rührte von eben jenem befürchteten Graining, verriet der Youngster nach dem Rennen. „Wir müssen vor allem den ersten Stint auf Soft verstehen, da hatte ich doch ziemlich viel mit Graining und Untersteuern zu kämpfen. Im zweiten und dritten Stint war es etwas besser, aber der erste Stint hat unser Rennen einfach so sehr beeinträchtigt“, hadert Leclerc. „Wir haben die Reifen nicht ausreichend aufgewärmt, um sie im Rennen ins richtige Fenster zu bekommen“, bestätigt Teamchef Mattia Binotto.

Angst vor Soft: Leclerc mit Medium am Re-Start leichtes Opfer

Unmittelbar nach dem Überholmanöver durch Ricciardo bog Leclerc zum Boxenstopp ab, um nicht noch weiter durchgereicht zu werden und sein Glück mit einer anderen Mischung - dem Medium - zu versuchen. Mit Erfolg. Auf diesem Pneu lief es besser. „Wir sind dann auf eine Zwei-Stopp-Strategie gegangen, was ich für richtig hielt“, sagt Leclerc.

Nun herrschte allerdings eine gewisse Angst vor dem weichen Reifen. Deshalb steckte Ferrari in der späten Safety-Car-Phase wieder auf Medium, nicht zurück auf Soft. Hinter dem langsamen Pace-Car ein Problem am Re-Start. Immerhin kommen die weicheren Reifen besser auf Temperatur. Wenig überraschend verlor Leclerc beim fliegenden Start schnell eine Position an Pierre Gasly.

Charles Leclerc: P7 war Maximum

„Am Ende war es sehr knifflig mit dem Safety Car, weil ich alte Mediums hatte und die beim Re-Start sehr kalt waren“, schildert Leclerc. „Auf der einen Seite wollte ich die Softs versuchen, aber nach diesem ersten Teil des Rennens? Das war ein Desaster. Wir wollten dieses Risiko nicht eingehen und haben den Medium für den Re-Start gewählt.“

Mit Platz sieben kann sich Leclerc zumindest anfreunden. P4 aus dem Qualifying halten zu können, hatte er ohnehin kaum erwartet. „Gestern war ganz sicher ein kleiner Ausreißer in Sachen Performance. Ein gutes Qualifying, mit dem einen Schuss sind wir stark. Aber auf dem Longrun haben wir etwas mehr zu kämpfen, besonders auf dem Soft“, sagt Leclerc.

„Insgesamt haben wir es ziemlich gut gemanagt, ich hatte ein paar ganz gute Überholmanöver, was Spaß gemacht hat. Aber Platz sieben war das Beste, was wir heute herausholen konnten.“


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com Plus