Formel 1

Formel 1: Was wurde eigentlich aus Pastor Maldonado?

Grand-Prix-Sieger, Crashkönig, Memelegende. Wie kam es zum seinem Aufstieg in die Formel 1 und wo ist der bisher letzte Williams-Sieger heute ?
von Florian Niedermair

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 hat viele große Namen hervorgebracht, viele nicht ganz so große und einige an die man sich gar nicht mehr erinnert. Zur letzten Kategorie zählte einer allerdings bestimmt nicht: Pastor Maldonado. Ihm widmen wir uns heute in unserem Rückblick auf Fahrer, die sich in der Formel 1 nicht durchsetzen konnten. Ein Format mit dem Motorsort-Magazin allen F1-Fans die Zeit bis zum Saisonauftakt nach der Coronakrise zumindest ein kleines bisschen kurzweiliger gestalten will.

Pastor Maldonado Ein Name der wie (fast) kein anderer vor ihm für die Kombination aus Naturtalent und Crash-König steht. Ein Pilot, der überall schnell unterwegs war und sich vor keinem Risiko scheute. Doch das hatte einen gehörigen Preis. Unfälle und Strafen waren die ständigen Begleiter des venezolanischen Piloten während seiner fünfjährigen Formel-1-Karriere.

Karrierestart in Italien

Nach einigen Jahren vor allem in italienischen Kartserien stieg Pastor Maldonado 2003 in den Formelsport ein. 2003 startete er seine Karriere in der Formel Renault. Neben der italienischen Meisterschaft, die er mit drei Podien auf dem siebten Rang abschloss. Außerdem machte er noch einzelne Starts in der deutschen Formel Renault und im Eurocup.

In seiner zweiten Formel-Renault-Saison startete Maldonado voll durch. Mit acht Siegen aus 17 Rennen sicherte er sich den Titel in der italienischen Formel-Renault-Meisterschaft und geleichzeitig sicherte er sich auch zwei Rennerfolge im Eurocup, was ihm am Ende der Saison den achten Rang einbrachte.

Maldonado bei Testfahrten im Minardi - Foto: LAT Images

2005 stieg er in die leistungsstärkere Formel Renault 3.5-Serie um. Das war zumindest der Plan. Stattdessen baute er sich seinen Ruf als Crashkönig auf. Schon am Anfang der Saison unterlief ihm eine kritische Fehleinschätzung. Obwohl rote Flaggen geschwenkt wurden, passierte er in Zolder mit viel zu hoher Geschwindigkeit eine Kuppe und kollidierte mit einem dahinter gestrandeten Fahrzeug, nur durch viel Glück erwischte er bei dem Unfall keinen der Streckenposten, die sich zu dem Zeitpunkt auf den Weg zur Unfallstelle machten.

Nur wenige Wochen später leistete sich der Venezolaner in Monaco denselben Fehlern erneut. Doch diesmal waren die Konsequenzen verheerender. Maldonado ignorierte gelbe Flaggen und kollidierte mit einem Streckenposten.

Die Folge: Maldonado wurde für die nächsten vier Veranstaltungen von der Meisterschaft ausgeschlossen und wurde ursprünglich auch lebenslang von allen Rennen im Rahmen des Monaco-GPs verbannt. Die zweite Strafe hatte aber keinen Bestand nachdem Maldonados Familie alle Kosten für die medizinische Behandlung des Streckenpostens auf sich nahm. Dennoch konnte er erst beim vorletzten Rennwochenende wieder in die Formel Renault 3.5 einsteigen, allerdings ohne nennenswerte Resultate. In der Zwischenzeit absolvierte er einige Starts in der italienischen Formel-3000-Serie.

2006: Platz 3 in der Formel Renault, Rennsieg in Monaco - Foto: LAT Images

Im Jahr darauf nahm er dann tatschlich die gesamte Saison der Formel-Renault 3.5 in Angriff und das mit drei Siegen durchaus erfolgreich. Einen davon sammelte er ausgerechnet in Monaco. Am Ende des Jahres wurde es Platz 3 in der Meisterschaft und das auch nur aufgrund einer Disqualifikation wegen eines technischen Verstoßes, sonst hätte er den Titel geholt.

Folgerichtig kam 2007 der Aufstieg in die GP2. Schon in seiner ersten Saison lieferte er einen Sieg im Hauptrennen in Monaco und sicherte sich ein Podium in Silverstone. Dennoch mangelte es ihm noch an Konstanz. 2008 ging es ähnlich weiter. Maldonado war zwar an guten Tagen immer für ein Podium gut, doch wenn es einmal nicht für ihn lief, war er im Nirgendwo unterwegs oder crashte.

2009 schien er seine Konstanz in den Griff bekommen zu haben und fuhr bei den ersten achten Rennen nicht nur immer ins Ziel, sondern auch jeweils in die Punkte. Seine Highlights waren zwei Sprintsiege. Doch in der zweiten Saisonhälfte war der alte Maldonado wieder zurück, schrieb nur zweimal an und erreichte das Ziel nur mehr sporadisch.

Pastor Maldonados demolierter Bolide in Spa - Foto: LAT Images

Erst 2010, in seiner vierten GP2-Saison startete Maldonado richtig durch. Zwischen der dritten und der achten Runde der Meisterschaft sicherte er sich an jedem Wochenende den Sieg beim Hauptrennen. Sein Vorsprung war zu diesem Zeitpunkt schon so groß, dass er es sich leisten konnte bei den letzten fünf Rennen nicht in die Punkte zu kommen und trotzdem noch reichlich Abstand zum Meisterschafts-Zweiten Sergio Perez zu haben.

Formel-1-Einstieg und Grand-Prix-Sieg

Obwohl vier Jahre im Unterhaus der Formel 1 kaum Bestzeit sind, entschied sich Williams den GP2-Champion in die Königsklasse zu hieven. Das Sponsoring der staatlichen Ölgesellschaft von Venezuela, das Maldonado in die Formel 1 mitnahm, spielte sicher eine gehörige Rolle bei dieser Entscheidung. Zwar konnte Maldonado im Qualifying mit seinem erfahrenen Teamkollegen Rubens Barrichello auf Augenhöhe performen, im Rennen musste er aber immer Federn lassen und stand am Ende der Saison mit nur einem Zähler da. Unrühmliches Highlight des Jahres: In Spa steuerte er nach dem Qualifying absichtlich in den Boliden von Lewis Hamilton, weil er mit dessen Fahrweise unzufrieden war.

2012 wurde dann sein Jahr. In mehrerlei Hinsicht. Die Pace von Maldonado und Williams zeigte einen klaren Aufwärtstrend, Maldonado war im Qualifiying vor allem aber nun auch im Rennen schnell unterwegs. Und dann war da natürlich noch der alles überragende Sieg in Barcelona, der die Formel-1-Welt nachhaltig in Staunen versetzte. Kaum überraschend war es punktemäßig seine beste F1-Sason. Doch da gab es das ein oder andere Problem: Streckenbegrenzungen, andere Fahrer, Rennstewards, Startlichter... Kurz gesagt, alles das man nicht mit einem kräftigen Tritt auf das Gaspedal aus der Welt schaffen konnte.

Darunter war ein Unfall auf der letzten Runde in Melbourne (auf P6 liegend), eine Kollision mit Hamilton kurz vor Schluss in Valencia im Kampf um das Podium und ein Frühstart in Spa. Davon abgesehen sammelte er in erstaunlicher Regelmäßigkeit Strafen und verursache Unfälle. Kurzum: Der Ruf des Formel-1-Rowdies war endgültig manifestiert.

Großer Preis von Spanien 2012: Maldonado hält Alonso auf - Foto: Sutton

2013 sah er dann an der Seite von Valtteri Bottas nicht mehr ganz so gut aus. Maldonado sorgte weiterhin für überdurchschnittlich viele Unfälle und konnte auch von der Pace nicht mit dem Finnen mithalten. Deshalb wurde er am Ende des Jahres von Williams durch Felipe Massa ersetzt, nachdem er nur einen einzigen Punkt eingefahren hatte.

Pastor Maldonados zerstörter Williams: Leider kein allzu seltenes Bild - Foto: Sutton

Doch die Reise in der Formel 1 ging für Maldonado weiter. Im Jahr darauf wurde er von Lotus verpflichtet. Dort ging für den Venezolaner allerdings nicht viel voran. Lotus plagten massive Zuverlässigkeitsprobleme mit den neuen Motoren und Maldonado hatte teamintern keine Chance gegen Romain Grosjean. Er beendete die Saison mit gerade einmal zwei Zählern. 2015 ging es dann in einer ähnlichen Tonart weiter. Maldonado war sowohl im Qualifying als auch im Rennen seinem Teamkollegen meilenweit unterlegen. Pastor Maldonado hatte sich zwar von seinen Anfangszeiten in der Königsklasse etwas gesteigert, beschädigte aber immer noch regelmäßig seinen Boliden. Gegen Ende der Saison schaffte er es immerhin dreimal hintereinander in die Punkte zu fahren, was ihm Platz 14 und somit die beste Meisterschaftsplatzierung seiner Karriere einbrachte. Dennoch konnte das nicht mehr seine Karriere retten. Gemeinsam mit Lotus wurde seiner F1-Laufbahn ein Ende gesetzt.

2015: Seine letzte Saison in der Formel 1 - Foto: Sutton

LMP2 anstatt Formel-1-Wagen

2016 tat er das, was Fahrer die aus der Formel 1 fallen gerne machen. Nämlich als Testfahrer anheuern. In Maldonados Fall fand er einen Job bei Pirelli. Für zwei Jahre war er bei diversen Tests für den Reifenhersteller unterwegs.

Erst 2018 kam er wieder dazu, Rennen zu fahren. Maldonado ging zu Dragonspeed in die LMP2-Klasse der Langstrecken-WM. Dort lief es ziemlich gut. Er konnte sein Team in der Super-Season zu einem Klassensieg in Spa und insgesamt zu vier Podien führen. Außerdem gelang Dragonspeed der Klassensieg bei den 24-Stunden von Daytona. Allerdings bestand die durch das Ende der BOP schwer getroffene LMP2-Klasse nur aus vier Fahrzeugen. Beim Saisonfinale der WEC in Le Mans 2019 zeigte sich allerdings wieder der "alte" Maldonado. Acht Stunden vor Schluss flog er mit seinem Boliden hart in den Reifenstapel.

Foto: LAT Images

Zwar plante Maldonado gemeinsam mit seinen Teamkollegen Davidson und Gonzalez für die folgende WEC-Saison 2019/20 einen Wechsel zu Jota Sport. Daraus wurde aber nichts, da er kurz vor Saisonstart durch den Portugiesen Antonio Felix da Costa ersetzt wurde. Seitdem steht Pastor Maldonado ohne Cockpit da. Die schwere politische Krise, die Venezuela seit mehreren Jahren erschüttert, war für Maldonado, der über lange Phasen seiner Karriere von der venezolanischen staatlichen Ölgesellschaft gesponsert worden war, natürlich auch nicht von Vorteil bei der Suche nach einem neuen Renneinsatz.

2020 plante er einen Auftritt beim historischen Grand Prix von Monaco mit einem Vorkriegsfahrzeug, woraus aufgrund der Coronakrise natürlich auch nichts wurde.

Wenn man Pastor Maldonados Karriere in zwei Worte fassen müsste, dann lauteten diese wohl: Verlorenes Potenzial. Maldonado schwankte immer irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn. Sein Triumph beim Großen Preis von Spanien 2012 bezeugte das fahrerische Können des bisher einzigen Formel-1-Piloten aus Venezuela eindrucksvoll. Unbequemerweise tendierte er allerdings häufiger in Richtung Wahnsinn. Solange er immer noch als pfeilschnelles Talent galt, schaffte er es trotz seiner Eskapaden immer wieder seinen Platz in der Königsklasse zu behaupten. Als er allerdings teamintern auch noch was seine Pace anging auf verlorenem Posten stand, war es das mit seiner Formel-1-Karriere.


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