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Formel 1

Formel 1 Spanien, Bottas geißelt sich: Start einfach schlecht

Valtteri Bottas kassiert in Barcelona den nächsten WM-Kinnhaken. Mercedes-Pilot bringt sich mit verpatztem Start um alle Chancen. Finne am Boden zerstört.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Valtteri Bottas brauchte in Barcelona nach zwei bitteren Formel-1-Rennen in Silverstone dringend einen Konter im WM-Kampf der F1-Saison 2020 gegen Lewis Hamilton und Max Verstappen. Der Große Preis von Spanien entfaltete sich für den Mercedes-Piloten jedoch aus dem Stand alles andere als aussichtsreich. Statt eine Attacke auf Hamilton zu reiten, verlor Bottas gleich am Start zwei Positionen. Auf dem überholfeindlichen Circuit de Barcelona-Catalunya war danach mehr als Schadensbegrenzung mit Platz drei im Endergebnis samt Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde nicht mehr drin.

„Der Start war der Schlüsselmoment, der war nicht gut genug und hat mich heute jede Menge gekostet“, sagt Bottas. „Dass es hier dann schwer ist, zu überholen, weiß ja jeder.“ Warum er sofort derart an Boden verlor? Auf eine vielleicht weniger Grip bietende Seite der Startaufstellung will Bottas es nicht schieben. „Ich weiß nicht, ob der Unterschied zwischen linker und rechter Seite groß ist. Ich hatte einfach einen schlechten Start verglichen mit Lewis.“

Bottas verpatzt Start: Wheelspin und schlechte Reaktion

Dieser setzte sich Bottas zufolge aus zwei Komponenten zusammen. „Ich kam nicht gut von der Linie, hatte etwas Wheelspin. Außerdem hätte meine Reaktionszeit besser sein können, Lewis hat besser reagiert“, kritisiert Bottas sich selbst. Das habe er speziell in Barcelona unbedingt besser machen müssen, so Bottas mit Blick auf den mehr als 600 Meter langen Sprint bis zur ersten Bremszone. „Wenn du aus der ersten Reihe kommst, hast du keinen Windschatten, aber alle hinter dir. Wenn du dann keinen guten Start hast, bezahlst du den Preis dafür.“

Zuerst flog so links Verstappen vorbei, dann der Racing Point von Stroll auf der anderen Seite. „Nach links konnte ich nicht, da war Max. Als ich dann nach rechts wollte, um innen abzudecken, war es schon zu spät, weil da schon ein Racing Point kam“, schildert Bottas. „Er hatte dann die innere Linie in Kurve eins und ich wurde ins Sandwich genommen“, klagt der Finne. „Da haben wir den schlechtesten Valtteri Bottas gesehen. Mit Lewis zu kämpfen ist immer hart, aber er hat innen die Tür offengelassen und Stroll durchschlüpfen lassen“, kritisiert Sky-UK-Experte und Mercedes-Vorgänger Nico Rosberg.

Bottas im Sandwich: Verstappen & Stroll vorbei

Auch Sergio Perez setzte sich ausgangs Kurve zwei noch neben Bottas, immerhin den Mexikaner vermochte der Mercedes-Pilot über die lange Kurve drei hinweg wieder stehenzulassen. Das Rennen war zu diesem Zeitpunkt dennoch schon verloren. „Wenn du auf einer Strecke wie dann erst einmal Track Position verloren hast, ist es schwierig, das wiedergutzumachen“, sagt Bottas. Stroll fing der Finne zumindest binnen vier Runden wieder ein. Bottas: „Das hat nicht lang gedauert.“ Auch Verstappen war schnell eingeholt. An ein Überholen war jedoch nicht im Ansatz zu denken.

Lance Stroll hatte Bottas dank DRS schnell wieder kassiert - Foto: LAT Images

„Ich habe im ersten Stint hart gepusht, um Boden gutzumachen, deshalb habe ich damit gekämpft die Reifen am Leben zu halten“, berichtet Bottas. Genauso lang wie Hamilton hielt der WM-Dritte es auf dem Startreifen dennoch aus - beide kamen zum Doppelstopp gemeinsam an die Box. Fünf Sekunden Rückstand auf Verstappen hatte Bottas auf Medium dann schnell wieder zugefahren. Vorbei kam er allerdings nicht. „Der Pace-Unterschied war nicht massiv. Und hier brauchst du 1,5 Sekunden, um vorbeizukommen“, hadert Bottas mit den bekannten Eigenarten der Strecke in Montmelo. „Das ist ja nichts Neues ... Und je mehr Downforce wir haben, desto schwieriger wird es, hier hinterherzufahren.“

Verzweiflungstat gegen Verstappen

Bei seinem zweiten Stopp wechselte Bottas daraufhin auf eine andere Mischung als seine beiden Vorderleute - Soft statt Medium. Aus Verzweiflung, wider besseres Wissen. „Es war klar, dass ich nichts machen kann, wenn er [Max] keinen Fehler macht, weil es nicht genug Delta gab. Deshalb haben wir entschieden, etwas anderes zu machen“, erklärt Bottas. „Aber den Soft kannst du hier nicht pushen, der überhitzt einfach. Das wusste ich eigentlich schon nach den Erfahrungen des Trainings. Deshalb habe ich eher gemanagt. Ich war nah an Max dran, wusste aber, dass der Reifen kollabieren würde, wäre ich noch schneller gefahren. Der Medium war der bessere Reifen.“

Den holte sich Bottas deshalb drei Runden vor Schluss bei einem dritten Stopp. Das bescherte dem Finnen zumindest noch einen weiteren Punkt für die schnellste Rennrunde. Weder darüber noch über sein 50. Podium in der Formel 1 konnte sich Bottas freuen. Wieder war der WM-Rückstand gewachsen. Mit 89 Punkten liegt Bottas weiter knapp hinter Verstappen (95), aber deutlich hinter Hamilton (132). Dementsprechend präsentierte sich Bottas bei sämtlichen Medienterminen, von Grid-Interview über TV-Pool und Pressekonferenz bis hin zu seiner Print-Runde mit steinerner Miene. „Es ist weit entfernt von ideal. Ich weiß gar nicht, wie groß der Punkterückstand ist. Aber ich kann mir die WM schon entgleiten sehen ...“


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