Formel 1

Formel 1 heute vor 44 Jahren: Tyrrells radikaler Six-Wheeler

Heute vor 44 Jahren in der Formel 1: Radikales Auto debütiert bei Tyrrell. MSM blickt in einer neuen Geschichtsserie zurück auf besondere Momente.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2020 lässt wegen der Coronavirus-Pandemie auf sich warten. Motorsport-Magazin.com nutzt die Zwangspause für eine neue Serie historischer Beiträge - ‚On this day’. Am heutigen 2. Mai gibt es ein ganz besonderes technisches Schmankerl als der F1-Geschichte - das legendäre wie radikale Sechsrad-Konzept von Tyrrell debütierte. Noch dazu: ein fragwürdiger Hunt-Sieg über Niki Lauda und ein fliegender Finne in der Mauer.

Formel 1 heute vor 44 Jahren: Tyrrell erfindet das Sechsrad

Formel-1-Kuriosität Tyrrell: Mit 6 Rädern zum Sieg!: (06:36 Min.)

Zwei Räder oder vier Räder? Da gehen in der Redaktion von Motorsport-Magazin.com die Meinungen gerne einmal auseinander. Doch was, wenn wir einfach zusammenlegen und ab sofort auch über Sechsräder berichten? Zumindest heute, am 2. Mai, ergibt das einen Sinn, jährt sich das Debüt einer der radikalsten Entwicklungen der Formel-1-Geschichte.

Zum Spanien GP 1976 startete die Formel 1 mit einigen Regeländerungen in die Europasaison, darunter neue Beschränkungen für Airbox und Heckflügel. Für die größte Aufmerksamkeit sorgte in Jarama jedoch keine Lösung eines Teams auf diese Neuerungen, sondern etwas anderes: Tyrrell startete plötzlich mit zwei Rädern mehr als üblich!

Tyrrell P34 - Vorderradaufhängung mal anders - Foto: Sutton

Der P34, Nachfolger des 007, verfügte an der Vorderachse über gleich vier Räder mit nur zehn Zoll, dank ausgeklügelter Aufhängung allesamt lenkbar. Die Hinterachse blieb regulär. Das Ziel: Durch die kleineren Vorderreifen sollte sich der Luftwiderstand reduzieren. Um dennoch nicht an Auflagefläche und damit Grip zu verlieren, kompensierte Tyrrell-Entwickler Derek Gardner das mit der unorthodoxen Idee, einfach die Räderanzahl an der Vorderachse zu verdoppeln.

Die Entwicklung verschwand - anders als so manch anderer radikaler Ansatz der Technik-Historie in der Formel 1 - wegen Erfolglosigkeit nicht gleich wieder in der Schublade. Insgesamt setzte Tyrrell den P34 von 1976 bis 1977 bei 30 Rennen ein. Gleich zum Start zeigte der ‚Six-Wheeler’ auf. Patrick Depailler qualifizierte sich in Spanien als Dritter. Teamkollege Jody Scheckter, bei diesem Rennen zu Vergleichszwecken noch mit dem 007 unterwegs, fehlte mehr als eine Sekunde.

Patrick Depailler bescherte dem Sechsrad ein starkes Debüt - Foto: Sutton

Drei Rennen später feierte hingegen Scheckter, dann auch im P34, beim Schweden GP den größten Erfolg dieses neuartigen Boliden und gewann das Rennen in Anderstorp. Dennoch bezeichnete der Südafrikaner den P34 als einen ‚Haufen Schrott’ und verließ Tyrrell mit Saisonende. Der Lauf der Geschichte sollte dem Weltmeister von 1979 Recht geben. Auf eine vorzeigbare Saison 1976 mit dem P34 folgte ein alles anderes als feierliches 1977. Das Konzept wurde letztlich eingestampft.

Mit Williams, March und Ferrari versuchten derweil drei Teams, Tyrrell nachzueifern, allerdings mit vier Rädern an der Hinterachse. Keines der drei Konzepte kam je in einem Rennen zum Einsatz.

Formel 1 heute vor 44 Jahren: Hunt fährt Lauda weg, muss aber zittern

Sportlich wurde der Spanien GP 1976 ebenfalls interessant. Oder besser gesagt sportpolitisch. Den Grand Prix selbst dominierte James Hunt nämlich nach Belieben. Von Pole gestartet, musste der Brite sich zunächst zwar von Niki Lauda ausbeschleunigen lassen und sich 32 Runden hinter dem Ferrari anstellen. Einmal vorbei, zog der McLaren-Pilot allerdings auf und davon. Hunt siegte mit mehr als einer halben Minute vor seinem Titelrivalen.

Allerdings folgte ein böses Erwachen - Disqualifikation! Der M23 soll zu breit gewesen sein. Hunt wurde der Sieg aberkannt - damit wäre aus dem berühmten WM-Titel mit nur einem Punkt vor Lauda in der Endabrechnung Monate später nichts geworden. Aber: McLaren protestierte gegen den Ausschluss. Man hätte das Auto mit noch warmen Reifen abmessen müssen, nicht erst nach Erkalten, argumentierte das Team. Die damaligen Goodyear-Pneus wurden sich im Einsatz ausdehnen. Im Rennen sei der M23 also legal gewesen.

Zu breit oder nicht nicht zu breit - das war hier die Frage - Foto: Sutton

Diese Logik setzte sich durch. Nach zwei Monaten des Wartens wurde Hunts Spanien-M23 doch für legal erklärt, das ursprüngliche Rennergebnis wiederhergestellt.

Formel 1 heute vor 21 Jahren: Häkkinen geht das Talent aus

Beim Großen Preis von San Marino 1999 deutet alles auf eine ganz klare Angelegenheit für McLaren-Mercedes und Mika Häkkinen. Pole für den Finnen, neben ihm Teamkollege David Coulthard, erst dahinter die Ferrari von Michael Schumacher und Eddie Irvine in Reihe zwei. Doch es sollte anders kommen.

Zunächst nicht. Häkkinen behauptete am Start souverän die Führung, Coulthard blieb als Schutzschirm direkt dahinter. Im frühen Rennverlauf zeigte der amtierende Weltmeister, warum man ihn noch heute als ‚fliegenden Finnen’ kennt. Binnen 17 Runden fuhr Häkkinen dem gesamten Feld mit einer schnellsten Rennrunde nach der anderen stramme 13 Sekunden davon - bis er in der letzten Kurve übertrieb, die Boxenmauer touchierte und so seinen McLaren irreparabel beschädigte. Das Aus statt eines scheinbar spielerischen Sieges.

Tifosi feiern Ferrari-Sieg: Schumacher schlägt Coulthard

„Er ist in die Boxenmauer gefahren. In der Fachsprache sagt man: ‚Das Talent ist ihm ausgegangen’“, kommentierte McLaren-Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug die Unfallursache.

Die Tifosi feierten in Imola 1999 einen unerwarteten Ferrari-Coup - Foto: Sutton

Noch schlimmer für McLaren: Einfach an Coulthard weitergereicht wurde der Sieg nicht. Schumacher stoppte vier Runden vor dem Schotten, nach seinem eigenen Stopp fand sich Coulthard plötzlich hinter dem Ferrari wieder. Bei Überrundungen verlor der McLaren nur noch mehr Zeit. An einen Konter bei der zweiten Boxenstoppwelle war nicht zu denken. Die Tifosi durften unerwartet und somit umso lauter jubeln.

Was sonst noch geschah:

Vor 44 Jahren: Ebenfalls beim schon genannten Spanien GP gab Larry Perkins sein F1-Debüt. Mit elf Rennstarts und einem achten Rang als bestes Ergebnis wurde aus dem Australier jedoch nicht mehr als eine Randnotiz der Sportgeschichte. Besser war Gunnar Nilsson. Der Schwede fuhr in Spanien mit Platz drei zum ersten Mal auf das Podium. Insgesamt gelang Nilsson das viermal in 31 Rennen. 1977 gewann der Schwede den Belgien GP in Zolder.


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