Formel 1

Formel 1, Racing Point 2020 am Limit: In Australien ohne Teile?

Racing Point geht bei der Entwicklung des RP20 volles Risiko. Unfälle bei Testfahrten könnten Folgen haben. Teamchef Otmar Szafnauer rechnet mit Engpässen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Für die Formel 1 beginnt mit den Testfahrten in Barcelona diese Woche die Saison 2020. Racing Point stellte erst zwei Tage vor dem Startschuss das neue Auto vor - und das auch nur als Showcar mit aktualisiertem Design. Der Privatrennstall reizt bei der Entwicklung des RP20 das Zeitfenster maximal aus und geht damit ein hohes Risiko ein. Beim Auftakt in Melbourne könnte das für Probleme sorgen.

"Wir haben vor ein paar Tagen erst auf die Anzahl der Ersatzteile geschaut, die wir für Australien haben werden, und sie werden sehr begrenzt sein", erklärte Teamchef Otmar Szafnauer im Rahmen des Launch-Events im österreichischen Mondsee, dem Heimatort des neuen Titelsponsors BWT.

Bei den von acht auf sechs Tage verkürzten Tests auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya darf diesen Winter ohnehin noch weniger schiefgehen als in der Vergangenheit. Defekte oder Unfälle bei Sergio Perez und Lance Stroll kosten noch wertvollere Zeit. Doch Racing Point scheut sich nicht davor, den neuen Boliden wie die Top-Teams am absoluten Limit zu bauen.

Formel 1 2020: Kampfansage von Racing Point: (09:29 Min.)

Racing Point reizt Entwicklungszeit maximal aus

"Die schwierige Frage ist, wann du aufhörst zu entwickeln und wann du mit der Herstellung beginnst", so Szafnauer, dessen Team vor zwölf Monaten noch unter ganz anderen Voraussetzungen in die Saison ging. Nachdem das Vorgänger-Team Force India im Sommer 2018 nur haarscharf an der Insolvenz vorbeischrammte, wurde der RP19 des Jahrgangs 2019 während einer finanziellen Krisensituation entwickelt.

Der neue Teambesitzer Lawrence Stroll sorgte für wirtschaftliche Stabilität und eine Ausgangslage, in der Racing Point zur Saison 2020 deutlich aggressiver entwickeln kann. Das Auto zu früh fertigzustellen, wäre für Szafnauer nur ein Zeichen dafür gewesen, dass sein Team die neuen Möglichkeiten nicht ausgenutzt hat.

"Wenn du zu viele Teile hast, bedeutet das nur, dass du zu früh mit der Entwicklung aufgehört hast und du zu viel Zeit in der Herstellung verbracht hast", so der 55-Jährige. "Wir müssen entwickeln und nochmals entwickeln, denn das bedeutet Performance. Erst dann wird hergestellt. Wir versuchen das eng zu stricken, und die erfolgreichen Teams können diese Produktionszeiten komprimieren."

Racing Point gibt im Winter Vollgas

Im Vorjahr waren dem Team die Hände gebunden, bei den Testfahrten kreuzte man mit einem Interims-Auto auf und auch die ersten Rennen musste auf Teile gewartet werden. In dieser Off-Season war hingegen alles anders. "Es war unheimlich arbeitsreich. Wir haben nur zwei Tage frei genommen, zu Weihnachten und Neujahr", sagt Szafnauer.

Das lag allerdings nicht nur an der verbesserten Situation, die eine erhöhte Produktivität erlaubte. "Es war der arbeitsreichste Winter, denn die Saisons werden länger und beginnen etwas früher", so der Teamchef. "Das einzig Gute ist, dass wir nur sechs Testtage haben. Das hilft ein bisschen, aber es gibt keine wirkliche Pause mehr."


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