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Formel 1

McLaren unterschreibt als erstes Formel-1-Team Concorde-Vertrag

McLaren bestätigt als erstes Team öffentlich die Unterschrift des neuen Concorde Agreements der Formel 1, bleibt bis 2025. Wann folgt der Rest?
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 hat nun offiziell ihr erstes Team für die Saison 2021: McLaren gibt am Dienstag nach dem Barcelona-Wochenende bekannt, dass das Team das neue 'Concorde Agreement' unterschrieben hat - jene Verträge, die alle wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen zwischen den Teams, dem Formel-1-Management und der FIA definieren.

In einer Presseaussendung bestätigt McLaren auch, dass die Übereinkunft bis 2025 gilt. Andere Teams signalisierten in den vorangegangenen Wochen ebenfalls ihre Bereitschaft zur Unterschrift, offiziell bestätigt wurden aber sonst noch keine.

Formel-1-Zukunft ab 2021: Eine schwierige Aufgabe

Die Verhandlungen zu den Verträgen hatten sich in den letzten Monaten in die Länge gezogen. Liberty Media, die als kommerzieller Rechteinhaber der Formel 1 den Verhandlungen vorstanden, hatten schon im vergangenen Dezember auf erste Unterschriften gehofft. Doch es dauerte, und durch die Coronavirus-Krise nur noch länger.

Kritische Fragen zur Wirtschaftlichkeit der Formel 1 galt es nämlich zu klären, im Concorde Agreement werden unter anderem die Verteilung der Preisgelder von der Formel 1 an die Teams geregelt. Mit den alten, bis zum Ende der Saison 2020 gültigen Verträgen fühlten sich kleinere Teams teils stark benachteiligt.

Nach den Verzögerungen werden nun in den nächsten zwei Wochen die Unterschriften der Teams erwartet. Frust hatte sich in der Schlussphase aufseiten Mercedes aufgestaut, wie Toto Wolff in Spanien in der Pressekonferenz erklärte: "Wir haben diese Meetings, wo jeder an den selben Klarstellungen interessiert scheint und an den gleichen vertraglichen Anpassungen. Und dann verlassen sie die Meetings und draußen höre ich Meinungen, die stark von denen abweichen, was in Meeting gesagt wurde."

Mercedes mit später Concorde-Kehrtwende

Wolffs Stimmung war deshalb in Silverstone an einem Tiefpunkt angelangt. Im Sky-UK-Interview kam er der Explosion nahe: "Manche von diesen Leuten, wenn sie vor der Kamera stehen, kriechen sie dem kommerziellen Rechteinhaber in den Arsch, und in den Meetings sind sie dann wieder die lautesten."

Wolff legte sich einen neuen Plan zurecht, wie er dann in Barcelona erklärte: "Ich bin an einem Punkt angekommen - wenn wir als Teams nicht fähig sind, einen gemeinsamen Standpunkt zum gemeinsamen Vorteil zu vertreten, dann müssen wir zurückgehen und unseren eigenen vertreten."

"Ich glaube nicht, dass die Teams je vereint sein werden, jeder versucht ein paar kleine Deals nebenher durchzubringen, und medial wird die Schuld herumgeschoben, also haben wir uns entschlossen, mit Liberty weiterzumachen", schließt Wolff. "Ich hatte letztes Wochenende ein paar sehr konstruktive Diskussionen mit Chase [Carey, Liberty-F1-CEO, Anm.]. Die meisten Klarstellungen, die wir erreichen wollten, wurden diskutiert, und ich meine, wir sind an einem guten Punkt, um das Concorde Agreement zu unterschreiben und das hinter uns zu bringen."

McLaren gratuliert zum neuen F1-Deal

McLaren aber gab sich schon vor Wochen unterschriftsbereit, nun loben sie den neuen Deal. "Die Formel 1 hat mit dieser Übereinkunft einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung einer nachhaltigen, starken Zukunft getätigt", sagt Racing-CEO Zak Brown. "Das ist der richtige Deal zum richtigen Zeitpunkt für den Sport, die Eigentümer, die Teams, und vor allem für die Fans."

Brown impliziert, ohne Details zu nennen, eine deutlich ausgeglichenere Preisgeld-Verteilung sowie eine verbesserte Regierungsstruktur. Auch die war im Laufe der Verhandlungen immer wieder in die Kritik geraten - zu viele Gremien hätten Einflüsse auf die Regeländerungen, solche seien mit komplizierten Mehrheitsbestimmungen nur schwer durchzubringen gewesen, hieß es immer.

"Ein gerechterer Sport ist für alle besser", sagt Brown. "Bessere Balance bei der Aufteilung von Preisgeldern zwischen den Teams und klarere, einfachere Governance, die die eigennützigen Interessen durchschneidet und den Sport an erster Stelle stellt. Diese Übereinkunft wird die F1-Konstrukteuere langfristig nur gemeinsam stärker machen."

"Jeder musste für das große Ganze nachgeben, was eine engere, aufregendere und gesündere Formel 1 für zukünftige Generationen bedeuten wird", so Brown. Im Laufe des Abends bestätigten schließlich auch Ferrari und Williams ihre Unterschriften.


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