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Formel 1

Formel 1: Der ultimative Talent-Check - Ausgabe 2020 Teil 1

Wir unterziehen neun Formel-1-Talente unter 25 Jahren einem mehrteiligen Check. Wurden sie bisher überschätzt oder unterschätzt?
von Florian Becker & Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Motorsport-Magazin.com sucht die nächsten Formel-1-Superstars. Neun Talente unter 25 Jahren stellen sich unserem schonungslosen Check. Wer unter ihnen wurde bislang unterschätzt, wer wird gnadenlos überschätzt?

Pierre Gasly ist besser als sein Ruf

Der Franzose zählt ohne jeden Zweifel zu den größten Verlierern und Enttäuschungen der zurückliegenden Formel-1-Saison. Dass Pierre Gasly in seinem ersten Jahr bei Red Bull gegen Platzhirsch Max Verstappen ankommen würde, damit hatte zwar niemand gerechnet. Eine derartige Unterlegenheit überraschte dann allerdings doch die meisten Experten.

Fünfmal überrundet, bis zur Auswechslung gegen Alex Albon nach der Sommerpause 1:11 im Qualifying-Duell unterlegen - und das nur nicht zu null, weil ein Unfall Kevin Magnussens in Kanada Verstappen seine Runde ruinierte - sowie dreimal weniger Punkte als Verstappen aus ihren gemeinsamen zwölf Rennen bei Red Bull. Die Bilanz liest sich verheerend. Zu verheerend für eine Nummer zwei bei Red Bull. Gasly war abgeschrieben. Nicht nur für die Experten, auch für Red Bull. Die Bullen schickten den 23-Jährigen zurück zu Toro Rosso - wie Daniil Kvyat vor drei Jahren.

Bei Red Bull konnte Pierre Gasly nicht überzeugen - Foto: Red Bull

Gasly reagierte jedoch völlig anders. Während der Russe, mental völlig am Boden, auch bei der kleinen Scuderia auf keinen grünen Zweig mehr kam, im sportlichen Nirvana verschwand, blühte Gasly sofort auf. Ohne den riesigen Druck neben Verstappen, in einem absoluten Top-Team mit sehr viel mehr Aufmerksamkeit zu sein, fuhr der Franzose groß auf - bis zum sensationellen Podium beim chaotischen Großen Preis von Brasilien. Das alles zeigt: Der GP2-Champion von 2016 ist durchaus besser als sein Ruf - aber nur, wenn der Kopf stimmt. Genau das war bei Red Bull das größte Problem.

Schon nach gleich zwei Unfällen bei den Testfahrten war Gasly angeschlagen, erholte sich nie mehr. Gleichzeitig wollte es der Franzose gegen Supertalent Max Verstappen erzwingen. Eine fatale Kombination. Deshalb kann Pierre Gasly durchaus mehr als nur untaugliche Nummer zwei. Entweder als Teamleader oder zumindest gleichwertiger Pilot in einem anderen Team. Oder, mit anderem Ansatz, auch noch einmal bei Red Bull. Ein Comeback in unbestimmter Zukunft hat Teamchef Christian Horner jedenfalls nicht ausgeschlossen. Sonst hätte man Gasly auch gleich völlig abgesägt, nicht noch einmal zu Toro Rosso geschickt.

Allgemeine Einschätzung: Nur schlechte Nummer zwei
Unsere Meinung: Falsch!
Unser Urteil: UNTERSCHÄTZT

Formel 1 2020: Der ultimative Talent-Check: (57:11 Min.)

Lando Norris: Fehler? Fehlanzeige!

Er gilt als die britische Antwort auf Max Verstappen. Norris dominierte auf seinem Weg in die Formel 1 schon in jungen Jahren diverse Nachwuchskategorien und verdiente sich so seinen Ruf als Teil der Next Generation, die Lewis Hamilton & Co. eines Tages an der Weltspitze ablösen soll. In seiner Debütsaison wurde das McLaren-Talent seinen Vorschusslorbeeren in vielerlei Hinsicht gerecht. Vom ersten Rennen an bestach er mit starker Pace und beeindruckender Rennintelligenz.

Lando Norris gilt als zukünftiger Champion - Foto: LAT Images

Fehler? Fehlanzeige! Dass er Teamkollege Carlos Sainz dabei nicht im Griff hatte, ist auch für ein Supertalent völlig in Ordnung. Schließlich wurde der Spanier 2015 auch von Verstappen nicht gebügelt. Ein Fahrer von Sainz' Kaliber ist mit vier Jahren Vorsprung kein Kanonenfutter. Norris fehlt nur eine Portion mehr Erfahrung, um sein Potential als zukünftiger Champion voll zu entfalten.

Allgemeine Einschätzung: Supertalent
Unsere Meinung: Richtig!

Lance Stroll ging gegen Teamkollegen unter

Jüngstes Rookie-Podium der Geschichte. So fasste Lance Stroll 2017 seine erste Saison in der F1 gerne zusammen. Über zwei Jahre später bringt dem kanadischen Milliardärssohn dieser Meilenstein herzlich wenig. Tatsächlich hat sich bei Stroll in mittlerweile 62 Grands Prix wenig bis gar nichts getan. Fortschritte oder eine Entwicklung sind bei ihm kaum zu erkennen. Selbst Rookie-Teamkollege und Paydriver-Genosse Sergey Sirotkin erteilte ihm 2018 bei Williams im Qualifying eine Lektion.

Lance Stroll machte auch in seiner dritten Formel-1-Saison keine nennentswerten Fortschritte - Foto: LAT Images

Der Wechsel in ein von seinem Vater aufgekauftes Team brachte ebenfalls nicht den Durchbruch. Im direkten Vergleich mit Sergio Perez bestätigt sich bei Racing Point eigentlich nur, was schon lange klar war. Stroll zählt zu der Sorte Paydriver, die ihr Cockpit einzig und allein dem Geld zu verdanken haben.

Allgemeine Einschätzung: Paydriver ohne Potential
Unsere Meinung: Richtig!

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