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Formel 1, Verstappen verteidigt Sünder Hamilton: Strafe zu hart

Max Verstappen profitierte in Sotschi von zwei Strafen gegen Lewis Hamilton. Freude über Zielankunft und Podest für Red Bull, dafür Kritik an den Stewards.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappen war nach dem Formel-1-Rennen in Sotschi sichtlich erleichtert. Nach zwei Ausfällen in Folge hielt der Honda-Motor im Heck seines Red Bull in Russland endlich wieder. Mit Platz zwei zwischen den Mercedes-Teamkollegen Valtteri Bottas und Lewis Hamilton setzte der Niederländer seine Podest-Serie in der Saison 2020 fort. Dabei profitierte er auch von einer Strafe für den Weltmeister. Nach dem Grand Prix ergriff er Partei für Hamilton.

"Das ist ziemlich hart. Wenn du Unfälle auslöst ist es etwas anderes. Aber die Strafe, die Lewis bekommen hat, war schon schmerzhaft genug", springt Verstappen seinem Rivalen zur Seite, der nur noch zwei Strafpunkte von einer Rennsperre entfernt ist. Zwar profitierte er von den zwei 5-Sekunden-Zeitstrafen Hamiltons, die es ihm ermöglichten vor dem Briten ins Ziel zu kommen, doch die Ahndung mit zwei Strafpunkten ist für ihn ein Unding.

Hamilton hatte sich auf dem Weg ins Grid an einer nicht dafür vorgesehenen Stelle für Übungsstarts aufgestellt. "Zwei Punkte sind etwas heftig. Er hat jetzt zehn Strafpunkte. Vielleicht war es nicht richtig, wo er sich aufgestellt hat. Aber dafür Strafpunkte zu geben, ich weiß nicht, ob das korrekt ist", äußert Verstappen sein Unverständnis für die Entscheidung der Stewards.

Das Strafpunktekonto von Hamilton wird erst nach den kommenden vier Rennen wieder um Punkte erleichtert. Bis dahin ist der Mercedes-Star gut beraten, nicht negativ aufzufallen. "Ich war auch schon mal da oben mit zehn Punkten oder so", schmunzelt Verstappen. "Ich habe einfach zu mir gesagt: bleib weg von den Stewards. An der Bar im Hotel kannst du sie treffen, aber vermeide ihr Büro an der Rennstrecke."

Verstappen macht Honda-Frust vergessen

Derart gute Laune und Empathie für den Gegner muteten angesichts eines zweiten Platzes fast seltsam an. Doch Verstappen hatte in Sotschi allen Grund zur Freude. "So sollte es jedes Wochenende laufen", so der 22-Jährige, dem in Mugello nach einem Defekt beim Start regelrecht der Kragen geplatzt war. In Russland verschonte ihn Honda von weiterem Frust. Ganz ohne Schreckmoment ging es aber auch an diesem Sonntag nicht: "Auf der Einführungsrunde hat das Anti-Stall eingesetzt. Das war nicht schön."

Mit einem ähnlichen Fehlverhalten des Motors hatte es auch in Mugello begonnen, bevor dieser wenige Meter nach dem Erlöschen der Ampeln streikte. Diesmal stand Verstappen beim Run auf Turn eins wie auch das gesamte Rennen über die volle Power zur Verfügung, nur gelang ihm leider keine Wiederholung des Granatenstart vor zwei Wochen beim Toskana GP.

"Ich hatte gehofft, dass da etwas mehr Grip ist", so Verstappen, der vom zweiten Startplatz hinter Pole-Sitter Hamilton ins Rennen gegangen war. Die Freude darüber währte nur kurz, denn mit der besseren Traktion ließ Bottas ihn schon auf den ersten Metern stehen. "Ich dachte erst nur, dass ich einen schlechten Start hatte, aber dann sah ich im Spiegel, dass alle hinter mir schlecht gestartet waren", so Verstappen.

Nach einem kurzweiligen Duell mit Renault-Pilot Daniel Ricciardo in den ersten Kurven des Rennens, spielte Verstappen den ersten Stint hinter dem Mercedes-Duo ohne Chance auf eine Attacke runter. "Auf dem Medium-Reifen hatte ich einfach nicht die Balance. Ich konnte am Kurveneingang nicht pushen und nicht an ihnen dranbleiben", erklärt er.

Formel 1: Will die FIA eine Hamilton-Sperre verhindern?: (12:51 Min.)

Verstappen freut sich über erstes Russland-Podium

Durch die Strafen für Hamilton rückte er nach den Boxenstopps auf die zweite Position vor. Danach war das Rennen für ihn eine klare Angelegenheit. Der Angriff nach vorne war auch nach dem Reifenwechsel keine realistische Chance. "Auf dem harten Reifen war die Balance etwas stabiler. Aber er war schon zu weit vor mir. Nach dem Boxenstopp waren es schon um die zwölf Sekunden. Das aufzuholen ist sehr schwer, vor allem weil das Hinterherfahren auf dieser Strecke bei gleichen Reifen und ähnlicher Pace sehr knifflig ist", so Verstappen.

Nach 53 Runden überquerte er die Ziellinie fast acht Sekunden hinter Sieger Bottas. Die siebte Zielankunft der Saison bedeutete für ihn das siebte Podium des Jahres. Lediglich bei seinen drei jeweils technischbedingten Ausfällen in Spielberg, Monza und Mugello stand Verstappen nicht auf dem Treppchen.

"Ich bin mit Platz zwei sehr glücklich", sagt er. Und das nicht nur, weil der Honda-Motor diesmal gehalten hat. Red Bulls war seit der Premiere des Russland GP in der Saison 2014 auf dem Sochi Autodrom nämlich nie sonderlich erfolgreich gewesen: "Zurück auf dem Podest zu sein ist für uns ein tolles Resultat, vor allem weil wir auf diesem Kurs normalerweise nicht sehr konkurrenzfähig sind und hier noch nie auf dem Podium standen."


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