Formel 1

Formel 1 Mexiko: Hamilton gewinnt Strategie-Poker gegen Vettel

Lewis Hamilton gewinnt den Mexiko GP 2019. Mercedes ringt Ferrari per Strategie nieder. Sebastian Vettel & Valtteri Bottas auf dem Podest. Leclerc im Pech.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton hat den Grand Prix von Mexiko 2019 gewonnen. Der Mercedes-Pilot setzte sich in einem Strategie-Krimi gegen Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel und seinen Teamkollegen Valtteri Bottas durch. Für Hamilton war es der zehnte Sieg der Saison und der 83. seiner Karriere. Für die Titelverteidigung reichte es diesmal aber noch nicht.

Das Rennen begann mit einer wilden Startrunde, in der Vettel sich mit harten Bandagen gegen Hamilton behauptete. Der Weltmeister lag daraufhin im Clinch mit Verstappen und schickte den Niederländer nach einer Kollision in Kurve zwei in die Wiese. Verstappen verabschiedete sich wenige Runden später durch einen Reifenschaden in Folge einer Berührung mit Bottas endgültig aus dem Kampf an der Spitze.

Dieser wurde letztendlich durch die Strategien entschieden. Ferrari reagierte mit Leclerc auf einen frühen Undercut-Versuch von Red-Bull-Pilot Albon, durch den die Italiener sich beim Führenden früh auf eine Zweistopp-Strategie festlegten. Vettel, Hamilton und Bottas hingegen setzten auf eine Einstopp-Taktik.

Die unterschiedlichen Strategien sorgten für eine spannende Schlussphase. Der von Ferrari bei Hamilton erhoffte Performance-Einbruch trat jedoch nicht ein. Der Weltmeister managte seine Reifen perfekt und zog im entscheidenden Moment das Tempo an, um sich Vettel vom Leib zu halten.

Hamilton feierte nach 71 Runden seinen zweiten Sieg in Mexiko, Vettel und Bottas komplettierten das Podium. Leclerc büßte für einen verpatzten Boxenstopp mit Platz vier, sicherte sich aber immerhin noch die schnellste Runde. Albon und Verstappen beendeten das Rennen auf den Positionen fünf und sechs.

Die Punkteränge: Best of the Rest wurde zur Freude der mexikanischen Fans Lokalmatador Sergio Perez. Der Racing-Point-Pilot verteidigte seinen siebten Platz in einem harten Duell gegen Daniel Ricciardo im Renault. Pierre Gasly und Nico Hülkenberg komplettierten die Top-10. Letzterer wurde kurz vor dem Ziel von Daniil Kvyat abgeschossen. Der Russe erhielt eine 10-Sekunden-Zeitstrafe und fiel von der neunten auf die elfte Position zurück.

Formel 1, WM-Stand 2019: Bottas vertagt WM-Entscheidung

Der WM-Stand: Drei Rennen vor Schluss führt Hamilton die Weltmeisterschaft mit 74 Punkten Vorsprung auf Bottas an. Vier Zähler mehr hätten ihn in Mexiko bereits zum sechsfachen Weltmeister gemacht. Die Titelverteidigung wird am kommenden Wochenende in Austin damit aber zur reinen Formsache. Spannend ist es dafür wieder im Kampf um den Best of the Rest. Gasly und Sainz sind punktgleich, zwei Zähle dahinter liegt Albon.

In der Konstrukteurswertung war für Mercedes mit dem Titel in Japan schon alles klar. Auch dahinter wird sich zwischen Ferrari und Red Bull nichts mehr tun. McLaren ist trotz Nullrunde weiter sicher auf Position vier. Bei Renault, Toro Rosso und Racing Point ist aber nach wie vor nichts entschieden.

Das Wetter: Der Grand Prix auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez ging wie das gesamte Wochenende bei dichter Bewölkung und trockenen Bedingungen über die Bühne. Die Lufttemperatur betrug 23 Grad Celsius, die Strecke war mit 39 Grad Celsius deutlich wärmer als in allen anderen Sessions seit Freitag.

Wilde Startrunde beim Mexiko GP

Die Startphase: Leclerc erwischte einen sauberen Start, doch Vettel nutzte den Windschatten beim Run auf die erste Kurve für eine Attacke auf den Teamkollegen. Anders als vor wenigen Wochen in Russland fuhr Leclerc diesmal Kampflinie und verteidigte sich erfolgreich gegen den Teamkollegen. Vettel hielt sich seinerseits Hamilton mit einem harten Manöver vom Leib, bei dem er den Mercedes in Richtung Grünstreifen abdrängte.

Hinter dem Ferrari-Duo ging es zwischen Hamilton und Verstappen eng zu. Der Red-Bull-Pilot rutschte dem Weltmeister am Ausgang von Kurve eins in die Seite, dieser schickte ihn dafür in Turn 2 durch die Wiese. Die Profiteure hießen Albon und Sainz, die auf die Positionen drei und vier aufrückten. Hamilton fiel auf Rang fünf zurück, Verstappen war nach dem ersten Sektor nur noch Neunter.

Im Mittelfeld wurde Räikkönen von Russell und Magnussen ins Sandwich genommen. In Kurve fünf verschätzte sich Vettel und fuhr leicht auf Leclerc auf. Vom Frontflügel des Deutschen flogen Karbonsplitter, doch die Ferrari-Chefetage konnte nach der Szene durchatmen. Beide Autos kamen ohne große Beschädigungen davon. Durch die diversen Kollisionen in der ersten Runde rief die Rennleitung zur Säuberung der Strecke das Safety Car auf den Plan.

Verstappen kollidiert mit Bottas

Der frühe Rennverlauf: In Runde drei wurde das Rennen wieder freigegeben. Leclerc lag anderthalb Sekunden vor Vettel, unmittelbar dahinter folgte Albon. Verstappen quetschte sich im Stadion an Bottas vorbei und übernahm Platz sieben. Doch die Freude währte nicht lange. Erst konterte der Finne auf der Start- und Zielgeraden, dann löste sich Verstappens rechter Hinterreifen in Wohlgefallen auf.

Der Plattfuß war die Folge seines Manövers auf Bottas. Verstappen musste eine ganze Runde auf dem zerfetzten Hinterreifen zurück an die Box fahren und fiel nach seinem Wechsel auf den harten Reifen auf die letzte Position zurück. In Runde neun teilte die Rennleitung mit, dass Vettels Start-Manöver gegen Hamilton nicht geahndet wird.

An der Spitze kontrollierte Leclerc weiter die Pace. Der Monegasse lag nach wie vor anderthalb Sekunden vor Vettel, Albon hielt sich als Dritter wacker im DRS-Fenster des viermaligen Weltmeisters. Hamilton hielt als letzter Pilot den Anschluss an die Spitze, Bottas fehlten bereits sechs Sekunden auf den Teamkollegen.

Strategie-Poker um den Sieg

Die Zweistopp-Strategien: Albon kam in Runde 14 als erster Pilot der Spitzengruppe zum Service. Der Thailänder ging für den zweiten Stint noch einmal auf Medium und fiel auf die sechste Position hinter Sainz zurück. Einen Umlauf später reagierte Ferrari mit Leclerc. Auch dort setzte man für den zweiten Stint auf den Medium-Compound.

Durch Albons Kampf mit Sainz kam Leclerc deutlich vor dem Red-Bull-Rookie zurück auf die Strecke. Vettel, Hamilton und Bottas blieben derweil draußen. Das Trio verfolgte offenbar eine Einstopp-Strategie. Während an der Spitze alles glatt lief, erlebte Norris im Mittelfeld desaströse Boxenstopps.

Beim McLaren-Rookie war das linke Vorderrad beim Release nicht festgezogen. Norris hielt rechtzeitig vor dem Boxenausgang an und wurde von den Mechanikern zurückgeschoben. Das Rennen des Briten war damit aber gelaufen. Er verlor zwei Runden und fiel aus den Top-10 auf den letzten Platz zurück.

Die Einstopp-Strategien: In Runde 23 kam Hamilton zum Reifenwechsel von Medium auf Hard an die Box. Der Mercedes-Pilot kam als Vierter hinter Leclerc zurück auf die Strecke. Ferrari wollte zunächst mit Vettel reagieren, doch der Leader sprach sich gegen eine sofortige Antwort auf Mercedes aus. Vettel blieb auf der Strecke, während Hamilton mit schnellsten Runden attackierte.

Der Vorteil der neuen Reifen war allerdings nur von kurzer Dauer. Bereits nach fünf Runden klagte Hamilton über Performance-Verlust und stellte die Strategie seines Kommandostandes in Frage. Statt auf Leclerc aufzuholen, begann Albon den Rückstand auf ihn zur verkürzen. Vettels Startreifen zeigte an der Spitze weiterhin keine großen Ausfallerscheinungen.

Bottas bog in Runde 36 zu seinem ersten und einzigen Boxenstopp ab. Der Finne kam nach dem Wechsel von Medium auf Hard als Fünfter zurück auf die Strecke, fünf Sekunden hinter Albon. Diesmal reagierte Ferrari auf den silbernen Undercut-Versuch. Vettel stoppte eine Runde später und behauptete sich damit problemlos gegen Bottas.

Ferrari patzt bei Leclercs entscheidenden Boxenstopp

Der weitere Rennverlauf: Durch die Boxenstopps von Bottas und Vettel übernahm Leclerc für den Moment wieder die Führung. Hamilton und Albon folgten auf den Positionen zwei und drei. Bereinigt führten jedoch die Einstopper Hamilton, Vettel und Bottas den Grand Prix an. Hamiltons Vorsprung auf Vettel betrug sechs Sekunden, doch der Ferrari-Pilot drehte auf frischen Reifen mit schnellsten Runden auf.

Hinter der Spitze führte Ricciardo auf Position sechs gegen Rennhälfte das Mittelfeld an. Der Renault-Pilot hatte allerdings als einziger im Feld noch nicht gestoppt. Hinter ihm befand sich Verstappen auf seiner Aufholjagd. Der Niederländer war seit der fünften Runde auf demselben Satz Hard-Reifen unterwegs. Perez, Kvyat und Hülkenberg folgten auf den letzten Punkterängen.

Die letzten Boxenstopps: Ferrari rief Leclerc in Runde 43 zum letzten Boxenstopp. Beim Wechsel von Medium auf Hard verlor der Youngster durch ein Problem am rechten Hinterrad jedoch wertvolle Zeit. Dadurch kam er als Vierter mit 15 Sekunden Rückstand auf Leader Hamilton zurück auf die Strecke. Albon stoppte gleich darauf. Der Thailänder blieb Fünfter.

Ferraris Schlussoffensive nicht gut genug für Mercedes

Die Schlussphase: Leclerc attackierte auf dem frischen Reifen sofort ohne Rücksicht auf Verluste. In Runde 50 hatte er bereits fünf Sekunden vom Rückstand auf Hamilton abgeknabbert. Sein Pace-Vorteil riss trotz maximalem Angriff nicht ab. Die größte Spannung versprach zunächst aber das Duell zwischen Bottas und Vettel. Der Mercedes-Pilot arbeitete sich langsam ans DRS-Fenster heran.

In Runde 55 hatte Bottas die Lücke geschlossen. Für eine Attacke kam er jedoch nicht nah genug heran. Stattdessen schloss Leclerc auf ihn auf. Der Monegasse leistete sich auf der Jagd nach dem Dritten allerdings einen Verbremser, der ihn rund anderthalb Sekunden und den Anschluss kostete.

Das Spitzentrio zog im entscheidenden Moment die Pace an, während Leclerc Probleme hatte seine schnellen Rundenzeiten aufrecht zu erhalten. Er fand seinen Rhythmus zwar wieder, doch fünf Runden vor Schluss war es zu spät um noch große Sprünge zu machen. Zumal Hamilton an der Spitze alles unter Kontrolle hatte.

Der fünfmalige Weltmeister überquerte die Ziellinie ohne jemals von Vettel in Bedrängnis geraten zu sein. Bottas und Leclerc folgten auf den Positionen drei und vier. Hinter den Top-6 setzte sich Perez nach einem sehenswerten Kampf gegen Ricciardo als Siebter durch. In der letzten Runde im Kampf um Platz neun eine Szene zwischen Kvyat und Hülkenberg für Aufsehen. Der Russe fuhr dem Renault in der letzten Kurve ins Heck. Für Hülkenberg war das Rennen damit beendet.

Die Top-Facts des Rennens

  • Hamilton holt 10. Saisonsieg
  • Mercedes gewinnt dank Strategie-Poker
  • Bottas vertagt WM-Entscheidung
  • Verstappen nach Aufholjagd Sechster

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